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Frühwarnsysteme ohne ausreichende Wirkung

Frühwarnsysteme ohne ausreichende Wirkung konstatiert Ralf Vielhaber, Chefredakteur Verlag Fuchsbriefe. Copyright: Verlag Fuchsbriefe
Die Überflutungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind dramatisch und für die Menschen in der Region eine Katastrophe. Doch dem Klimawandel die Schuld zu geben, ist zu einfach. FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber fragt vielmehr nach der Rolle der Behörden und warum die seit langem angeschobenen Präventionsmaßnahmen nicht hinreichend funktioniert haben.

Die Milliarden, die Europa in die Abmilderung des Klimawandels steckt, sind kaum noch bezifferbar. Doch hätte es den Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wohl mehr geholfen, wenn ein größerer Teil davon in Hochwasserprävention und vor allem auch eine Warn-Infrastruktur geflossen wäre, die diesen Namen verdient.

Dabei hat die EU durchaus vorgesorgt. Es gibt das Flutfrühwarnsystem der EU, das Global Flood Awareness System (GloFAS) mit Niederschlagsvorhersagen für 10-Tage-Perioden. Für Gebiete, die ein potenzielles signifikantes Hochwasserrisiko aufweisen, müssen die EU-Mitgliedstaaten seit 2007 Hochwassergefahrenkarten und Hochwasserrisikokarten erstellen. 

Seit 2015 Pflicht: Risikomanagementpläne

Bis 2015 mussten entsprechende Risikomanagementpläne aufgestellt werden. Diese dienen als Grundlage für Planungen sowie für die Festlegung von Prioritäten im Hochwasserrisikomanagement. Deutschland gehört nach Aussage der Bundeszentrale für politische Bildung bei der Umsetzung der Richtlinie zu den Vorreitern …

Auch Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben solche Bewertungen erstellt. In der Hochwassermanagementplanung in Rheinland­Pfalz von November 2018 heißt es tiefgründig: „Die negativen Auswirkungen von Hochwasser auf die menschliche Gesundheit können vielfältig sein. Schlimmstenfalls gehen Menschenleben verloren.“ Und weiter: „Der Umfang von gesundheitsbeeinträchtigenden Auswirkungen von Hochwasser in Rheinland-Pfalz ist schwer abzuschätzen. Der Stand der Hochwasservorsorge und die Bewältigung eines Hochwasserereignisses spielen eine große Rolle.“

Hochwasservorsorge mangelhaft

Doch an ausreichender Hochwasservorsorge hat es offenbar gemangelt. Im 700 Einwohner-Ort Schuld an der Ahr wurden mindestens sechs Häuser von den Wassermassen mitgerissen und zahlreiche weitere Gebäude teils schwer beschädigt. Auf der interaktiven Hochwasser-Risikokarte der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) ist Schuld an der nördlichen Landesgrenze von Rheinland-Pfalz als Gebiet mit niedriger Wahrscheinlichkeit eines Extremereignisses erfasst. Anzahl potenziell betroffener Einwohner: 34. Abgeschätzter Schaden bei EHQ (Extremereignis) auf der Gemeindefläche: 632.000 Euro. Hochwasserabwehrinfrastruktur: keine. „Verwertbare Aufzeichnungen großer Hochwasser liegen nur für die großen Flüsse in Rheinland-Pfalz vor. Vor allem dort hat es signifikante nachteilige Auswirkungen gegeben, über die meist nur qualitative Angaben vorliegen. Angaben über die Ausdehnung der Überschwemmungsflächen oder Abflusswege sind in ausreichender Genauigkeit nicht ableitbar.“

Den betroffenen Menschen, die Hab und Gut oder gar Familienmitglieder in der Fluten verloren haben, muss schnell und unbürokratisch geholfen werden. Das ist keine Frage. Doch im nächsten Schritt sollten wir hinschauen, warum die installierten Warnsysteme und Vorsorgemaßnahmen nicht hinreichend funktionieren. Die Behörden in den Ländern werden sich hier noch einige Fragen gefallen lassen müssen. 

Fazit: Der Fokus muss sich ändern: Es geht viel zu sehr darum, wie der Klimawandel verhindert werden kann. Dabei hat Deutschland hier nur geringen Einfluss. Wichtiger ist, wie wir mit möglichen Folgen umgehen. Hier ist offensichtlich einiges versäumt worden. Das Flut-Desaster der vergangenen Woche hätte so wohl nicht passieren müssen, vermutet Ihr Ralf Vielhaber

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