Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
1762
EU-Rechtsstaatsverfahren gegen Ungarn

Investoren finden Anlagen mit Abschlag

Viktor Orban. Copyright: wikimedia
Im Corona-Jahr 2020 schrumpfte die ungarische Wirtschaft gegenüber dem Vorjahr um 4,9%. Im Jahr 2021 hingegen wuchs sie wieder um 7,1%. Angetrieben von Wahlkampfgeschenken dürfte das erste Quartal 22 um voraussichtlich 8% besonders dynamisch zugelegt haben. Der klare Wahlsieg des moskaufreundlichen Viktor Orbans mit seiner Fidesz-Partei erlaubt es ihm nun, das vierte Mal in Folge mit einer Zweidrittelmehrheit zu regieren. Das bringt auch Anlagechancen mit sich.

Ungestüme Konsumlust treibt in Ungarn bei niedrigem Angebot weiter die Preise. Stimuliert von Lohnerhöhungen im öffentlichen Bereich, wie bei Polizei und Pflegepersonal, beflügelt das den Konsum. Mit Preisdeckelungen für Lebensmittel und Benzin versucht die Regierung darüber hinaus, ihre Bürger vor den Preisanstiegen zu schützen und bei Laune zu halten. 

Die Lebensbedingungen der Ungarn haben sich in der Amtszeit Orbans deutlich verbessert. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf stieg innerhalb des vorigen Jahrzehnts um mehr als 57%. Auch die Zinsen für Hypotheken wurden begrenzt, was den Bau-Eifer anfacht. Obgleich mit nur circa 4% vom Bruttoinlandsprodukt nicht sehr bedeutend, haussierte der Bausektor im Februar um mehr als 42% im Vergleich zum Vorjahr an und schiebt die Inflation noch mehr an.

Konjunktur brummt, Notenbank bekämpft Inflation

Die Inflation entwickelt sich inzwischen mit hoher Dynamik. Sie stieg im März mit einer Rate von 9,1%, womit ein 21-Jahreshoch erreicht war und die Erwartungen von 8,5% klar übertroffen wurden. Die Notenbank reagierte abermals mit einer Zinserhöhung. Um einen ganzen Prozentpunkt hob sie den Leitzins auf 5,4% an und hat bereits die Fortsetzung ihres restriktiven Kurses angekündigt. Damit stemmt sie sich gegen die Abwertung des Forint, um die importierte Inflation zu bremsen. Der Rohstoffpreisanstieg und der Krieg in der Ukraine setzten dem Land zu.

Politisch ist die Lage wackelig. Seit 2004 zur EU gehörend liegt das knapp 10 Mio. Einwohner zählende Ungarn im Clinch mit Brüssel. Gerade hat Brüssel ein Rechtsstaatsverfahren gegen Ungarn eröffnet. Offiziell geht es dabei um Korruption in Ungarn, so die EU-Kommission. Ganz sicher spielt aber auch Orbans gutes Verhältnis zu Moskau eine Rolle. Wie das Verfahren ausgeht, bleibt abzuwarten. Im schlimmsten Falle könnte es sein, dass Budapest auf einige EU-Zahlungen verzichten muss. Das aktuelle Budgetdefizit liegt bei 6,8%, die Staatsverschuldung bei 76%, allerdings beides mit fallender Tendenz. 

Assets mit Abschlag

Der Forint bewegt sich in einem Abwärtstrend und ermöglicht es Euro-Investoren, relativ günstig niedrig bewertete Assets zu ergattern. Für Aktienfans wäre Richter Gedeon (WKN A1W16N), der Pharma-Major mit Fokus auf Generika, erste Wahl. Bei einem KGV für 2023 von unter 8 bietet das Unternehmen Wachstumspotenzial kombiniert mit einer attraktiven Dividende von 4,7%. 

Die KfW hat eine Forint-Anleihe mit Laufzeit bis 14.09.2023 begeben (WKN A3E5G1). Die weist eine Rendite bis zum Laufzeitende von mehr als 7,5% auf. Das puffert auch eine gewisse Forint-Abwertung noch gut ab. Für langfristige Zinsjäger mit langem Atem bietet die Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2051 (WKN A3KPZ4) mehr als 5,7% pro Jahr.

Fazit: Ungarn bietet Anlegern einen ordentlichen Zinsaufschlag und unterbewertete Aktien. Der Forint dürfte zwar weiter schwächeln, allerdings nur in geringem Ausmaß.
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Bank im Bistum Essen eG in der Ausschreibung

Die BiB ist kein Zug, auf den die Stiftung aufspringen will

Thumb Stiftungvermögen 2024. © Collage: Verlag FUCHSBRIEFE, Bild: envato elements
Die Bank im Bistum Essen (BiB) begrüßt die Stiftung Fliege, die ihre drei Millionen Euro Kapital neu anlegen will, mit einem überaus empathischen Schreiben. Sie bittet ausführlich um Entschuldigung, weil sie durch Krankheit bedingt nicht in der Lage gewesen sei, den erbetenen Anlagevorschlag fristgerecht einzureichen. Man fühlt sich ein wenig wie unter Freunden und möchte gern einen Sympathiebonus vergeben. Ob das nach Studium des Anlagevorschlags auch noch so ist, wird sich zeigen.
  • Fuchs plus
  • Doppelter Urlaubsanspruch bei unrechtmäßiger Kündigung?

Bundesarbeitsgericht löst auf

Bei einer zeitlichen Überschneidung einer rechtswidrigen Kündigung mit einer neuen Beschäftigung könnte theoretisch ein doppelter Urlaubsanspruch entstehen. Das Bundesarbeitsgericht musste jetzt entscheiden, wie damit umzugehen ist.
  • Fuchs plus
  • Dekarbonisierung: Andere Standorte attraktiver als Deutschland

Skandinavien bei Dekarbonisierung weit vorn

Obwohl die deutsche Regierung die ganze Wirtschaft auf Klimaneutralität trimmen will - wie die EU - bietet Deutschland keine guten Rahmenbedingungen für eine Dekarbonisierungsstrategie. Das zeigt eine Umfrage von EY unter Unternehmen. Andere Standorte sind attraktiver.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Geldpolitik bringt Euro-Kurs weiter unter Druck

Zinsschritt der Fed wird immer unwahrscheinlicher

Der Markt spiegelt derzeit nur eine Wahrscheinlichkeit von 20% für eine Zinssenkung im Juni wider. Die Frage in den kommenden Wochen wird sein, ob die Fed überhaupt zwei Zinssenkungen durchführen kann.
  • Fuchs plus
  • Trendwende in China wird greifbar

CNY macht Druck auf EUR

Die Wirtschaftsdaten in China sind durchwachsen. Aber die Währung hat eine klare Richtung eingeschlagen. Der Yuan macht zunehmend Druck auf den Euro. Aktuelle Daten aus dem Reich der Mitte machen eine größere Bewegung des CNY wahrscheinlich.
  • Fuchs plus
  • Taiwans Wirtschaft läuft rund

Wachstum und Inflation ziehen an

Der weltweite Technologiewettlauf ist voll entbrannt. Vor allem mit ihrer Halbleiterkompetenz haben sich Unternehmen wie TSMC ihren Ruf aufgebaut und hohe Wettbewerbshürden etabliert. Das Exportpowerhouse Taiwan bietet für Investoren im Tech-Sektor spannende Möglichkeiten an deren Erfolg und der starken Devise zu partizipieren.
Zum Seitenanfang