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Der Kommentar „Zur Situation“ von Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber

Meinetwegen Tempolimit

Deutschland redet erneut über ein Tempolimit. Der Verkehrsminister lehnt es ab. Er schlägt die Schlachten von gestern. Freie Fahrt ist auf deutschen Autobahnen ohnehin kaum mehr möglich. Es gibt aber sicher noch eine Reihe ebenso wichtiger Baustellen im Verkehr, deren Beseitigung nicht nur der Umwelt, sondern auch den Nerven der Autofahrern guttäten, findet Fuchsbriefe-Chefredakteur Ralf Vielhaber.

Meinetwegen Tempo 130. Was daran „gegen den gesunden Menschenverstand gerichtet" sein soll, wie sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ausdrückt, kann ich nicht nachvollziehen. Die große Freiheit gibt es auf deutschen Autobahnen schon lange nicht mehr; dafür sind sie viel zu vollgestopft und Dauerbaustelle reiht sich an Dauerbaustelle. Wer will, kann seinen Porsche ja auf dem Nürburgring ausfahren. Und gleich noch ein paar Fakten für den gesunden Menschenverstand hinterher:

Insgesamt gilt auf weniger als 20% der deutschen Autobahnen komplett freie Fahrt.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit aller Pkws im gesamten Autobahnnetz liegt bei unter 117 km/h.
Klar ist, dass ein Tempolimit den Kraftstoffverbrauch deutlich absenkt. Dadurch geht auch der CO2-Ausstoß zurück. Und die Zahl der (schweren) Verkehrsunfälle.
Österreich hat den Schritt vor einigen Jahren getan. Und fährt gut damit. Die zuständige Autobahngesellschaft Asfinag spricht jedenfalls von einem vollen CO2-Spar-Erfolg.
Außerdem gehen viele Experten davon aus, dass der Verkehrsfluss besser würde. Eine Logik, der ich als Vielfahrer eine Menge abgewinnen kann.

Aber ich würde meine Zustimmung zum Tempolimit schon an ein paar Gegenleistungen knüpfen wollen. Räumt den Schilderwald auf! Der ist ja jetzt schon dazu da, ein faktisches Tempolimit durchzusetzen. Manchmal weiß ich vor lauter Ge- und Verboten auf der Autobahn nicht mehr, was gerade Sache ist.
Verbietet irre Überholmanöver von Lastwagen! Wenn der eine dicke Brummer mit 105 km/h den anderen, der es auf 103 km/h bringt, in minutenlangen Manövern überholt, kommt es stets zu Staus und gefährlichen Situationen.
Beeilt euch bei den Baustellen. Es kann doch nicht sein, dass die nachts brachliegen und nicht mit Hochdruck an der Fertigstellung gearbeitet wird. Was hier, insbesondere in Großstädten, an Energie verballert und an CO2 sinnlos herausgepustet wird, wäre eine Studie wert.
Ersetzt Ampeln durch mehr Kreisverkehre. Vor allem auf Bundesstraßen mit Linksabbiegemöglichkeit ohne eigene Spur wären Kreisverkehre häufig eine Wohltat für Nerven und Umwelt.

Wenn wir das mal hinkriegen würden, wen juckt dann noch ernsthaft ein Tempolimit von 130, fragt

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