Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
716
Kunstmarkt

Alte Meister neu entdeckt

Am Kunstmarkt werden die Alten Meister neu entdeckt. In gleich vier phänomenalen Ausstellungen begeistern ihre Werke jung und alt – und wecken auch das Interesse von Sammlern und Liebhabern neu. Daraus entstehen schöne Anlagechancen, denn teilweise sind die Preise kräftig gefallen.

In vier phänomenalen Ausstellungen melden sich die führenden Museen der Welt mit Alten Meistern zu Wort. Ein Blick auf die Besucherrekorde der Ausstellungen im Städelmuseum in Frankfurt/Main, der Gemäldegalerie Berlin, im Palazzo Ducale in Venedig und im Rijksmuseum in Amsterdam beweist die hohe Attraktivität Alter Meister für das Publikum.
Alle Altersgruppen sind unter den Besuchern zahlreich vertreten. Bemerkenswert ist der hohe Anteil junger Besucher. Etliche Gespräche mit ihnen bestätigen, dass die traditionelle Formensprache und Themensetzung zur Betrachtung einlädt. Für viele Betrachter ist es sehr spannend, was Alte Meister in ihren Werken erzählen und was wir heute darin entdecken können.
Wie schlägt sich diese Entwicklung im Kunstmarkt nieder? Seit Jahren beklagen die Auktionshäuser, Kunsthändler und Galeristen einen schleichenden und steten Niedergang des Marktsegments Alte Meister. Infolge des geringeren Interesses haben zahlreiche renommierte Kunsthändler aufgegeben bzw. erweiterten ihr Sortiment bis hin zur Zeitgenössischen Kunst. Der Umfang der Alten Meister in den Auktionshäusern wurde merklich reduziert und auf weniger Termine konzentriert. Ähnlich sieht es bei der Ware in diesem Marktsegment aus.
Die mediale Aufmerksamkeit richtet sich auf Spitzenwerke weniger ausgewählter Altmeister-Vertreter. Hier sind Höchstpreise zu erzielen. Beispielhaft sind hier „Bildnis eines jungen Mannes" – Ölstudie von Rembrandt für 9,5 Mio. Pfund bei Sothebys oder auch ein Paar-Portraits von Frans Hals für fast 10 Mio. Pfund bei Christies im letzten Jahr zu nennen. Die weltweit führende Kunstmesse Tefaf in Maastricht behauptet unangefochten ihren Spitzenplatz bei den Altmeistern. Doch auch hier ist die Erweiterung des Sortiments in jüngere Epochen spürbar.
Insbesondere qualitätsvolle Handzeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts sind lukrativ. Kontinuierliche Preiszuwächse prägen hier das Bild. Und nach wie vor gibt es ein ausreichendes Angebot im Handel. Besonders im Preissegment zwischen 1.000 – 10.000 Euro ist die Auswahl riesig. Dies liegt an zwei Entwicklungen: erstens durch Erb- und Generationenübergang und zweitens durch Änderung des Zeitgeschmacks. Infolgedessen haben sich die Preise für durchschnittliche Qualitäten zum Teil um bis zu 80% ermäßigt.
Die Polarisierung zwischen Topware und Durchschnittsware hat zu einer interessanten Entwicklung geführt. Infolge des Preisverfalls im breiten Markt wurden auch renommierte, aber weniger bekannte Maler mitgerissen, z. B. Valerio Castello, Bernardo Strozzi, Johannes Lingelbach oder auch Jan van Goyen.
Neben Provenienz und Belegen in Sammlungen und Museen sollten klare Autorenschaft bei einer Kaufentscheidung mitbedacht werden. Außerdem bietet ein Altmeistergemälde die Chance auf einen spannenden Dialog zwischen Käufer und Werk – also das, was wir mit einer ästhetischen Dividende beschreiben.

Weitere Informationen

Das Städelmuseum in Frankfurt/Main präsentiert bis 26.5.2019 eine umfangreiche Schau unter dem Titel „Tizian und die Renaissance in Venedig". Niemals zuvor war eine umfangreichere Werkauswahl des Künstlers in Deutschland zu sehen. Arrondiert wird diese Auswahl mit zahlreichen hochkarätigen Zeitgenossen.
Zeitgleich widmet sich bis 30.6.2019 die Gemäldegalerie in Berlin zwei Topikonen der Frührenaissance – Andrea Mantegna und Giovanni Bellini. Hier bestechen u.U. einige Arbeiten aus dem Privatbesitz der englischen Königin. Zahlreiche Leihgaben aus aller Welt runden das Bild ab.
Im Palazzo Ducale in Venedig steht Canaletto bis 9.6.2019 im Zentrum einer umfangreichen Präsentation. Wie kein anderer Maler prägte dieser Künstler die Wahrnehmung der Stadt Venedig in der Welt.
Im Rijksmuseum in Amsterdam huldigen die Niederländer bis 10.6.2019 Peter Paul Rubens.
Zahlreiche Ölgemälde, Zeichnungen und mehr als 200 druckgrafische Arbeiten geben einen umfassenden Einblick in das Werk des genialen Barockmalers.

Fazit

Im Altmeistermarkt gibt es eine deutlich Fehlbewertung vieler Objekte. Für Freunde, die antizyklisch Marktchancen nutzen wollen, scheint ein jetziger Einstieg bei ausgewählten Altmeistern empfehlenswert.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Bei Rechtsform GmbH & atypisch Still

Gewerbesteuer-Freibetrag steht bei falschem Gründungsdatum auf dem Spiel

Das Rechtsformwesen ist für den Laien per se kaum durchschaubar. Kryptische Begriffe wie "GmbH & atypisch Still" tauchen da auf. Hier handelt es sich nicht um eine Kapital-, sondern eine Personengesellschaft. Beim falsch gewählten Gründungsdatum kann man obendrein Freibeträge vergeigen.
  • Fuchs plus
  • Kunst als alternative Anlage gefragt

Anleger-Dreisprung: Aktien, Immobilien & Kunst

Der Kunstmarkt profitiert immer stärker von den hohen Aktienkursen, der Geldflut durch die Notenbanken und bereits teuren Immobilien. Das wird auch 2021 so bleiben. Dabei kanalisiert sich die Nachfrage weiter.
  • Rückblick in das ausschüttende Stiftungsdepot

Performance-Analyse ab September 2020

Die einfachste Performanceanalyse ist oft die Verständlichste. Über einen Zeitraum von fünf Monaten haben wir das Depot etwas umgeschichtet, Cashbestände reduziert, die Aktienquote erhöht und uns von Titeln ohne erkennbares Wachstumspotenzial getrennt.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Verluste aus der Veräußerung von Aktien

Wenn das Börsengeschäft in die Binsen geht ...

Ein Steuerfall den Privatanleger kennen sollten: Ein Aktionär verkauft mit Verlust gegen ein geringes Entgelt Aktien an einen fremden Dritten. Das Finanzamt wollte im Einkommenssteuerbescheid diese Verluste nicht berücksichtigen. Mit recht?
  • Fuchs plus
  • Fehlende Gefährdungsbeurteilung ist kein Druckmittel

Betriebsrat kann Starttermin einer Anlage nicht blockieren

Weil Arbeitsplätze Risiken für die Gesundheit der Beschäftigten haben können, ist eine extra Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) vorgeschrieben. Insbesondere wenn neue Maschinen, Anlagen oder Arbeitsprozesse an den Start gehen, ist das angesagt. Der Betriebsrat ist zu beteiligen. Aber kann das so weit gehen, dass, bei Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber, der Starttermin für die Inbetriebnahme als Druckmittel eingesetzt wird?
Zum Seitenanfang