Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
455
Treuhandstiftungen

Beratung für die eigene Tasche

Treuhandstiftungen können für Erblasser ohne direkte Nachkommen ein passendes Instrument sein, mit dem Nachlass Gutes zu tun. Sie müssen aber aufpassen, dass ihr Vermögen nicht missbraucht wird.
Treuhandstiftungen werden immer häufiger zum Selbstbedienungsladen für Banken und Treuhänder. Es handelt sich dabei um gemeinnützige, aber nicht rechtsfähige Stiftungen. Sie werden daher auch – anders als „normale“ rechtsfähige Stiftungen – nicht vom Staat beaufsichtigt. Nach Auskunft des Bundesverbands Deutscher Stiftungen gibt es in Deutschland ca. 50.000 Treuhandstiftungen und 20.000 rechtsfähige Stiftungen. Die genaue Zahl ist unbekannt, eine förmliche Registrierung ist nicht erforderlich. Ihre Einrichtung wird immer dann empfohlen, wenn das Stiftungsvermögen unter 750.000 Euro liegt. Dann lohnt sich meist nicht die Einrichtung einer rechtsfähigen Stiftung, die der Stiftungsaufsicht wie dem Finanzamt Rechenschaft ablegen muss. Eine Treuhandstiftung kann schon mit 50.000 Euro gegründet werden. Ältere Menschen ohne Erben müssen sich vor eigennütziger Beratung ihrer Hausbank hüten. Ein Fall: Eine ältere Dame im Rheinland hinterlässt 2,5 Millionen Euro. Ihre Hausbank empfiehlt, eine nicht rechtsfähige Stiftung zu gründen und diese einem der Bank gut bekannten Treuhänder zu überantworten. Dieser kassiert pro Jahr 0,5% des Grundstockkapitals – und beauftragt die Bank mit der Vermögensverwaltung. Dafür verlangt diese zwischen 0,5 und 1%. Am Ende verbleiben in der jetzigen Kapitalmarktphase kaum noch genügend Erträge, um den satzungsgemäßen Stiftungszweck zu erfüllen. Bank und Treuhänder können im Grunde machen, was sie wollen. Im konkreten Fall kontrollieren zwei Mitarbeiter der Bank den Treuhänder. „Nach meiner Beobachtung ist dies leider kein Einzelfall“, sagt uns Rupert Graf Strachwitz. Er ist als Gründer und Direktor des Maecenata Instituts einer der besten Kenner der deutschen Stiftungsszene. Nach seiner Auffassung gibt es „viele gute Gründe, eine Treuhandstiftung zu gründen. Aber man sollte sich nicht ohne gesicherte Kündigungsmöglichkeiten in die Hände eines Treuhänders begeben“. Angesichts der wachsenden Zahl und Bedeutung der Treuhandstiftungen sieht er „politischen Handlungsbedarf.“ Andere Kenner der Stiftungsszene sehen „Missbrauchsfälle auch bei Anwaltskanzleien“ und nennen uns gegenüber die Treuhandstiftungsverwaltung durch Kommunen teilweise „problematisch“. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen zählt 800 Treuhänder in Deutschland. Darunter sind Vereine, rechtsfähige Stiftungen, Kirchengemeinden, Universitäten, Bürgerstiftungen, kommunale und kirchliche Stiftungsverwaltungen und kommerzielle Stiftungsverwaltungen einschließlich Banken und Sparkassen.

Fazit: Auch wenn Sie eine langjährige Bindung an ihre Hausbank haben – wenn Sie ihr Vermögen einer Stiftung vererben wollen, holen Sie sich eine Zweitmeinung ein: etwa bei Maecenata oder beim Bundesverband Deutscher Stiftungen. Fragen Sie dort auch nach Empfehlungen für Treuhänder.

Meist gelesene Artikel
  • Zum Zwecke der Wirtschaftsspionage

Britische Geheimdienste verkaufen sensible Daten

Britische Geheimdienste verkaufen gesammelte Daten an Dritte. Copyright: Picture Alliance
Die britischen Geheimdienste verkaufen in großem Umfang anlasslos gesammelte Daten. Darunter sind auch sehr sensible Informationen. Auch deutsche Unternehmen mit Bezug zu Großbritannien müssen sich sorgen.
  • Ausländische Finanzportale locken mit hohen Zinsen für Tagesgeld

Finanzportale bieten hohe Zinsen

Neuartige Finanzportale wie Weltsparen, Zinspilot und Savedo bieten hohe Zinsen auf Festgeld, indem sie deutsche Sparer an Banken im EU-Raum vermitteln. Anleger sollten darauf achten, ihre Risiken zu minimieren...
  • Produktcheck

Jyske Stable Strategy schafft, was der Name verspricht

Der Jyske Invest Stable Strategy ist ein klassischer Mischfonds. Er legt den Fokus auf besonders risikoarme, aber dennoch lukrative Anlagestrategien. Damit gelingt dem Fondsmanagement eine beachtliche Durchschnittsrendite.
Neueste Artikel
  • Keine Lösung für die britische Provinz in Sicht

London pokert um die Zukunft Nordirlands

Was passiert mit Nordirland beim Brexit?
Die Brexit-Verhandlungen sind auch Ausschlag gebend für das Schicksal Nordirlands. Wird die britische Provinz durch eine harte Grenze isoliert, droht wirtschaftlich der Absturz und innenpolitisch heiße Auseinandersetzungen und Gewalt. London pokert hoch.
  • US-Wirtschaft

Widersprüchliche Konjunktursignale aus den USA

Quelle: Phily-Fed, New York
Die Daten, die aus der US-Wirtschaft kommen, senden widersprüchliche Signale aus. Vor allem die Arbeitslosenzahlen setzen Fragezeichen. Das wird die Grundhaltung der neuen FED-Führung beeinflussen.
  • Venezuela bedient seine Schulden nicht mehr

Caracas muss auf den Ölpreis hoffen

Venezuela ist zahlungsunfähig. Das Land kann Anleihen nicht bedienen. Hohe Schulden hat die Regierung bei Russland und China. Im nächsten Jahr dürften weitere Anleihen nicht bedient werden. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer.
Zum Seitenanfang