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Staats-Ratings werden zur Zitterpartie

Demographie wird Ratings drücken

© Zephyr18 / Getty Images / iStock
In den kommenden Jahren werden die Ratings vieler Industriestaaten unter Druck geraten. Die aktuellen Downgrades durch Ratingagenturen sind nur der Vorbote für weitere und deutlichere Abstufungen. Sogar Deutschland wurde jetzt von einer Ratingagentur abgewertet. FUCHSBRIEFE beleuchten die Hintergründe und prognostizieren Folgen für die Politik.

Die halbjährlichen Aktualisierungen der Rating-Agenturen werden zunehmend zu einer Zitterpartie. Im Dezember kommt für Frankreich die nächste Stunde der Wahrheit (FB vom 30.10). Italien erhielt zwar gerade Bestätigung für sein BBB (high), hat aber einen negativen Ausblick bei Moody’s. Auch hier ist bald wieder ein neues Rating fällig. Fitch hat den USA bereits im Sommer die Bestnote entzogen (jetzt AA+), S&P schon 2011. Nur Moody’s hält noch am AAA für die USA fest.

Auch Deutschland wurde vor wenigen Tagen herabgestuft. Das Downgrade wurde zwar nur von der kleinen schweizerische und eher unbedeutenden Rating-Agentur Independent Credit View vorgenommen. Die Abstufung ist aber ein Signal - das Wetterleuchten hat begonnen. Die Agentur erwartet eine anhaltende Schwächephase und einen zähen Reformverlauf. Das hätte eine graduelle Abschwächung der Kreditkennzahlen zur Folge. Diese Einschätzung teilen FUCHSBRIEFE. 

Schrittweise Herabstufungen

Absehbar ist zudem, dass der Prozess der Herabstufungen parallel zur Veränderung des Alterslastquotienten in den Staaten mitlaufen wird. 2029/30 – und das ist natürlich nur zufällig eine Reminiszenz an den Börsenkrach und begann der Weltwirtschaftskrise mit ihren verheerenden Nachwirkungen 1929 – ist ein besonders kritisches Datum. Dann werden die Baby-Boomer zu 95% im Ruhestand sein und von Steuerzahlern (bis auf Steuer-Reste auf Rente und Vermögen) zu Geldbeziehern. Diese Last muss aus dem dann laufenden Einkommen der Staaten und der arbeitenden Bevölkerungen getragen werden. Das gilt quer durch Europa und abgeschwächt auch für die USA.

Dabei sind die großen Ratingagenturen kein verlässliches Frühwarnsystem. Das hat auch die Finanzkrise gezeigt. Ihre Interessen sind zu sehr vom Goodwill ihrer Auftraggeber abhängig, als dass man ein wirklich unpolitisches Urteil erwarten dürfte. Insbesondere gilt das für die US-Agenturen gegenüber den USA. Sie wissen auch, welche Verheerungen ein unbedachtes (unpolitisches) Urteil auf den Märkten anrichten kann und werden ein solches von langer Hand vorbereiten – ähnlich wie eine Notenbank.

Die USA können noch Lasten abgeben

Interessant ist, was JP Morgan-Chef Jamie Dimon zur Einschätzung der Ratingagentur Fitch sagte. Er bezeichnete sie schlicht als "lächerlich". Begründung: Andere Länder, die auf die von den USA und ihrem Militär geschaffene Stabilität angewiesen seien, hätten eine höhere Kreditwürdigkeit. Hier sollte Berlin genau hinhören. Vielleicht lohnt es sich gerade deshalb auf die weniger im Rampenlicht und der öffentlichen Kritik und unter öffentlichem Druck stehenden Agenturen wie die schweizerische Independent Credit View zu hören.

Fazit: Die Finanzmärkte reagierten bereits im August sensibel auf die Herabstufung der USA. Es entsteht aber erst langsam wieder ein Bewusstsein für die Folgen hoher Zinsen für die Staatsfinanzen und Handlungsfreiheit der Regierungen. Die zunehmende Rating-Unsicherheit wird auch die Sensibilität und Nervosität der Anleger erhöhen. Politiker werden in Zukunft viel genauer auf die Staatsfinanzen achten müssen.
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