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Entwicklungsländer nutzen ihre Chancen

Es steht besser um die Weltwirtschaft als es scheint

Geht es um die Weltwirtschaft, steht der Handelskrieg zwischen den USA und China bzw. Europa im Mittelpunkt der Berichterstattung. Doch das düstere Bild, das dadurch entsteht, ist sehr einseitig. Es gibt gegenläufige Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Und Europa ist ein Treiber.

Der gerade erst erneut forcierte Handelskrieg zwischen China und den USA überlagert eine Reihe positiver Entwicklungen. Um den Welthandel und die internationale Verflechtung der Produktion ist es besser bestellt als es oftmals den Anschein hat.

Direktinvestitionen wachsen langsamer

Viele US-Konzerne haben aufgrund der Steuerreform in den USA Investitionsmittel aus dem Ausland in die USA zurückverlagert. Außerdem nehmen die Direktinvestitionen im Ausland seit der Finanzkrise deutlich langsamer zu als in den beiden Jahrzehnten zuvor. Die Konferenz für Handel und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCTAD) spricht von einem durchschnittlichen Plus in den 90er Jahren von 21%, in der Zeit von 2000 bis 2007 von 8%, seit der Finanzkrise von nur noch 1%.
Die Anzahl regulatorischer Eingriffe steigt. Sie wuchs 2018 auf ein Drittel aller Maßnahmen, die sich auf Auslandsinvestitionen auswirken (112 in 55 Staaten). Das ist die höchste Zahl seit zwei Jahrzehnten.

Viele neue Handelsabkommen

Dagegen schließt die EU gerade ein Handelsabkommen nach dem anderen ab. Zuletzt waren es Kanada und Japan, jüngst Mercosur und Vietnam. Australien und Neuseeland stehen möglicherweise bald bevor. Die Abkommen mit den Mercosur-Staaten und Vietnam könnten schon bald in Kraft treten. Mit 780 Mio. Konsumenten wird der größte Markt der Welt geschaffen. Er umfasst rund ein Viertel der weltweiten Wirtschaftsleistung (gemessen am BIP).

Für europäische Unternehmen öffnet sich in Südamerika ein Markt mit 260 Mio. Konsumenten. Vor allem die Exportindustrien Auto, Maschinenbau und Chemie können sich freuen, weil hohe Einfuhrzölle abgebaut werden. Zudem können sich Unternehmen aus EU-Ländern künftig um öffentliche Aufträge in den vier Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) bewerben. Vor allem bei großen Infrastrukturprojekten werden sie davon profitieren, dass die südamerikanischen Baukonzerne durch Korruptionsskandale erschüttert sind, meint die Sozietät Friedrich Graf von Westphalen & Partner.

Entwicklungsländer nutzen ihre Chance – Afrika und Asien beliebt

Auch viele Entwicklungsländer nutzen ihre Chance. Sie liberalisieren die Möglichkeiten für Direktinvestitionen aus dem Ausland. Laut UNCTAD wurden 2018 insgesamt 40 Investitionsabkommen weltweit unterzeichnet. Afrika und Asien sind besonders beliebt bei multinationalen Unternehmen. Afrika zog 2018 insgesamt 46 Mrd. USD Investitionen an (+11% ggü. 2017), Asien 512 Mrd. USD (+4%).

Verwaltungen bemühen sich um einfachere und schnellere Verfahren

Der Trend zur Vereinfachung oder Straffung der Verwaltungsverfahren für Auslandsinvestitionen setzt sich ebenfalls fort. Mehrere Länder haben neue steuerliche Investitionsanreize geschaffen. Sonderwirtschaftszonen schießen weiter wie Pilze aus dem Boden. Gegenwärtig gibt es in 147 Volkswirtschaften fast 5.400 Sonderwirtschaftszonen. Mehr als 500 neue sind in Vorbereitung.

Der SEZ-Boom ist Teil einer neuen Welle der Industriepolitik. Sie ist eine Reaktion auf den zunehmenden Wettbewerb um international mobile Investitionen. Allerdings heißt es für Investoren aufzupassen: Etliche SWZ haben schlechte Standorte, die hohe Investitionen erfordern oder weit entfernt von Infrastrukturknotenpunkten oder Städten mit ausreichenden Arbeitskräftepotenzialen liegen.

Die Effekte der Öffnung des „Ostblocks" der Eintritt Chinas in die Weltwirtschaft waren ein Ausnahmezustand. Jetzt herrscht Normalität, was die Verflechtung der Weltwirtschaft angeht. Es geht weiter voran, nur deutlich langsamer.

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