Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
3349
Seit 2016 verliert Deutschland verstärkt junge deutsche Fachkräfte ins Ausland

Ein Kommen und ein Gehen

Es zieht mehr gut ausgebildete junge Deutsche ins Ausland als wieder zurückkehren. Insbesondere seit 2015. © Foto: maxxyustas auf elgato elements
Deutschland hat in der Merkel-Ära viel Substanz verloren. Die Infrastruktur ist vielfach marode, das digitale Netz im internationalen Vergleich und für ein Hochindustrieland jämmerlich und die Verwaltung zwar gewaltig aufgeblasen, aber mit ihren Aufgaben sichtlich überfordert. Weniger Aufmerksamkeit erhält dagegen der Substanzverlust an "human resources". Auch hier hat die scheidende Kanzlerin einen Schnitt gesetzt.

Seit vielen Jahren hat Deutschland einen positiven Wanderungssaldo. Doch während Jahr für Jahr mehr junge Ausländer ins Land kommen als das Land verlassen, ist es bei den jungen deutschen Staatsbürgern im Alter von 18 bis 40 Jahren genau umgekehrt: Hier gehen jedes Jahr mehr als zurückkommen.

Dieser Trend hat erst 2005 begonnen (zuvor war es umgekehrt) und hat seit der Massenzuwanderung und dem Jahr der offenen Grenzen, 2015, kräftig Fahrt aufgenommen. Er flachte zuletzt wieder ab, könnte aber im Zuge der Coroanpolitik, Stichwort Impfpflicht, erneut zunehmen. Man kann auch sagen: Für Ausländer ist Deutschland hoch attraktiv. Für Deutsche verliert das Land an Anziehungskraft.

Was macht das mit den Menschen?

Was macht das mit den Menschen?, ist eine beliebte Frage geworden im wertschätzenden und einfühlsamen modernen Deutschland. Eindeutig ist: 2015 hat mit den jungen deutschen Staatbürgern etwas gemacht. Ihre Auswanderungsbereitschaft ist seitdem erheblich gestiegen. Merkels Land ist zumindest für diese Gruppe offensichtlich nicht mehr ihr Land.

Lag der Saldo von Zu- und Auswanderungen deutscher Staatsbürger im Alter von 18 bis 40 Jahren von 2010 bis 2015 nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Schnitt bei -22.306, stieg er in den Jahren 2016 bis 2020 auf -72.829 im Jahresdurchschnitt an. Zwar mit rückläufiger Tendenz. Aber selbst im Ausnahmejahr 2020 lag der Saldo mit -28.356 deutlich über dem Höchstwert der Jahre 2010 bis 2015 mit -26.248 in 2010.

In 10 Jahren mehr Abwanderer als derzeit fehlende Fachkräfte

Kann uns das egal sein? Nein. Im Fachkräftereport September 2021 des Bundeswirtschaftsministeriums heißt es: "Im September 2021 fehlten knapp 390.000 Fachkräfte. Wird der gesamte deutsche Arbeitsmarkt im Aggregat betrachtet, stieg die Stellenüberhangsquote – also der Anteil an offenen Stellen, für die es bundesweit keine passend qualifizierten Arbeitslosen gab auf 29,2 Prozent im September." Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der rund 23.000 am DIHK-Fachkräfte-Report beteiligten Unternehmen können mindestens einen Teil der Stellen längerfristig nicht besetzen. Das sind nicht nur deutlich mehr als vor einem Jahr (32 Prozent), als die Personalnachfrage krisenbedingt stark zurückgegangen war. Es sind auch mehr als im Herbst 2019 vor der Krise (47 Prozent).

Dem stehen 471.733 Deutsche im Alter von 18 bis 40 Jahren gegenüber, die in den letzten zehn Jahren "netto" das Land verlassen haben. 76,6% davon verfügen nach Angaben des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) über einen Hochschulabschluss. Von einem „brain drain“, also einem dauerhaften Verlust von Fachkräften aus Deutschland, will das BIB dennoch nicht sprechen. Vielmehr deuteten die Befunde auf eine „brain circulation“ hin. Man kann sich eben alles schönreden …

Mein Fazit: Statt die Kräfte vornehmlich auf die Integration von Zuzüglern zu verwenden, sollte sich das Land stärker darum kümmern, sein bereits gut ausgebildetes Personal zu halten. Auch wenn Auslandserfahrungen eminent wichtig sind - einen ständigen bedeutenden Nettoverlust von Fachkräften kann sich ein Land mit so hohen Verpflichtungen im Sozialsystem wie die Bundesrepublik und einer problematischen Demografie nicht leisten.

Randbemerkung: Auch die allgemeine Impfpflicht wird mit den Menschen im Lande etwas machen; immerhin sind 30% nicht vom Nutzen der Spritze überzeugt. Sie werden jetzt zu einer fundamentalen Entscheidung genötigt. Nun kann es vielleicht sogar im Sinne der Ampelregierung sein, wenn die "Covidioten" künftig verstärkt Deutschland verlassen. Was das mit dem Land macht, werden wir dann bald wissen.

Hier: FUCHSBRIEFE abonnieren

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Tauwetter nach sechs Jahren Eiszeit

Australien und China wollen wieder miteinander sprechen

Südsee-Atoll. © senaiaksoy / Getty Images / iStock
Den G20-Gipfel wird Australiens Premierminister auch zu offiziellen Gesprächen mit Chinas Präsidenten nutzen. Das ist auch ein Signal an eine dritte Partei, die in der Region um Einfluss buhlt.
  • Fuchs plus
  • In Kooperation mit der Finanzoo GmbH

Anglogold taktisch reduzieren

Übereinandergestapelte Goldbarren. © Filograph / Getty Images / iStock
Unsere Spekulation auf einen steilen Anstieg der Gold-Aktien ging gut auf. Wir hatten dazu auf Anglogold gesetzt, die auf Basis der automatischen Bilanzanalyse von Finanzoo fundamental unterbewertet waren. Das hat gut funktioniert. Jetzt sendet die Software aber ein anderes Signal.
  • Inhalte, Angebote und Diskussionen

Verlag Fuchsbriefe jetzt auch bei LinkedIn

Icon von LinkedIn auf dem Bildschirm eines Smartphones. © scyther5 / Getty Images / iStock
Mit unserer erweiterten Social Media Präsenz erreichen Sie die FUCHSBRIEFE jetzt auch bei LinkedIn.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Bank of Canada deutet weitere Drosselung des Zinstempos an

Tauben-Töne aus Ottawa

© metrokom / iStock / Thinkstock
Die Inflation ist noch nicht auf "Wunsch-Niveau". Dennoch deutet Kanadas Notenbankchef eine Drosselung des Zinserhöhungstempos an. Das hat Auswirkungen auf die Währungskurse und eröffnet weitere interessante Anlageperspektiven in Kanada.
  • Fuchs plus
  • Euro-Geldhüter laufen der Entwicklung hinterher

EZB laviert sich in die Stagflation

Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main. © Bernd Wittelsbach / iStock
Die EZB sucht den richtigen geldpolitischen Pfad in der aktuellen Krise. Ihr Problem ist, dass sie extrem politisiert ist und darum der realen Entwicklung hinterher läuft. Das führt zu einem Lavieren in der Geldpolitik, das dauerhaft sehr teuer wird.
  • Fuchs plus
  • Wird das "Weiße Gold" bald wieder günstiger?

Zuckerpreis bekommt Gegenwind

Zuckersorten. © Printemps - Fotolia
Der Zuckerpreis springt wild auf und ab. Nach kräftigen Kursgewinnen geht es nun wieder zügig abwärts. Ist das eine Kaufgelegenheit oder lohnt es sich, auf weiter fallende Preise zu setzen?
Zum Seitenanfang