Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
1902
Kompliziert: Wann Umsatzsteuer im Ausland?

B2C: Sehr niedriger Schwellenwert

B2C: Sehr niedriger Schwellenwert. Copyright: Pixabay
Die Komplexität der Umsatzsteuerabwicklung im Online-Handel ist nicht nur durch den neuen sehr niedrigen Lieferschwellenwert von 10.000 Euro gefährlich. Bei unabsichtlichen Fehlern, fehlendem Wissen oder Fahrlässigkeit drohen empfindliche Geldstrafen (Steuerhinterziehung) oder gar Haft.

10.000 Euro ist seit Juli die magische Grenze, und die ist schnell erreicht. Wer mehr Netto-Umsatz inklusive Versandkosten mit ausländischen Kunden über seinen B2C-Online-Shop macht, ist in (mehreren) Ländern umsatzsteuerpflichtig. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

Schwierig: Online-Händler müssen die einzelnen Steuersätze der EU-Staaten bestimmen können – und diese auch melden. Das ist manuell realistisch nicht mehr abbildbar, sagt auch der Händlerbund (Leipzig). Meldung und Bezahlung der Umsatzsteuern können zwar zentral über den sog. One-Stop-Shop (OSS) in dem EU-Land erfolgen, in dem der Online-Händler seinen Sitz hat (Deutschland: Bundeszentralamt für Steuern). Damit geht aber nur teilweise eine Vereinfachung einher. Die OSS-Teilnahme ist zudem freiwillig.

Erste Meldung

Die meisten B2C-Lieferungen sind im Bestimmungsland steuerpflichtig. Die erste Meldung, die das 3. Quartal 2021 (Juli, August, September) abdeckt, muss spätestens am 31. Oktober abgegeben werden. 30 Tage nach Ablauf des Meldezeitraums endet die Zahlungsfrist.

Beispiel 

Sie verkaufen innerhalb der EU Waren nach Österreich und Frankreich im Wert von unter 10.000 Euro. Dann gilt der deutsche Umsatzsteuersatz von 19% bzw. 7%. Berechnen Sie hingegen 6.000 Euro nach Frankreich und nach Österreich 4.001 Euro, dann ist die Grenze schon überschritten. Folge: Sie werden als Händler in beiden Ländern steuerpflichtig. Jeder weitere Euro in Frankreich muss mit dem dortigen Umsatzsteuersatz (normal 20%; ermäßigt 10%, 5,5% oder 2,1%) versteuert werden und jeder weitere in Österreich erwirtschaftete Euro mit 20% (ermäßigt 13%, 10% oder 5%).

Software nutzen 

Um das Meldeprozedere zu vereinfachen, stellt der Händlerbund via Dienstleister Taxdoo ein Online-Tool für E-Commerce-Händler bereit. Die Software sammelt die nötigen Daten über Schnittstellen, bereitet sie auf und gibt sie bei Bedarf über die Umsatzsteuermeldung ans Bundeszentralamt für Steuern weiter (das die Verteilung der Steuern an die jeweiligen EU-Staaten übernimmt). Funktionen u.a.: Schnittstellen zu Amazon, Ebay und ERP- Systemen, Registrierung in allen EU-Ländern, DATEV-Export für die effiziente Abwicklung der Finanzbuchhaltung, Pro-Forma-Rechnungen zur Dokumentation der Warenverbringungen. Gebühr: Basispaket bis 1.000 Artikel/Monat: rund 80 Euro, bis 5.000 Artikel: 107 Euro etc.

B2B und Lagernutzung 

Aber: Das One-Stop-Shop-Verfahren gilt nur für grenzüberschreitende B2C-Verkäufe. Alle weiteren Transaktionen (wie B2B-Verkäufe oder EU-Lagernutzung, z.B. im Rahmen von Amazon PAN-EU oder CEE) müssen weiterhin lokal gemeldet werden. Parallel zu den Registrierungen im jeweiligen Lagerland sind bei Lieferungen separate Meldungen an das zuständige Amt im Sitz-Mitgliedstaat fällig. Man muss also zwei verschiedene Verfahren nutzen. Risiko: Transaktionen werden gar nicht oder doppelt gemeldet, wenn die Verkäufe nicht eindeutig identifiziert und voneinander abgegrenzt werden können. 

Fazit: Die Komplexität der Umsatzsteuerabwicklung im Online-Handel ist hoch. Bei unabsichtlichen Fehlern, fehlendem Wissen oder Fahrlässigkeit drohen empfindliche Geldstrafen (Steuerhinterziehung!) oder Haft. Machen Sie sich u.a. beim Händlerbund schlau und nutzen Sie automatisierte Lösungen.

Weitere Infos:
Händlerbund
Händlerbund | Umsatzsteuerpflicht im EU-Ausland: Das müssen Sie beachten (haendlerbund.de)

Hier: FUCHSBRIEFE abonnieren

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs trifft Pferdchen, Der Geldtipp-Podcast, Teil 34

Unsere internationalen Aktien fürs Leben

Geldtipp-Podcast. ©SpringerNature
Nach den deutschen Dauerläufern stellen Pferdchen und Fuchs in der 34. Folge des Geldtipp-Podcasts die internationalen Aktien vor, die langfristig in ein ausgewogenes Depot gehören. Sie diskutieren, wie sich die Auswahlkriterien für ausländische und für heimische Titel unterscheiden.
  • Was sind die Fuchsbriefe? - In 2 Minuten erklärt

Fuchsbriefe Scribblevideo mehr als 213.000 Mal gesehen

© Verlag FUCHSBRIEFE
Hammer: Unser Scribble-Erklärvideo zum Fuchsbrief wurde inzwischen mehr als 200.000-mal angeschaut – genau waren es am 29. Februar 213.318 Abrufe. Hochgeladen hatten wir den gezeichneten Film vor 8 Monaten. Somit ergeben sich 26665 Abrufe pro Monat oder 889 pro Tag. Darauf sind wir stolz! Der Film wurde gezeichnet vom Team um Carsten Müller und dauert 02:21 Minuten. Worum geht es?
  • Trusted Wealth Manager 2024 – Vertrauenswürdige Vermögensverwalter

Die meisten Vermögensverwalter in Deutschland verdienen Vertrauen

Trusted Wealth Manager 2024. © Verlag FUCHSBRIEFE
Wer ist als Vermögensmanager vertrauenswürdig? Die FUCHS | RICHTER Prüfinstanz wertet wie im immer zum Jahresbeginn ihr laufendes Monitoring «Trusted Wealth Manager» aus. Und da gibt es 2024 viel Positives zu berichten!
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Climate Action 100+ hat große Investoren verloren

US-Investoren verabschieden sich von ESG-Anlagen

Drei große US-Investoren haben ESG-Investments den Rücken gekehrt. BlackRock, StateStreet und JP Morgen haben sich aus der Investment-Initiative Climat Action 100+ verabschiedet. Der Exodus der institutionellen Anleger hält damit an. FUCHSBRIEFE analysieren, was hinter der Abkehr steht.
  • Fuchs plus
  • Abwasser-Krimi in Teslas Gigafactory

Subventionen für E-Autos schaffen gigantische Überkapazitäten

Die hohen staatlichen Subventionen für E-Autos führen zu erheblichen Marktverzerrungen. So lässt BYD in China seine eigenen Autos zu, damit sie als verkauft gelten. Außerdem will das Unternehmen massiv auf dem europäischen Markt expandieren. Zugleich türmen sich die Probleme bei Tesla in Grünheide. Einerseits verschifft das Unternehmen seine Überproduktion an E-Autos nach Asien, andererseits entwickelt sich ein Abwasser-Krimi in der Gigafactory.
  • Fuchs plus
  • Unternehmensfinanzierung auf dem Hochplateau

Stabile Zinsen, hohe Kredithürden

Für Unternehmen wird es in den kommenden Monaten schwierig bleiben, Finanzierungen zu beschaffen. Zwar geht die Inflation weiter zurück, die Zinsen aber bleiben stabil. Auf der anderen Seite stellen die Banken weiter hohe Kredithürden auf.
Zum Seitenanfang