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Hongkong als Schwarzer Schwan für die Weltwirtschaft

Kaum noch vermeidbare Eskalation in Hongkong

Seit vielen Wochen wird in Hongkong gegen ein Auslieferungsgesetz an Festlandchina protestiert. Millionen gehen auf die Straßen. Peking spricht von Terrorismus. Vor allem: Es gibt bisher keinen sichtbaren Kompromissweg. Worauf sich der Westen und hiesige Unternehmer einstellen müssen.

Die Situation in Hongkong wächst sich zum „Schwarzen Schwan" für die Weltwirtschaft aus. Die Zeichen stehen auf weitere Eskalation. Und es gibt bisher keinen Kompromissweg, den beide Seiten (ohne Gesichtsverlust) beschreiten könnten. Es rasen vielmehr weltanschaulich zwei Züge kaum gebremst aufeinander zu. Die Kollision ist nach unserem Ermessen unvermeidlich. Und das wird schwerwiegende, langfristige Folgen für die Wirtschaftsbeziehungen des Westens und insbesondere Europas zu China nach sich ziehen.

Die Stimmung in Hongkong ist weiterhin aufgeheizt. Wie wir am Wochenende bei einem Telefonat in die inzwischen von Festlandchina abgekapselte Stadt erfuhren, ist die Bereitschaft, für das gewohnte (und vertraglich für 50 Jahre zugesicherte) westliche Modell der Selbstbestimmung zu kämpfen, ungebrochen – und er wächst. Ein Wille zurückzuweichen (und sich seinem Schicksal zu ergeben) ist nicht zu erkennen.

Chinas Angst vor dem Kontrollverlust führt zu Rollback-Politik

Für Chinas Führung gibt es ebenfalls keinen anderen denkbaren Ausgang als die Unterwerfung der Hongkong-Chinesen unter das „Platzhalter-Regime" von Carrie Lam. Dass das Auslieferungsgesetz – der Anlass für die Proteste – gänzlich zurückgenommen wird, ist nicht zu erwarten. Wie wir in diesen Briefen schon vor Monaten schrieben, dreht Chinas Führung unter Xi Jingping das Rad zurück (23.10.2017, 9.3.2018, 27.5.2019). Die KP fürchtet den Kontrollverlust – auch in Festland China – und zieht die Zügel kräftig an. In dieser Politik hat ein Nachgeben gegenüber den Hongkong-Chinesen keinen Platz. Die Truppenübungen, die Klassifizierung der Aufstände als terroristischen Akt – das sind eindeutige Warnzeichen für ein robustes Eingreifen des chinesischen Militärs.

Gewalt in Hongkong kann „der Westen" nicht hinnehmen – den wirtschaftlichen Beziehungen droht weitere Gefahr.

„Der Westen" muss sich auf das Schlimmste gefasst machen. Bis zum 1.10., dem 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik, wird Peking die Demonstrationen nur eindämmen. Selbst wenn auch danach kein zweites Massaker wie auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989 droht – nach den Feierlichkeiten ist Gewalt für die KP-Führung nicht ausgeschlossen.

In den Beziehungen zu Peking droht – auch wirtschaftlich – eine Eiszeit. Die USA und Europa können nicht sanft reagieren, wenn es zu einem brutalen Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte kommt. Die Augen, die Europa bisher gegenüber dem nationalistisch-kapitalistisch-kommunistischen Regime vor allem in Wirtschaftsfragen (Datenklau, Wirtschaftsspionage, fehlende Rechtssicherheit, Ungleichbehandlung von ausländischen Firmen etc.) in Peking zugedrückt hat, kann man in einem solchen Fall nicht weiter verschließen. Hongkong als Finanzplatz droht ebenfalls erheblichen Schaden zu nehmen. Es ist immer noch Chinas Tor zur Finanzwelt, vor allem in den Westen.

Wir rechnen nicht mehr mit einem glimpflichen Ausgang. Ein Beben auf den Märkten in den kommenden drei Monaten– ausgelöst von Hongkong – wird wahrscheinlich. Für Unternehmer wird es langfristig deutlich schwieriger im China-Geschäft.

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