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Währungen aus Nahost und Afrika

Zinssenkung in der Türkei, Erholung in Ägypten

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel, Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Zinssenkung

Die türkischen Währungshüter haben ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf jetzt 7,75% gesenkt. Hintergrund ist die Verlangsamung des Wachstums auf nur noch 1,8% (3. Quartal, Jahresrate). Noch im 1. Quartal 2014 waren 4,8% erreicht worden. Zudem war auch die Industrieproduktion zuletzt rückläufig (November:  -0,1% zum Vormonat, +0,7% zum Vorjahr). Gleichzeitig ist die Inflation von fast 9,7% auf zuletzt 8,2% zurückgegangen. Das ist zwar immer noch über dem Ziel von 5%, aber die Richtung stimmt. Zudem schrumpft das Defizit der Leistungsbilanz dank einer besseren Handelsbilanz. Allerdings moniert der gerade erschienene Artikel IV-Report des IWF die Entwicklung erheblicher makroökonomischer Ungleichgewicht. Sie könnten die Stabilität und Wachstumspotenziale der Türkei gefährden. Die Risiken sind beachtlich angesichts der schnellen Lockerung trotz immer noch hoher Inflation. Zinssenkungen plus Kaufkraftverluste dürften die Lira unter Druck bringen.

Fazit: Wir sehen die Lira in den kommenden Monaten unter Druck.

Hoffen auf die Investitionen

Die aktuelle Lage der israelischen Wirtschaft ist unerfreulich. Die Stimmung hat sich seit dem Gaza-Krieg noch nicht voll erholt. Vor allem die Anlageinvestitionen blieben schwach und waren 2014 rückläufig (-1,1%). Das Verbrauchervertrauen ist gering, der Einkaufsmanager-Index liegt unter der Expansionsschwelle. Dazu beigetragen hat die Krise Russlands – mittlerweile ein wichtiger Kunde für die Landwirtschaft und den Tourismus Israels. Dennoch erwartet die Notenbank ein Wachstum von 2,6% (2014) auf 3,2% (2015). Den Schub sollen vor allem die anziehenden Investitionen liefern, die von der robusten Beschäftigung und der daraus entstehenden Binnennachfrage mitgezogen werden. Da die Inflation nur langsam anzieht – der Ausblick sieht 1,1% und 2,0% für 2015/16 vor – sollen auch die Leitzinsen bis zum Ende dieses Jahres auf dem aktuellen Stand (0,25%) stehen bleiben.

Fazit: Der Schekel hat bereits deutlich nachgegeben und dürfte sich weiter abschwächen.

Erholung gewinnt Tempo   

Die ägyptische Wirtschaft erholt sich. Das 3. Quartal 2014 (1. Quartal des Fiskaljahres 2014/15) brachte die erwartete Beschleunigung mit +6,8% nach +3,7% im Vorquartal (jeweils Jahresvergleich). Antriebskräfte sind die Industrieproduktion sowie die Bautätigkeit, die durch staatliche Großprojekte wie den Ausbau des Suez-Kanals neue Impulse erhielt. Hinzu kam jetzt eine Erholung des Tourismus. Er floriert wieder und schafft durch den Service-Überschuss ein Gegengewicht zu den wieder wachsenden Importen. Unterdessen fiel die Inflation auf etwa 10%. Das veranlasste die Währungshüter zu einer weiteren Lockerung um 50 Basispunkte auf 9,25% Repo-Satz.

Fazit: Das Pfund könnte noch leicht zulegen.

Weniger Gewicht für das Öl

Nigeria erreichte im 3. Quartal etwa 6,2% Wachstum, das vor allem aus dem Nicht-Öl-Sektor stammte. Landwirtschaft, Dienstleistungen und Industrie sorgen für mehr Dynamik. Unterdessen gelingt die interne Stabilisierung. Die Inflation bleibt bei oder unter 10%.Das könnte die Währungshüter zu einer Lockerung veranlassen. Zudem hat die Notenbank offenbar die Stützung des Naira zurückgefahren, nachdem zuletzt erhebliche Teile der Währungsreserven dafür aufgewendet wurden.  

Fazit: Die Schwäche des Naira könnte sich aufgrund der Geldpolitik der Notenbank eine Weile fortsetzen.

Immer weiter abwärts

Die Zahlen zum 3. Quartal mit 1,4% Wachstum (annualisiert) unterstreichen die Misere. Der Ausblick der Notenbank verspricht mit nur 2,5% bis 2,9% Wachstum bis 2016 nur wenig Erholung. An der Arbeitslosigkeit von etwa 25% ändert das nichts. Zwei Ursachen sind erkennbar: Die scharfen sozialen Spannungen entladen sich in zerstörerischen Streiks und behindern ebenso wie die zerbröselnde Infrastruktur die Produktion von Industrie und Bergbau. Zu den sich ausbreitenden Stromsperren kommen wachsende Schwierigkeiten im Transportbereich. Die staatliche Fluggesellschaft muss mit frischem Geld gerettet werden und die Züge der staatlichen Eisenbahn fallen auf den zerschlissenen Strecken immer häufiger aus. Das bringt mehr Transporte auf die Straßen, die wiederum dieser Belastung nicht standhalten. Dieser Verfall unterminiert die Position Südafrikas auf den Finanzmärkten: Das Rating ist bei BBB/Baa2 angekommen.     

Fazit: Bessere Perspektiven setzen einen derzeit unwahrscheinlichen politischen Wandel voraus. Daher wird der Rand trotz zwischenzeitlicher Erholungen per Saldo nachgeben. 

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognosesicherheit
TürkeiTRL2,612,703,05neutral

3m-Zins8,979,08,5
IsraelILS4,464,454,50neutral
3m-Zins0,260,250,25
ÄgyptenEGP8,398,709,0unsicher
3m-Zins9,498,5
NigeriaNGN211,9217225unsicher
3m-Zins788,5
Südafrika

ZAR12,8514,0515,10neutral

3m-Zins6,1165,8
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