Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
3352
Refinanzierung wird nach globaler Schuldenexplosion zum Renditetreiber

Wachsende Konkurrenz um Gläubiger

In den kommenden drei Jahren müssen große Volumina an Anleihen refinanziert werden. Denn in den Jahren der Niedrigzinsen wurden immer höhere Schulden über Anleihen aufgenommen. Das wird für steigende Zinsen im Anleihemarkt sorgen und die Zinskosten der Staaten nach oben schieben.

In den kommenden drei Jahren werden die steigenden Zinsen auf die Staatshaushalte und Unternehmen durchschlagen. Es gibt zwei Transmissionsriemen, die den Prozess antreiben. Einerseits wirkt das allgemein höhere Zinsniveau am Markt und wird den durchschnittlichen Zins auf die ausstehenden Staatsschulden nach oben treiben. Andererseits laufen immer mehr Anleihen aus, die in der Niedrigzinsphase zu sehr günstigen Konditionen begeben wurden. Bei jeder Verlängerung solcher Bonds müssen die Staaten (aber auch Unternehmen) jetzt höhere Zinsen zahlen. Das wirkt zwar nur sehr langsam und zeitverzögert auf die gesamte Zinslast. In den nächsten Jahren wird der Effekt aber deutlich spürbar. 

Konkurrenz um Gläubiger

Den größten Effekt dieses Zinsanstiegs hat Deutschland dabei noch vor sich. Denn erst seit 2020 sind die Staatsschulden mit einem Turbo-Antrieb gestiegen. Ende Januar lagen die Bundesschulden bei 1.011 Mrd. Euro. Aktuell sind es 1.430 Mrd. Euro (+40%). Diese Anleihen werden ab 2030 zur Refinanzierung anstehen. Aus heutiger Sicht dürfte das Zinsniveau am Markt dann deutlich höher sein als zum Zeitpunkt der Schuldenaufnahme.

Das perspektivisch steigende Umschuldungsvolumen wird selbst zum Preistreiber.  Schon 2024 beträgt das Volumen der Staatsanleihen weltweit 56 Billionen USD. Das sind 32 Bio. mehr als noch 2008. Etwa die Hälfte dieser weltweiten Staatsschulden wurden von den USA aufgenommen, 30% von China. Beide Länder haben die Höhe ihrer Verschuldung in absoluten Zahlen seit 2008 etwa verdoppelt.

Auch Unternehmen tief in der Kreide

Auch Unternehmen haben in den vergangenen Jahren viele Anleihen begeben. Seit 2008 stieg das ausstehende Volumen von 21 auf 34 Bio. USD. Besonders in Schwellenländern sind viele Unternehmen über Anleihen hoch verschuldet. In den jüngsten Jahren wurden zwar Anleihen mit längeren Laufzeiten emittiert. Lag die Laufzeit 2008 noch bei etwa sechs Jahren, beträgt sie heute knapp zehn Jahre.

Das Umschuldungsvolumen in den kommenden drei Jahre ist problematisch. Bis Ende 2026 müssen 40% der weltweiten Staatsanleihen und 37% der Unternehmensanleihen refinanziert werden. Das zeigt eine Studie der OECD. Das geht einher mit dem Versuch der großen Notenbanken, ihre Bilanzen wieder abzubauen. Der Effekt wird eine größere Konkurrenz um Investoren sein. Das wird auf der Zinsseite durchschlagen. Schuldner werden höhere Zinsen bieten müssen. 

Fazit: Die Welt steuert auf eine neue Schuldenkrise zu. Die höheren Zinsen verteuern die Neu- und Anschlussverschuldung. Angesichts des bereits explodierten Schuldenstandes wird es eine schärfere Konkurrenz um Gläubiger geben. Diese wird selbst zum Rendite-Treiber. Der Spielraum hochverschuldeter Staaten wird schon in den kommenden drei Jahren schnell viel enger.
Neueste Artikel
  • Gesamtschau und Wochenbericht in KW 23 für PP V, PP VII, PP VIII und PP IX

Aktivität unter Druck: Warum Strategie plötzlich alles ist

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Die aktuelle Woche zeigt ein klares Paradox: Während viele Vermögensverwalter ihre Portfolios kaum verändern, entstehen die größten Unterschiede genau in dieser scheinbaren Ruhe. Wer strategisch richtig positioniert ist, schlägt die Benchmark mühelos. Wer dagegen aktiv eingreift, verfehlt oft das Ziel. Besonders in den großen Projekten tritt die Spreizung offen zutage. Anleger erkennen deutlicher denn je: Nicht Handlung schafft Erfolg, sondern die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt.
  • Fuchs plus
  • Wochenbericht zu Projekt IX in KW 23: Rendite, Risiko und Handel

BTV setzt sich ab

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance-Projekt 9 zeigt sich in Kalenderwoche 23 ein klares Kräfteverhältnis: Nur vier Vermögensverwalter schlagen das Benchmarkdepot, während die Mehrheit zurückbleibt. Gleichzeitig öffnet die schwache Entwicklung des Vergleichsmaßstabs ein seltenes Zeitfenster für aktive Strategien. Doch nur wenige nutzen diese Chance konsequent. Anleger erkennen immer deutlicher: Nicht Stabilität allein entscheidet, sondern die Fähigkeit, in schwierigen Marktphasen gezielt Mehrwert zu schaffen.
  • Fuchs plus
  • Wochenbericht zu Projekt VIII in KW 23: Vermögensmanager im Härtetest

Spitzengruppe um Deutsche Oppenheim und BW-Bank enteilt

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance-Projekt 8 zeigt sich eine klare Zweiteilung: Während einige Vermögensverwalter den Benchmark deutlich übertreffen, bleibt ein großer Teil des Feldes hinter der Referenz zurück. Das Benchmarkdepot (vermögensverwaltende Fonds) liefert stabile Ergebnisse, überzeugt jedoch vor allem durch Kontrolle statt Dynamik. Wer aktuell wirklich Mehrwert liefert, entscheidet sich im Spannungsfeld aus Vermögenswachstum, Risikomanagement und konsequenter Umsetzung der Allokationsstrategie.
Zum Seitenanfang