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Die Lust kommt beim Lernen

Ralf Vielhaber, Chefredakteur Fuchsbriefe
In unserer heutigen Gesellschaft scheint lernen immer „Lust" machen zu müssen. Dabei stresst der Schulaltag viele Kinder und auch Studierende sind heutzutage schneller vom „Burnout" bedroht.

Hatten Sie stets „Lust" zu lernen? Bei mir kommt sie immer dann, sobald ich mich in eine Sache eingearbeitet habe. Am leichtesten fällt es mir, wenn ich mit Neugier und Interesse an eine Sache herangehe. Die kann man sicherlich wecken, aber: Aller Anfang ist schwer. Lernen ist erst mal Mühsal.

In unserer heutigen Gesellschaft scheint lernen immer „Lust" machen zu müssen. So jedenfalls sieht es unter anderem der Chefredakteur des Tagesspiegel, Claus-Hinrich Casdorff, der sich auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov- bezieht. Danach sagen 70% der Eltern, ihre Kinder würden vom Schulalltag „gestresst". Und Studierende seien viel schneller als früher vom „Burnout" bedroht. Casdorff: „Was uns das lehrt? Wie gefährlich die Situation ist, wenn schon Kinder in der zweiten Klasse keine Lust mehr aufs Lernen haben."

Lernen bedeutet Anstrengung

Ich meine: Die Eltern, die so argumentieren, sind das Problem. Natürlich lässt sich Lernstoff auf unterschiedliche Weise vermitteln. Aber Lernen bedeutet immer auch Anstrengung. Das gilt so im Sport, in der Beherrschung eines Instruments und bei der Beherrschung logischen Denkens, einer Sprache, einfach von allem, was man sich – mehr oder weniger mühsam – beibringen muss. Die Wenigsten lernen ein Leben lang so locker wie Kleinkinder eine Sprache. Kinder aber, die stundenlang am Mobiltelefon daddeln dürfen, haben Konzentrationsprobleme, die die Mühsal noch einmal verstärken.

Eine konträre Haltung zu Casdorff vermittelt die ehemalige US-Außenministerin Condoleeza Rice. Sie unterrichtet heute als Professorin an der Stanford University und sagte in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung: „Es ist nicht meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sich Leute in meinen Kursen wohl fühlen, im Gegenteil – es ist mein Job, sie dazu zu bringen, die Wohlfühlzone zu verlassen."

Wikipedia kein Ersatz für Grundwissen

Es geht nicht darum, Kindern wieder Stoff einzutrichtern, wie es vor allem aus asiatischen Ländern berichtet wird. Aber Wikipedia ist kein hinreichender Ersatz von erlerntem Grundwissen. Selbstmotivation, Lust an der Überwindung von Unlust, die Bereitschaft, die Wohlfühlzone zu verlassen – das ist es, was vor allem Eltern vermitteln müssen, da sie als Grundlage für lebenslanges Lernen unumgänglich ist. Die Lust kommt beim Lernen,

meint Ihr

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