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Es gibt produktive und unproduktive Erfindungen

Patente: Qualität wichtiger als Quantität

Das Patentwachstum ist nicht entscheidend für den technologischen Fortschritt und den damit verbundenen Produktivitätszuwachs. Zu dieser Erkenntnis kommt die US-Notenbank Fed. Viel wichtiger ist, welche Qualität einzelne Patente haben. FUCHSBRIEFE haben sich in die spannende Studie vertieft und einen neuen Blick auf relevante Wirtschaftsstatistiken erhalten.

In Zeiten der Digitalisierung sagt die Anzahl der Patente nicht mehr viel darüber aus, wie innovativ ein Land ist. Darum verwässert die althergebrachte Zählung der Patentanmeldungen die Information zur zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit und der Wettbewerbsposition im technologischen Wettlauf. Zu dieser Erkenntnis kommen FUCHSBRIEFE nach einer Auswertung einer Studie der US-Notenbank. 

Die Messung der Innovationskraft ist zumindest in Teilen nicht mehr zeitgemäß. Zur Bewertung der Innovationspolitik gehört es, das Tempo des technischen Fortschritts zu verstehen. Wirtschaftswissenschaftler messen die Fortschrittsrate eines Landes häufig anhand der Anzahl neuer Patente, d. h. der Exklusivrechte, die Erfinder für ihre Erfindungen erhalten. 

Es gibt produktive und unproduktive Patente

Die Fed-Untersuchung zeigt, dass die Zahl der neuen Patente nicht mehr mit dem Produktivitätswachstum einhergeht. In den 2000er Jahren hat das US-Patentamt gut 50% mehr Patente erteilt als in den 1950er Jahren. Das deutet auf eine Beschleunigung des technischen Fortschritts hin. Aber das Produktivitätswachstum war in den gleichen 2000er Jahren in den USA nur halb so hoch wie in den 1950er Jahren.

Die große Anzahl vieler Patente in den Jahren nach 2000 schlugen sich nicht in einem höheren Produktivitätswachstum nieder. Der Grund: Die Patente der 2000er Jahre hatten deutlich weniger kreatives Wachstum als in der Vergangenheit. Das zeigt sich bei der qualitativen Analyse der Patente. Diese bringt ans Licht, dass die Anzahl der kreativen Patente sinkt, die Anzahl der abgeleiteten Patente (ohne grundlegende Neuerungen) deutlich steigt. Ein Beispiel: Patente über "Cloud Computing" tauchen im Jahr 2007 erstmals als der Begriff auf, waren damals kreativ. In den Folgenjahren wurden viele ähnliche Patente angemeldet, diese waren aber "nur" noch derivativ. 

Patentwachstum ist nicht entscheidend für technischen Fortschritt

In der Studie ließ sich ein direkter Zusammenhang von kreativen Patenten pro Kopf und dem Produktivitätswachstum beweisen. Das Muster: Die Erfinder in den USA produzierten in den 2000er Jahren nur etwa halb so viele kreative Patente pro Kopf wie in den 1950er Jahren. Der übermäßige Anstieg der Patente ist ausschließlich auf eine Zunahme der nicht-kreativen oder derivativen Patente zurückzuführen. Die Korrelation zwischen kreativen Patenten pro Kopf und Produktivitätswachstum über die Jahrzehnte beträgt 75,7%.

Dieses Muster - ein Anstieg der Patente, aber ein Rückgang der Kreativität und des Produktivitätswachstums - ist in der computerbezogenen Fertigungsindustrie offensichtlich. In den 80er und 90er Jahren verzeichnete die IT den größten Produktivitätszuwachs von 1987 bis 1995 (2,2 % p.a.) und von 1995 bis 2006 (4,4 % p.a.). Dieser rasche Anstieg schwächte sich nach 2006 deutlich ab, als das Produktivitätswachstum in der computerbezogenen Fertigung auf 1,9 % zurückging. Die kreativen Patente folgten dem Muster des Produktivitätswachstums. Sie nahmen in den 80er und 90er Jahren um 70,1 % zu, gingen danach um 29,8 % zurück. Im Gegensatz dazu nahmen die neuen Patente in der computerbezogenen Fertigung weiterhin exponentiell zu.

Fazit: Nicht die Masse der Patente ist entscheidend, sondern ihre Klasse. Wichtig sind kreative Patente, eine Vielzahl derivativer Patente vermag das Produktivitätswachstums nicht anzukurbeln. Für die Beurteilung des technischen Fortschritts sollte darum mehr auf die Patent-Qualität fokussiert werden (z.B. mit Blick auf China).
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