Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
9281
Hongkong als Schwarzer Schwan für die Weltwirtschaft

Kaum noch vermeidbare Eskalation in Hongkong

Seit vielen Wochen wird in Hongkong gegen ein Auslieferungsgesetz an Festlandchina protestiert. Millionen gehen auf die Straßen. Peking spricht von Terrorismus. Vor allem: Es gibt bisher keinen sichtbaren Kompromissweg. Worauf sich der Westen und hiesige Unternehmer einstellen müssen.

Die Situation in Hongkong wächst sich zum „Schwarzen Schwan" für die Weltwirtschaft aus. Die Zeichen stehen auf weitere Eskalation. Und es gibt bisher keinen Kompromissweg, den beide Seiten (ohne Gesichtsverlust) beschreiten könnten. Es rasen vielmehr weltanschaulich zwei Züge kaum gebremst aufeinander zu. Die Kollision ist nach unserem Ermessen unvermeidlich. Und das wird schwerwiegende, langfristige Folgen für die Wirtschaftsbeziehungen des Westens und insbesondere Europas zu China nach sich ziehen.

Die Stimmung in Hongkong ist weiterhin aufgeheizt. Wie wir am Wochenende bei einem Telefonat in die inzwischen von Festlandchina abgekapselte Stadt erfuhren, ist die Bereitschaft, für das gewohnte (und vertraglich für 50 Jahre zugesicherte) westliche Modell der Selbstbestimmung zu kämpfen, ungebrochen – und er wächst. Ein Wille zurückzuweichen (und sich seinem Schicksal zu ergeben) ist nicht zu erkennen.

Chinas Angst vor dem Kontrollverlust führt zu Rollback-Politik

Für Chinas Führung gibt es ebenfalls keinen anderen denkbaren Ausgang als die Unterwerfung der Hongkong-Chinesen unter das „Platzhalter-Regime" von Carrie Lam. Dass das Auslieferungsgesetz – der Anlass für die Proteste – gänzlich zurückgenommen wird, ist nicht zu erwarten. Wie wir in diesen Briefen schon vor Monaten schrieben, dreht Chinas Führung unter Xi Jingping das Rad zurück (23.10.2017, 9.3.2018, 27.5.2019). Die KP fürchtet den Kontrollverlust – auch in Festland China – und zieht die Zügel kräftig an. In dieser Politik hat ein Nachgeben gegenüber den Hongkong-Chinesen keinen Platz. Die Truppenübungen, die Klassifizierung der Aufstände als terroristischen Akt – das sind eindeutige Warnzeichen für ein robustes Eingreifen des chinesischen Militärs.

Gewalt in Hongkong kann „der Westen" nicht hinnehmen – den wirtschaftlichen Beziehungen droht weitere Gefahr.

„Der Westen" muss sich auf das Schlimmste gefasst machen. Bis zum 1.10., dem 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik, wird Peking die Demonstrationen nur eindämmen. Selbst wenn auch danach kein zweites Massaker wie auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989 droht – nach den Feierlichkeiten ist Gewalt für die KP-Führung nicht ausgeschlossen.

In den Beziehungen zu Peking droht – auch wirtschaftlich – eine Eiszeit. Die USA und Europa können nicht sanft reagieren, wenn es zu einem brutalen Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte kommt. Die Augen, die Europa bisher gegenüber dem nationalistisch-kapitalistisch-kommunistischen Regime vor allem in Wirtschaftsfragen (Datenklau, Wirtschaftsspionage, fehlende Rechtssicherheit, Ungleichbehandlung von ausländischen Firmen etc.) in Peking zugedrückt hat, kann man in einem solchen Fall nicht weiter verschließen. Hongkong als Finanzplatz droht ebenfalls erheblichen Schaden zu nehmen. Es ist immer noch Chinas Tor zur Finanzwelt, vor allem in den Westen.

Wir rechnen nicht mehr mit einem glimpflichen Ausgang. Ein Beben auf den Märkten in den kommenden drei Monaten– ausgelöst von Hongkong – wird wahrscheinlich. Für Unternehmer wird es langfristig deutlich schwieriger im China-Geschäft.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Auskunftsanspruch nach § 10 EntgTranspG

Entgelttransparenzgesetz: Gilt auch für freie Mitarbeiter

Wenn es zum Streit über die gerechte Bezahlung von Männern und Frauen kommt, sind Selbständige und freie Mitarbeiter künftig nicht mehr außen vor. Auch sie dürfen das Gehalt ihrer Kollegen erfahren, wie das Bundesarbeitsgericht (BAG) jetzt entschieden hat.
  • Fuchs plus
  • Produktcheck: Danske Invest Denmark Focus A

Ausgeklügelte und erfolgreiche Anlagestrategie

Die Börse von Kopenhagen. Copyright: Pixabay
Aktien aus Dänemark sind attraktiv. Sie haben über lange Jahre sogar eine bessere Performance als der DAX erzielt. Anlegern, die auf diesen kleinen aber feinen Markt setzen wollen, können wir einen guten Fonds mit einer erfolgreichen Anlagestrategie vorstellen.
  • Fuchs plus
  • Chesapeake Energy meldet Konkurs an

Shale-Pionier in der Insolvenz

Die ersten Großpleiten sind da. Copyright: Pixabay
Der Chesapeake-Konzern, der die USA über die Thale-Technik zum größten Ölförderer der Welt gemacht hat, ist endgültig pleite. Aus und vorbei ist es damit aber noch keineswegs mit Chesapeake Energy. Und auch andere Großpleiten rücken in den Fokus.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Preiswende am US-Unabhängigkeitstag

Lebendrind wieder stärker gefragt

Der Preis für Lebendrind stand in der Corona-Krise stark unter Druck. Inzwischen stabilisieren sich die Notierungen an der Börse wieder. Der bevorstehende US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli könnte nun sogar die Trendwende nach oben bringen.
  • Fokus Private Banking

Die Testprinzipien der FUCHS | RICHTER PRÜFINSTANZ

Ralf Vielhaber, Partner der FUCHS|RICHTER PRÜFINSTANZ, erläutert im Fokus Private Banking die Testprinzipien. © FUCHSBRIEFE erstellt mit Canva, Foto: Pixabay
Seit fast 20 Jahren fühlen Testkunden der FUCHS|RICHTER PRÜFINSTANZ Banken, Vermögensverwaltern und Family Offices in Sachen Private Banking auf den Zahn. Was sind die Prinzipien, nach denen die Prüfinstanz die Anbieter bewerten? Ralf Vielhaber, Partner der FUCHS|RICHTER PRÜFINSTANZ, beantwortet die Frage im Gespräch mit dem Wirtschaftsjournalisten Markus Hormann.
  • Fuchs plus
  • Wohnungseigentümer müssen ihren Schallschutz beachten

Fliesen statt Teppichboden: Anspruch auf Schallschutz bleibt unverändert

Zuhause ankommen und seine Ruhe haben. Das klappt nicht immer: Schritte in der darüber liegenden Wohnung sind deutlich zu hören, Wasser läuft in die Wanne, Kinder toben... Lärm ist einer der häufigsten Streitpunkte unter Nachbarn. Nun hat der Bundesgerichtshof (BGH) Grenzen beim Trittschallschutz gesetzt.
Zum Seitenanfang