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Die zweite Welle oder …

Warten auf Godot?

Die täglichen Meldungen über die früh angekündigte, drohende zweite Corona-Welle häufen sich. Die Wirtschaft geht bereits wieder in Hab-Acht-Stellung. Wer sich dagegen mit den Krankheitszahlen selbst beschäftigt, reibt sich verwundert die Augen. FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Ralf Vielhaber hat es getan.

Nur mal angenommen, der Bundesgesundheitsminister würde vor die Kameras treten und sagen: „Leute, Corona ist vorbei! Nehmt die Masken ab. Umarmt euch. Feiert miteinander. Sucht die soziale Nähe und Wärme nach der emotionalen Eiszeit. Freut euch wieder des Lebens!“ Sie wären vermutlich begeistert, oder nicht?

Jens Spahn könnte das begründen. Ganz sachlich mit Zahlen. Die Anzahl der tatsächlich und vermeintlich mit oder an Covid-19 neu Erkrankten dümpelt seit vielen Wochen im kaum messbaren Bereich. Und das nicht nur bei uns: Selbst im viel gescholtenen Großbritannien ist das so. Die Zahl der Todesfälle in Deutschland bleibt auch nach sieben Monaten haargenau im statistischen Mittel der letzten fünf Jahre. Die Intensivbetten bleiben von Covid-Patienten so gut wie ungenutzt. Es gibt 312 Covid-Intensivpatienten. Sie belegen 1% aller Intensivbetten in Deutschland. Aber 9.000 Intensivbetten sind noch frei. Ist doch gut, oder?

Es liegt am klugen Management - wirklich?

Liegt alles am klugen Management der Krise, könnten Sie erwidern. Wirklich? Mehr Individualität im Umgang mit der Pandemie – andere sprechen von Durcheinander – als in Deutschland, wo die Bundesländer und örtlichen Gesundheitsämter das Sagen haben, geht kaum und ist auch reichlich ausgeführt und kommentiert worden.

Dann liegt es daran, dass wir so viel dazugelernt haben, seit dem Lockdown im März. Wirklich? Wir tragen Masken und geben keine großen Events. Doch auf der Straße treffen wir uns wieder. Ist keine Kamera dabei, geben sich selbst Politiker die Hand oder umarmen sich. Und wir testen viel mehr.

Es geht um die schweren Krankheitsfälle

Daher gehen ja auch die Infektionszahlen nach oben. Aber mal ehrlich, wen juckt's? Entscheidend sind die tatsächlichen, und da auch nur die schweren Krankheitsfälle. Dass es davon anhaltend wenige gibt, das muss erklärt werden. Und nicht nur mit dem lapidaren Hinweis, es steckten sich ja – anders als im Frühjahr – vorwiegend junge Leute an. Warum sollte das so sein? Haben wir die Alten weggesperrt? Mein Eindruck ist das nicht.

Also liegt es daran, dass wir bei den Behandlungsmethoden hinzugelernt haben. Wirklich? Es muss ja kaum jemand behandelt werden in Deutschland. Das ist, gottseidank, eine Tatsache.

Ist das alles nötig?

Warum also der ständige Alarmismus? Warum keine Signale der Entspannung bei den politisch Verantwortlichen, voran der Kanzlerin. Vielleicht kann nicht sein, was nicht sein darf. Denn wir alle würden uns schnell fragen: Ja, aber was ist denn nun mit den Milliarden neuer Schulden, die so überhaupt nicht nachhaltig sind. Die noch Generationen belasten werden. Brauchen wir die denn überhaupt noch? Können wir den riskanten Haushalt nicht abspecken? Was ist mit der europäischen Schulden- und Transferunion, die wir gerade auf dem Fundament der Pandemie errichten? Müssen wir noch monatelang Kurzarbeit bezahlen, wenn Konzerte wieder besucht, Hotels wieder belegt werden können? Müssen wir Firmen retten? Das Gesundheitswesen weiter ausbauen? Abermilliarden für Impfstoffe ausgeben? Büros umbauen, Kitas und Schulen? Müssen wir Demos einschränken? Und war es wirklich nötig, unseren Kindern monatelang die Bildung zu entziehen?

"Die Zügel anziehen …"

Es bliebe nicht bei einer leichten Irritation. Es käme zum Aufschrei. „Man muss die Zügel anziehen, um bei Corona nicht in ein Desaster reinzulaufen,“ spricht die Kanzlerin. Man kann gut verstehen, warum sie das so sagt. Und weil die tatsächlichen Krankheitszahlen wenig Grundlage für den ständigen Alarmismus hergeben, bemüht Virologe und Politikberater Christian Drosten die Zukunft: „Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns“. Fragt man jedoch sein Institut, das RKI, nach messbaren Auswirkungen der viel gerügten Großdemos in Berlin, die zu weiteren Einschränkungen der Demonstrationsfreiheit führten, kommt: nichts. Denn da gibt es nichts … Deshalb klammert man sich an die täglich steigenden, aber letztlich nichtssagenden Infektionszahlen. Damit den Menschen wenigstens ein Schauer über den Rücken läuft.

Die Pandemie ist längst zur politischen Lebensversicherung geworden. Es geht vorerst nicht ohne sie. Und deshalb wird sie uns erhalten bleiben. Und sei es auch nur als Ankündigung. Herzlich grüßt Sie Ihr Ralf Vielhaber
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