Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
383
Big Data scheitert bei Grippewelle

Algorithmengläubigkeit

Bei Grippe & Co. kommt Big Data an seine Grenzen.
Google scheitert bei der Vorhersage des Verlaufs von Epidemien. So liegt Google flu auch bei der derzeit in Deutschland grassierenden Grippe-Welle daneben. Besser schneiden das Robert Koch-Institut (RKI) und das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung ab. Das RKI ermittelt den Status der Grippewelle traditionell aus Angaben über Laborproben und Arztberichten. Das Lazer Laboratory der Uni Boston spricht mit Blick auf Google gar von einer „Big-Data-Falle“. Die Big-Data-Modelle funktionieren lang nicht so gut wie behauptet. Oft gleicht das Kombinieren von Daten, aus denen konkrete Verhaltensmuster abgeleitet werden, dem Blick in eine Glaskugel. Google flu registriert Abfragen nach bestimmten Suchbegriffen. Daraus sagt der Big-Data-Konzern Ausmaß und Verlauf von Epidemien, aber auch von Modewellen und Konsumtrends voraus. Die Prognosen von Google flu können mit traditionellen Methoden der Epidemiologie aber nicht mithalten. Bei der Vogelgrippe warnte Google flu vor einer großen Welle, die dann nicht kam. Bei der Schweinegrippe dagegen gab Google flu Entwarnung, obwohl die Bevölkerung erheblich betroffen war. Auch Facebook hat bislang aus Begriffen wie „Masern“, „Pocken“ oder „Fieber“, die Leute twittern oder posten, keine belastbaren Trends ableiten können. Wenn die Algorithmen aber schon bei medizinischen Phänomenen versagen, wie wollen sie dann komplexes menschliches Verhalten korrekt vorhersehen? Die Algorithmen funktionieren oftmals nicht, weil sie zufällige Korrelationen zu kausalen Zusammenhängen aufbauschen. Wer X kauft, kauft auch Y – das taugt ebenso wenig zu einer konkreten Prognose wie die zeitliche Koinzidenz von Winter und Grippe. Die angeblich zielgenauen, individualisierten Produktempfehlungen der Big-Data-Konzerne werden bislang von den Konsumenten überwiegend als lästige Werbung empfunden. Die Gefahr ist die Algorithmen-Gläubigkeit: Weil alle glauben, dass die Algorithmen das Verhalten richtig vorhersehen, richten sich alle danach. Sagt Google flu eine gefährliche Grippewelle voraus, könnte die Politik gezwungen sein, Impfstoffe einzukaufen. Sollte die Epidemie dann ausbleiben, ist die Prognose nicht widerlegt, weil sie durch das Handeln der Politik scheinbar verhindert wurde. Self fulfilling prophecies können bei Konsumtrends wirksam werden. Google führt den Trend, den es angeblich neutral ermittelt hat, selbst herbei.

Fazit: Mit der Vorhersagekraft von Big-Data-Analysen ist es oft nicht weit her. Unternehmen sollten die Datenflut nutzen, um ihre Kunden besser kennenzulernen. Vorsicht aber vor Algorithmen-Gläubigkeit, zumal die Datenbasis, auf der Datenhändler ihre Prognosen ableiten, meist geheim bleiben.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Erbschaftsteuergesetz ist offensichtlich verfassungswidrig

Der Staat macht den Erbfall zum Risiko

Erblasser werden vom Staat im Stich gelassen. Das deutsche Erbschaftsteuerrecht ist nach Meinung des ehemaligen Verfassungsrichter Prof. Paul Kirchhof nicht verfassungskonform – Gestaltungen geschehen unter Vorbehalt. © PictureAlliance
Erst vor Kurzem hat die (alte) Bundesregierung das Erbschaftsteuerrecht geändert. Doch auch die Neuregelung ist klar verfassungswidrig. Das sagt der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Prof. Paul Kirchhof. Das bringt erhebliche Unsicherheit für Steuergestaltungen mit sich.
  • Verbraucherschutz als Wiedergutmachungsprogramm

Das Märchen vom Bürokratieabbau

Chefredakteur Ralf Vielhaber
Vor dreizehn Jahren schaffte es die Entbürokratisierung als Ziel in den Koalitionsvertrag der ersten großen Koalition. Kanzlerin Angela Merkel erklärte ihn zur Chefinnensache. Inzwischen wurde er längst ins Reich der Märchen verbannt wurde, erzählt Fuchsbriefe Chefredakteur Ralf Vielhaber.
  • Fuchs plus
  • Die Majors im Überblick

Der Euro hinkt hinterher

Dollar und Yen zeigen im Vergleich zum Euro eine bessere Performance. Copyright: Picture Alliance
Während in der Eurozone die Euphorie über Konjunktur und Zinsentwicklung langsam schwindet, wird die Dollar-Stärke momentan lediglich vom eigenen Präsidenten ausgebremst. Die Geldpolitik Japans kurbelt indes kräftig die Binnennachfrage an.
Neueste Artikel
  • Hauptstadt-Notizen vom 23. April 2018

Haushaltskürzungen geplant

Die EU-Kommission wird am 2. Mai voraussichtlich einen Sparhaushalt für 2021 bis 2027 vorlegen. Die bisherigen Vorstellungen von Haushaltskommissar Günther Oettinger, den Ausfall Großbritanniens nach dem Brexit durch Mehrzahlungen der verbleibenden Mitgliedsländer auszugleichen, hat angesichts des Widerstandes der Mehrheit der Mitgliedsländer vorerst keine Chance mehr. Das bedeutet für den Agrar- und den Kohäsionsfonds eine Kürzung um bis zu 6% oder rund 10 Mrd. Euro p.a.
  • Fuchs plus
  • „Drahtesel“ als steuerliche Betriebsausgaben

Fahrräder sind für den Fiskus Kraftfahrzeuge

Fahrräder können betrieblich genutzt werden. Sie werden dabei steuerlich wie Kraftfahrzeuge behandelt. Deshalb haben Sie die Wahl zwischen einem Fahrtenbuch oder der 1%-Regelung.
  • Fuchs plus
  • Wachstumsaussichten sind international stabil

Gute-Laune-Nachrichten vom 23. April 2018

Die politischen Krisen wie in Syrien oder die Angst vor einem Welthandelskrieg verlieren an Bedeutung. Die Konjunkturdaten weisen nach wie vor auf eine stabile Aufwärtsentwicklung hin.
Zum Seitenanfang