Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
254
Die Zinsen steigen an

Banken differenzieren Risiken

Die Zinsen für Unternehmenskredite steigen. Das Ende des Anstiegs ist noch nicht erreicht.
Der Zinsmarkt hat deutlich auf den Testballon der Europäischen Zentralbank (EZB) zu ihrem Exit aus dem Anleihenkaufprogramm reagiert. Die Renditen haben einen kräftigen Sprung hingelegt. Die deutsche 10-Jährige notiert mit 0,54% inzwischen deutlich über dem Vormonats-Niveau. Am kurzen Ende liegt der Zins bei -0,62% für 2-Jährige. Die Zinsstrukturkurve ist insgesamt stärker geworden. Das Ende des Renditeanstiegs ist noch nicht erreicht. Es gibt sogar Marktteilnehmer, die sich für die deutsche Rendite auf 0,75% bis zum Jahresende einstellen. Die meisten Beobachter halten die Zinsen aber für ausgereizt. Gut 90% der Anleihen- und Aktienhändler rechnen mit einem ersten Zinsschritt der EZB erst im Juli 2018. Die weitere Zinsentwicklung hängt eng an der Glaubwürdigkeit der EZB. Einerseits verwiesen die Notenbanker jüngst noch auf die gute Entwicklung der Konjunktur. Andererseits betonen sie, dass die Inflation ihr Ziel von „nahe, aber unter 2%“ noch nicht nachhaltig erreicht habe. Außerdem haben die europäischen Geldhüter ein Euro-Problem. Denn der steigende Euro mindert den Inflationsdruck (z. B. weil die Energieimporte preiswerter sind). Aber: Ein steigender Euro belastet die Exportwirtschaft – insbesondere beim Wirtschaftsschwergewicht Deutschland (siehe Beitrag „Vier vor dem Fall“ auf Seite 1). Die EZB muss angesichts dieser ambivalenten Situation auf Zeit spielen. Darum sendet sie permanent widersprüchliche Signale. Der Markt allerdings beginnt den Exit der Notenbank allmählich einzupreisen. Das wird die Zinsen auch weiter sanft anheben. Die Banken beginnen, ihre Kreditkonditionen zu differenzieren. So wurden die Kreditvergabebedingungen für große Unternehmen zuletzt erneut gelockert. Die Mehrzahl der Institute hat die eigenen Risikoaufschläge zugunsten von Kreditzusagen reduziert, so die EZB in ihrer neuesten Bankenbefragung. Das drückt natürlich auch die Marge der Banken. Allerdings zeigt eine Studie der KfW, dass gerade junge und kleine Unternehmen wieder schwieriger an Kredit kommen. Die Banken bewerten diese Ausfallrisiken wieder strenger. Die Kreditkosten werden auch wegen eines Urteils des Bundesgerichtshofs steigen. Das Verbot standardisierter Bearbeitungsgebühren wird insbesondere kleinere Unternehmenskredite verteuern. Das geschieht entweder über die Zinsen oder die Bank wird Ihnen individuelle Prüfgebühren berechnen (FB vom 6.7.).

Fazit: Die EZB versucht, die Zinsen am kurzen Ende am Boden zu halten. Der Konjunkturentwicklung zieht das lange Ende hoch. Das Kreditumfeld bleibt noch günstig. Aber die Zinsen klettern.

Meist gelesene Artikel
  • Zum Zwecke der Wirtschaftsspionage

Britische Geheimdienste verkaufen sensible Daten

Britische Geheimdienste verkaufen gesammelte Daten an Dritte. Copyright: Picture Alliance
Die britischen Geheimdienste verkaufen in großem Umfang anlasslos gesammelte Daten. Darunter sind auch sehr sensible Informationen. Auch deutsche Unternehmen mit Bezug zu Großbritannien müssen sich sorgen.
  • Ausländische Finanzportale locken mit hohen Zinsen für Tagesgeld

Finanzportale bieten hohe Zinsen

Neuartige Finanzportale wie Weltsparen, Zinspilot und Savedo bieten hohe Zinsen auf Festgeld, indem sie deutsche Sparer an Banken im EU-Raum vermitteln. Anleger sollten darauf achten, ihre Risiken zu minimieren...
  • Wechselkursausblick

Der Euro stellt alles in den Schatten

© Copyright
Der Euro wird von den Märkten neu eingeschätzt. Das zeigt sich in allen Währungspaaren quer durchs Wechselkursgefüge.
Neueste Artikel
  • Keine Lösung für die britische Provinz in Sicht

London pokert um die Zukunft Nordirlands

Was passiert mit Nordirland beim Brexit?
Die Brexit-Verhandlungen sind auch Ausschlag gebend für das Schicksal Nordirlands. Wird die britische Provinz durch eine harte Grenze isoliert, droht wirtschaftlich der Absturz und innenpolitisch heiße Auseinandersetzungen und Gewalt. London pokert hoch.
  • US-Wirtschaft

Widersprüchliche Konjunktursignale aus den USA

Quelle: Phily-Fed, New York
Die Daten, die aus der US-Wirtschaft kommen, senden widersprüchliche Signale aus. Vor allem die Arbeitslosenzahlen setzen Fragezeichen. Das wird die Grundhaltung der neuen FED-Führung beeinflussen.
  • Venezuela bedient seine Schulden nicht mehr

Caracas muss auf den Ölpreis hoffen

Venezuela ist zahlungsunfähig. Das Land kann Anleihen nicht bedienen. Hohe Schulden hat die Regierung bei Russland und China. Im nächsten Jahr dürften weitere Anleihen nicht bedient werden. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer.
Zum Seitenanfang