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Kunstmarkt

Gewinne mit antiken Teppichen

Teppichsammler geben für eine Rarität gerne bis zu 10 Mio. Euro aus. Sammlerteppiche liegen im Trend und stehen für einen Konosseur Gemälden in nichts nach; Vorsicht jedoch bei Industrieware und Teppichen aus Kinderarbeit.   

Teppiche erscheinen wieder auf den Radarschirm von Sammlern. Insbesondere Orientteppiche aus der Türkei und China sind en vogue. Dagegen sollten sich Sammler von Angeboten aus Kaufhäusern und Möbelcentern fernhalten. Die dort angebotene Ware ist immer maschinengewebt und keine Wertanlage. Problematisch sind auch handgeknüpfte Teppiche, die in Indien und Bangladesh von Kindersklaven im Akkord hergestellt werden.
Wer sich mit Sammlerteppichen befassen will, sollte zwischen Orientteppichen aus der Türkei und China unterscheiden. Es gibt großflächige, handgeknüpfte Teppiche und sog. Läufer bzw. Brücken aus Korkwolle auf Baumwolle. Diese Ware ist relativ dick, aber enorm strapazierfähig. In diesem Segment können Investoren zwischen 400 und maximal 10.000 Euro ausgeben. Diese Ware hält zwar Jahrzehnte, verspricht aber keinerlei Wertzuwächse.


Werthaltiges Teppichsammeln beginnt, wenn die Objekte aus Seide auf Seide geknüpft sind. Entscheidend für den Wert ist die Anzahl der Knoten je Quadratmeter. Mindestens eine Million Knoten pro Quadratmeter sollten gute Teppiche aufweisen. Je feiner der Teppich aus Seide geknüpft ist, umso filigraner, eleganter und glänzender treten die Dessins oder Darstellungen hervor.


Es gibt viele Sammler, die in einem Seidenteppich wie aus einem Buch lesen. In der Regel sind Teppiche bzw. Brücken dieser Gattung – bis auf die wenigen noch erhaltenden großen Palastteppiche – allenfalls 170 bis max. 230 cm groß, in den weitaus meisten Fällen jedoch kleiner.


In einschlägigen Museen rund um den Erdball werden Seidenteppiche aus dem späten 14. und 15. Jahrhundert gezeigt. Solche Exemplare können leicht einen Wert von mehr als 10 Mio. Euro haben. Rare Teppiche sind gewissermaßen das kulturelle Pendant zu den Gemälden unserer großen abendländischen Maler. So kann ein feingeknüpfter Seiden-Gaschgai (180 x 134 cm) aus dem Südwesten des Irans zum Schätzpreis von 45.000 Euro geradezu als ein Schnäppchen angesehen werden.


Seidenbrücken können Sammler schon mit etwas weniger Geld einkaufen. Einen figural sehr elegant geknüpften Seiden-Ghom mit dem berühmten Lebensbaummotiv in den Größenordnungen von rd. 130 x 40 cm kann der erfahrene Sammler für 7.000 Euro erwerben. Bei einem türkischen Seidenhereke um 1940 (der Begriff antik hat im Teppichsammlerbereich eine andere Bedeutung; ein Teppich von 1940 wird durchaus als antik bezeichnet) dürfte in der Größenordnung von 280 x190 cm um die 18.000 Euro kosten.


Diese Preise sind bei Auktionen realistisch. Zwar sind London und New York die global größten Handelsplätze für Teppiche als Kapitalanalage. Aber Sammler können auch sehr gut in Deutschland fündig werden. Neben einem angestammten Teppichhändler in jeder größeren Stadt, dessen Name für Qualität steht, sind hierzulande zwei Teppichauktionshäuser zu empfehlen:


Henry's im pfälzischen Mutterstadt ist eine feine Adresse. Auf den monatlichen Auktionen werden Seidenbrücken beginnend ab 2.500 Euro aufgerufen. Henry pflegt die Aufrufpreise recht tief anzusetzen und hofft auf das Preissteigerungspotenzial im Zuge der Bietergefechte. Henry's kompensiert mögliche fehlende Qualität durch Re-Importe aus den USA, um die Nachfrage befriedigen zu können, die relativ stark aus dem Ausland kommt.


Deutschlands Top-Teppichauktionshaus ist die unabhängige Niederlassung der 130 Jahre alten englischen Mutter Rippon Boswell. Das Haus in Wiesbaden ist primär auf antike Raritäten spezialisiert und hat eine ebenso potente wie solide weltweite Kundschaft. Das Auktionshaus beschreibt die Einzelstücke ausführlich sowie präzise mit Quellenachweisen. Es ist schon ein Genuss für jeden Interessierten bzw. Sammler, im Auktionsangebot zu studieren. Von Rippon Boswell ist bekannt, dass fast jede ihrer Auktionen mit einem Verkaufserfolg durchgeführt wird.

Fazit

Teppiche sind ein attraktives Sammelgebiet. Qualitativ hochwertige Ware hat hohes Preissteigerungspotenzial. Treiber ist vor allem, dass es in den klassischen Manufakturgebieten immer weniger Menschen gibt, die dem Handwerk nachgehen. Langfristig wird das Angebot daher massiv schrumpfen.

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