Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1152
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

SAP benennt die Compliance-Risiken deutlich

Bei SAP tragen Investoren aus Compliancesicht ein geringes Risiko.
SAP zeigt dem großteil der DAX-Konzerne wie man's macht. Die Darstellung der Compliance-Maßnahmen bis hin zu den Risiken ist vorbildlich. An der Übersichtlichkeit mancher Darstellung lässt sich jedoch noch arbeiten.

Der deutsche Softwareproduzent liefert seit Jahrzehnten Programmlizenzen, mit denen Firmen ihre Abläufe steuern können. Das Umsatzplus von sechs Prozent auf 22,1 Mrd. Euro ist ordentlich. Das neue Programmpaket S4/Hana, das die Standardlösung R3 ersetzt, soll Abläufe in Echtzeit und vollständig in der Cloud durchführen. Eine auf S4/Hana basierende Software für Governance, Risk und Compliance bietet SAP Unternehmen an.

Mit einem Spitzenplatz im Compliance Rating hat man auch die Kompetenz dazu. Vorbildlich ist SAP in einigen Compliance-Bereichen auch selbst, vor allem bei der ausführlichen Erläuterung von Compliancerisiken. Zuletzt trübte aber ein Korruptionsfall das gute Image: In Südafrika sollen sich lokale SAP Manager unrechtmäßig Staatsaufträge beschafft haben. Auf die Vorwürfe reagierte man prompt und beurlaubte die vier Manager.

Verhaltenskodex

Ein „klassischer" Verhaltenskodex mit erkennbar angelsächsischen Wurzeln, der sich gelegentlich in epischer Breite verliert. SAP notiert an der New Yorker Börse und unterliegt dem American Depository Receipts (ADRs). Der hastigen Übersetzung entglitt da und dort die Rechtschreibung.

Einige Bereiche wie Loyalität, Vorteilsannahme, Bestechung, Korruption, Vertraulichkeit und Wettbewerbsrecht sind etwas unübersichtlich geraten, bei einigen Handlungsanweisungen gibt es zudem zahlreiche noch unausgefüllte variable Felder („wenn der Wert des Essens bzw. der Veranstaltung überschreitet"), die den Informationswert doch signifikant beeinträchtigen. Die Sprache ist insgesamt sehr legalistisch und wenig anschaulich. Es fehlen Beispiele. 

Lieferantenkodex

SAP hat einen detaillierten Lieferantenkodex, der gut in internationale Richtlinien eingebettet ist. Positiv hervorzuheben ist insbesondere der Detailgrad der Vorschriften. Punktabzüge erfolgen für ein unklares Überwachungssystem und nur geringe Regelungen der Sublieferanten. Unvollständig sind auch die Hinweise zu Konsequenzen bei Verstößen. So sieht der Lieferantenkodex von SAP formal gut aus, aber es ist gut möglich, dass er in der Praxis eher „soft" ist.

CMS Compliance-Management-System

Wenn man die Informationen erst mal gefunden hat, zeigt sich, dass SAP viele Informationen zur Compliance Organisation herausgibt und mit Zahlen und Fakten unterlegt. Die Aktivitäten sind umfangreich und benötigen etliche hausinterne Ressourcen: „2016 haben wir verbindliche Online-Schulungen für alle Mitarbeiter weltweit eingeführt. Insgesamt wurden mehr als 79.200 Mitarbeiter (93 % aller SAP-Mitarbeiter) geschult."

Ausführliche, auch quantitative Darstellung von Compliance-Risiken enthält der Geschäftsbericht. Das ist vorbildlich, zumal es eine klare Bewertungsmethodik gibt: „Obgleich wir den Eintritt des Risikos eines vorsätzlichen oder fahrlässigen schwerwiegenden unethischen Verhaltens als unwahrscheinlich einschätzen, können wir das Risiko nicht ausschließen." Sollte das Risiko eintreten, erwartet SAP „erhebliche Auswirkungen", die auch erläutert werden. 

Kommunikation 

SAP steht in der Kritik, weil seine Technologien zur Massenüberwachung eingesetzt werden, eventuell auch von Geheimdiensten. Über diese Bereiche berichtet SAP sehr zurückhaltend. Das Unternehmen lobt sich zurecht für seine Klimaziele und dass es das Emissionsziel von 400 Kilotonnen CO2 zuletzt um 20 Kilotonnen unterboten hat.

Umweltkennzahlen, auch zum Energie- oder Wasserverbrauch werden offengelegt. Intransparent ist jedoch, ob Anforderungen zum Umweltschutz bei den Lieferanten festgelegt wurden und welche Audits dazu vorliegen. Die Homepage ist informativ, aber die Suchfunktion wenig hilfreich, etwa um spezifischen Fragen nachzugehen. Eine Unterseite zu Compliance gibt es nicht.

Fazit: Der Elektrokonzern steht vorbildlich zu seinen Risiken und benennt diese deutlich. Nicht nur deshalb schrumpfen sie aus Investorensicht. Bei Compliance Investmentgrade.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Pictet & Cie (Schweiz) | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Gut aufgestelltes Portfolio, aber keine Kostentransparenz

Für die Genfer Bankiers von Pictet reicht es in TOPS 2020 zu einem Befriedigend als Gesamtnote.
Pictet scheint sehr von der eigenen Leistung eingenommen – das zeigen selbstbewusste Aussagen des Hauses gleich zu Beginn. An einigen Stellen ist das berechtigt, denn die Bank legt ein Portfolio vor, dass unser ETF-Portfolio in der Diversifizierung noch übertrifft. Doch der Mangel an Individualität und die unklaren Kosten sorgen dafür, dass wir uns mit diesem Vorschlag trotz hoher Portfolioqualität schwertun.
  • Fuchs plus
  • Sigma Bank | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Gut gedacht, aber nicht immer gut gemacht

Für die Sigmabank reicht es zu einem Gut in der Gesamtwertung. © Grafik: Verlag FUCHSBRIEFE
Die Sigma-Bank, ehemals die Private Banking-Abteilung der Volksbank Liechtenstein, kann gut und verständlich argumentieren. Das ist für wenig erfahrene Anleger sehr angenehm. Auch formal leistet sie gute Arbeit, etwa, in dem sie konsequent detaillierte Protokolle anfertigt und die Kundenrückmeldung sucht. Leider verschenkt sie dann aber in der konkreten Portfoliozusammenstellung deutlich Punkte.
  • Fuchs plus
  • Capitell Vermögens-Management AG | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Wichtige Standards verfehlt

Die Vermögensmanager von Capitell sind der Gesamtsicht befriedigend. Vermögensstrategie und Portfolioqualität hängen zurück. © Grafik: Verlag FUCHSBRIEFE
Bei Capitell hat uns das Beratungsgespräch vom deutlichen Mehrwert gegenüber dem Robo Advisor überzeugt. Im Anlagevorschlag sehen wir ebenfalls manches, was das Haus definitiv besser macht als der Algorithmus, insbesondere das Thema Nachhaltigkeit. Dafür stolpern wir über manch anderen Punkt und sehen entscheidende Marktstandards nicht erfüllt, was auch dazu führt, dass wichtige Fragen bei uns offen bleiben.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Wechselkursausblick für die Woche vom 24.01.2020 bis 31.01.2020

Währungen in der Seitwärtsrange

Die Währungspaare verlaufen weiter in engen Seitwärtsbändern. Agile Trader müssen hier sehr genau Ein- und Ausstiegspunkte ausmachen. Langfristige Anleger beobachten und halten die Füße still.
  • Fuchs plus
  • Berichte der regionalen Notenbanken der USA

Dollar unbewegt im konjunkturellen Mittelmaß

Der US-Präsident verfährt stets nach dem Motto: Wenn mich sonst schon keiner lobt, dann tue wenigstens ich es. So hat er es auch in Davos gehalten und von der US-Wirtschaft geschwärmt. Da ist ein Blick auf Zahlen und Indizes zur Wahrheitsfindung nützlich.
Zum Seitenanfang