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Compliance-Transparenz: Siemens und Telekom vorn

Fuchs-Rating offenbart große Lücken

Das FUCHS-Compliance-Transparenzrating offenbart Darstellungslücken bei den DAX 30. Quelle: Fuchsbriefe
Die DAX-Konzerne sind gerade in jüngerer Zeit wahrlich nicht arm an Skandalen. Besonders negativ sticht die Finanzbranche heraus. Alle börsennotierten Konzerne müssten eigentlich ein großes Eigeninteresse haben, ihre internen Regelwerke zur Vermeidung von Regelverstößen (Compliance-System) der Öffentlichkeit transparent darzustellen. Das aber passiert nur allzu selten, wie eine aktuelle FUCHS-Studie zeigt.
Die Transparenz der Compliance-Maßnahmen lässt bei den 30 DAX-Konzernen stark zu wünschen übrig. Nur sechs Unternehmen – Siemens, Deutsche Telekom, ThyssenKrupp, SAP, Henkel und Bayer – zeigen nach einer Untersuchung der Fuchsbriefe (Fuchsbriefe Compliance Rating) einen akzeptablen Standard. Die Ergebnisse präsentierte gestern in Frankfurt vor Journalisten und Fachexperten Fuchsbriefe Chefredakteur Ralf Vielhaber zusammen mit den Jurymitgliedern Dr. Eike Grunert und Dr. Andreas Rühmkorf. Investoren tragen dadurch erhebliche Risiken. Wo von außen nicht einsichtig ist, wie das jeweilige Regelwerk für das Verhalten von Mitarbeitern (Code of Conduct) und Lieferanten funktioniert, welche Compliance-Risiken das Unternehmen für sich selbst sieht und wie es damit umgeht, muss ein Anleger auf der Hut sein. Denn wenn die unternehmenseigenen Regelwerke versagen, entstehen daraus unter Umständen enorme Kursverluste. Siehe jüngst der Abgas- und nachfolgend Kartellskandal bei VW und Daimler, zuvor die zahlreichen Verfehlungen der Deutschen Bank oder vor einem Jahrzehnt der Schmiergeldskandal bei Siemens. Die Finanzbranche hat aus ihren Fehlern bisher nicht gelernt. Jedenfalls stellt sich das für den außenstehenden Betrachter so dar. Im Best-Practice-Vergleich der Fuchsbriefe zeigt sich das Compliance-Reporting – also die Außendarstellung des jeweiligen Compliance-Systems - von Commerzbank, Munich Re, Allianz SE, Deutsche Börse und Deutsche Bank weit unterdurchschnittlich. Die Deutsche Bank (Rating DD, Risikokennzahl 67) ist Vorletzter im Fuchsbriefe-Rating. Brisant ist das schlechte Abschneiden der Deutschen Börse (Rating DD, Risikokennzahl 67), deren Veröffentlichung zum Verhaltenskodex weit weg ist von best practice und die auch keine adäquate Darstellung der Compliancerisiken per Juli 2017 vorweist. Immerhin erfüllt das Unternehmen hoheitliche Aufgaben. Am besten schneidet Siemens ab mit einem AA Rating und der Risikokennzahl 12. Es folgen  die Deutsche Telekom (Rating BB, Risikokennzahl 27) und ThyssenKrupp (BB, 28). Siemens zeigt sowohl bei der Darstellung von Lieferantenkodex, zum Compliance Management System (CMS) als auch zur Risikodarstellung best practice. Schlusslicht ist das Immobilien-Unternehmen und DAX-Neuzugang Vonovia (D, Risikokennzahl 78). Auf Basis der Informationen, die das Unternehmen in Sachen Compliance-Maßnahmen preisgibt, fällt es in fast allen Auswertungskategorien durch. Fuchsbriefe haben die Veröffentlichungen zu den Regelwerken der DAX-Konzerne im Detail unter die Lupe genommen. Unterstützt wurden sie dabei von einer vierköpfigen Jury: Dr. Andreas Rühmkorf ist Lecturer in Commercial Law an der University of Sheffield. Dr. Eike Grunert ist Rechtsanwalt und Inhaber einer auf Compliance-Fragestellungen spezialisierten Kanzlei in München. Alexander Schröder ist Chief Compliance Officer der Axel Springer SE. Max Höfer ist Kommunikationsberater in Berlin. Über mehrere Monate haben sie alle öffentlich verfügbaren Dokumente – Geschäftsberichte, Sustainability-Berichte usw. – ausgewertet, um herauszufinden, wie vollständig danach die jeweiligen Compliance-Maßnahmen dargestellt sind und welche Qualität die Darstellungen im Vergleich der Unternehmen untereinander haben.

Fazit: DAX-Unternehmen, die kaum Informationen zu ihren Regelwerken veröffentlichen, müssen sich Fragen gefallen lassen. Haben sie ein Problem, könnten sie eines haben, finden sie das Thema nicht wichtig oder scheuen sie die kritische Bewertung durch die Öffentlichkeit und die Investoren? Solche Art von Intransparenz schafft jedenfalls Risiken für den Anleger.

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