Risiko einer Abwärtsspirale
Die Rohstoffpreise fallen auf breiter Front. Das dämpft die Weltwirtschaft.
Die Rohstoffmärkte werden 2016 die Weltkonjunktur bremsen. Denn allmählich kommen nach einigen Ländern auch Unternehmen in Bedrängnis. Darauf deuten die drastischen Maßnahmen eines britisch-südafrikanischen Bergbaukonzerns hin. Anglo American hat einen rabiaten Sparkurs verkündet. Die Belegschaft soll um zwei Drittel – immerhin 85.000 Menschen – schrumpfen. Außerdem sollen 60% aller Bergwerke, Minen und Anlagen verkauft werden. Von 70 Bergwerken sollen dann nur noch zwei Dutzend vom Konzern betrieben werden. Das ist ein Warnsignal für die Konjunktur. Weltweit aktive Konzerne wie Anglo American treffen solche strategischen Entscheidungen natürlich nicht über Nacht. Entscheidungen von solcher Tragweite werden auch nicht gefällt, weil die Rohstoffpreise längere Zeit niedrig sind. Auslöser sind eher langfristige und grundsätzliche Änderungen in der Angebots- und Nachfragestruktur. Wie schlecht müssen also die Prognosen für die kommenden Jahre sein, die Anglo zu einer solchen gravierenden Grundsatzentscheidung bewegt haben? Die fallenden Rohstoffpreise (vgl. Tabelle) führen zu massiv einbrechenden Einnahmen bei den rohstoffexportierenden Schwellenländern. Die negativen Folgen zeigen sich beispielhaft in Brasilien oder Russland. Beide Länder haben mit Rezession und Währungsverfall zu kämpfen.Geraten weltweit große Rohstoffunternehmen unter Druck, wächst das Risiko von Pleiten. Die amerikanische Fracking-Industrie ist dafür besonders anfällig. Das wiederum könnte negativ auf Banken und deren Finanzierungen durchschlagen.
Das Risiko einer Abwärtsspirale wird größer, wenn die Rohstoff-Förderer trotz des Preisverfalls „auf Teufel komm raus“ verkaufen, um überhaupt noch Erlöse zu erzielen. Genau darauf deutet das jüngste OPEC-Treffen hin. Spekuliert wurde darüber, dass Saudi-Arabien seine Förderung drosseln könnte, um den Preis des Schwarzen Goldes zu stützen. Nach dem Beschluss ist das Gegenteil der Fall: Jeder darf so viel fördern, wie er will.
| Rohstoffpreise | |
|---|---|
| Rohstoff | Veränderung (%)* |
| Öl | -38 |
| Erdgas | -45 |
| Kohle | -19 |
| Eisenerz | -44 |
| Kupfer | -29 |
| Aluminium | -25 |
| Holz | -20 |
| Weizen | -20 |
| Kaffee | -31 |
| *letzte 12 Monate | Quelle: finanzen.net | |
Fazit: Wir wollen noch keine weltweite Rezession prognostizieren. Noch sind die Rohstoffpreise vor allem wegen des hohen Angebots niedrig. Bleiben die Rohstoffpreise dauerhaft gering, wird das die Zuwachsraten der Welt-Konjunktur mindestens bremsen. Deutschland dürfte dagegen über die Importseite profitieren. Aber einige unserer wichtigsten Abnehmerländer verdienen weniger und kaufen zurückhaltender bei uns ein.