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EZB: Zinspause oder nicht?

Kredite bleiben in Zinspause teuer

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Die Zinsen steigen, die Konjunktur schwächelt - darum wächst die Kreditnachfrage von Unternehmen und Privatpersonen nur noch spärlich. Die konjunkturelle Abkühlung in Europa bringt darum die Zentralbank in eine unangenehme Lage. Darum laviert die EZB bei der Zinspolitik weiter. Für Unternehmen sind die Aussichten auf das Finanzierungsumfeld aber klar.
Auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole wurde für uns deutlich, dass die Geldhüter selbst über ihren weiteren Kurs rätseln. Von der US-Notenbank war zu vernehmen, dass sich die Inflation deutlich verlangsamt habe, die Wirtschaft aber stark und der Arbeitsmarkt aber eng bleibe. Das konnten Anleger als Hinweis auf eine Zinspause und auf weiter steigende Zinsen verstehen. 

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) laviert weiter. Einerseits hatte sie weitere Zinsschritte angekündigt. Und angesichts der hohen Inflation (Europa 5,3%, Deutschland 6,2%) wären weitere Zinsanhebungen auch nötig. Auf der anderen Seite bekommen die "Geldhüter" offenbar zunehmend Sorge vor der sich bereits deutlich abkühlenden Konjunktur. Angesichts der schwachen Aussichten wird darum eine Zinspause auch in Europa wahrscheinlicher. 

Notenbanken ohne klare Kurs-Ansagen

Die Zeit der Klarheit über die bevorstehende Zinspolitik ist damit vorbei. Insofern steigt für Kreditnehmer und Anleger die Unsicherheit derzeit weiter an. Zudem könnte es sein, dass die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks (und auch in Asien und den Emerging Markets) zumindest vorübergehend in unterschiedliche Richtungen laufen (mehr Zins- und Wechselkursanalysen lesen Sie regelmäßig in FUCHS-Devisen). 

Bei den Unternehmen und Verbrauchern im Euroraum manifestiert sich die andauernde Unsicherheit in einer zunehmend abwartenden Haltung. Die Kreditvergabe an Unternehmen hat sich weiter verlangsamt. Im Jahresvergleich stieg das Kreditvolumen im Juni um lediglich 2% (ggü. Vj., zuvor: 3%). Auch Privatverbraucher nehmen deutlich weniger neue Kredite in Anspruch. Das Kreditvolumen kletterte um 1,3% (zuvor 1,7%). 

Kreditnachfrage geht deutlich zurück

Deutlich ist auch der Einbruch im Bausektor. Hier lag das Kreditwachstum im Euroraum nur noch bei 0,8% (zuvor 1,3%.). Besonders stark ist der Rückgang im deutschen Bausektor. Das Hypothekenwachstum ist im Jahresvergleich auf 2,4% gesunken. Das ist der niedrigste Stand seit neun Jahren und der zweitstärkste Rückgang überhaupt. Bleibt dieser Trend unverändert, wird es im Dezember 2023 einen Rückgang bei Hypothekenfinanzierungen geben. 

Für Unternehmen wird sich die Lage nicht bald ändern. Zum stark gestiegenen Zinsniveau kommt jetzt noch die wirtschaftliche Unsicherheit hinzu. Das hat zur Folge, dass Projekte verschoben oder immer öfter auch komplett gestrichen werden. Zudem werden neue Investitionen zunehmend ins Ausland verlagert, also auch dort finanziert. 
Fazit: Die Zinsen bleiben auf Monatssicht konstant, aber der Zugang zu Krediten bleibt weiter herausfordernd. Einen baldigen Rückgang der Konditionen erwarten wir nicht. Unternehmen sollten angesichts des erheblich gestiegenen Zinsniveaus auf ihre Fälligkeiten-Struktur achten und Anschlussfinanzierungen kalkulieren.
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