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Von der Automatisierung zur Autonomisierung

Digitalisierter Krieg 4.0

Der Krieg autonomisiert sich. Copyright: Pexels
Stell dir vor es ist Krieg, und niemand muss mehr hingehen. Schon heute sind Kampfpiloten im Einsatz, die vormittags aufklären, nachmittags einen Terroristen töten und abends mit Frau und Kindern zu Abend essen. Doch das ist nur ein Zwischenschritt. Künftig werden Kampfroboter autonome Entscheidungen treffen. Das kann dazu führen, dass Programmierer und Entwickler diese Entscheidungen nicht mehr verstehen.

Kurz vor Weihnachten gab es in der Bundesregierung noch einen Streit um die Bewaffnung von Drohnen der Bundeswehr. Die SPD hat sich – mit Rückendeckung der Grünen – gegen die Bewaffnung der neuen Bundeswehr-Drohne Heron TP ausgesprochen. Damit ist das Thema für diese Legislaturperiode vom Tisch. Deutschland sucht weiter eine Position in dieser komplexen Frage.

Das Thema Automatisierung des Krieges wird auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu Beginn des nächsten Jahres wieder eine Rolle spielen. Die Marschrichtung der Militärstrategen ist dabei ganz klar: Die Automatisierung des Krieges wird forciert. Das fernere Ziel ist eine Autonomisierung des "Geschäfts". Die Planungen und Visionen der US-Militär- und Technikstrategen gehen dazu offiziell bis ins Jahr 2045.

Automatisierung ist nur ein Zwischenschritt zur Autonomisierung

Der Einsatz von bewaffneten Aufklärungsrobotern, die Bodentruppen unterstützen, ist schon Alltag. Grenz- und Gebietsüberwachung, Aufklärung und Einsatzunterstützung per Drohnen ist auch für Bundeswehrsoldaten kein Fremdwort mehr. Nur geschossen wird von den BW-Drohnen noch nicht. Streitkräfte anderer Länder schrecken davor nicht zurück. Das Töten aus über 20 Kilometern Höhe, nach 25.000 Kilometern Flugstrecke aus einem tausende Kilometer entfernten Container auf einer Militärbasis wie Rammstein (Deutschland) ist Alltag.

Luftstreitkräfte treiben Diskussion voran

Treiber der Kriegsautomatisierung sind die Luftstreitkräfte. Die US-Einheiten haben heute schon über 7.000 Drohnen im Einsatz, aber nur noch 3.400 Kampfflugzeuge. Inzwischen werden für das US-Militär mehr Drohnenpiloten ausgebildet als echte "Top-Guns" – so heißt die US-Kampfpilotenschule. Das spart enorme Kosten: Statt der üblichen 2,6 Mio. Dollar für einen Piloten (plus Maschine) fallen für einen Drohnenpiloten nur 135.000 Dollar Ausbildungskosten an.

Auch auf See wird an automatisierten Schiffen gearbeitet. Dann wird aus dem Kapitän zur See schnell ein Kapitän am PC; der dann aber statt nur eines Schiffes ein ganzes Dutzend steuern kann. 

Roboter mit Künstlicher Intelligenz im Krieg

Der nächste und entscheidende Schritt zur Autonomisierung des Krieges ist der Einsatz von Robotik und Künstlicher Intelligenz (KI). Tech- und Rüstungsunternehmen, voran in Israel, Südkorea, den USA und China, forschen daran, dass Roboter menschliche Verhaltensmuster erkennen und entsprechend handeln. Das soll den Kriegsmaschinen in letzter Konsequenz ermöglichen, eigene Einsatzentscheidungen zu treffen – ohne moralische Bedenken oder Stressfehler.

Die technischen Möglichkeiten von Bild- und Gesichtserkennung, Bewegungsverfolgung und KI eröffnen auch den Militärs ganz neue Horizonte. So ist es kein Science Fiction mehr, das Bild eines "gesuchten Terroristen" aus einer Datenbank in ein militärisches System zu laden und "die Zielperson" zur internationalen Drohnenverfolgung freizugeben. Wird die Person entdeckt, alarmiert das System die Soldaten. Denkbar wäre aber auch, dass die Drohne selbst entscheidet, die Zielperson per Bombenangriff "auszuschalten". Dafür ist lediglich nötig, dass dem System eine Hemmschwelle von z. B. 95% Trefferquote bei der Bilderkennung einprogrammiert wird. Da macht es schon nachdenklich, dass in China ein Computerprogramm entwickelt worden sein soll, das Uiguren automatisch erkennt. 

Ethische Fragen

Die moralisch-ethischen Fragen, die sich hier aufdrängen, sind nur schwer zu beantworten – und das sicher nicht von Militärs oder Rüstungsfirmen. Position der Bundesregierung ist es bisher (noch), dass ein Mensch immer zwingend in die Entscheidung über Leben und Tod einbezogen wird.

In UK heißt es in der Autonomie-Frage – man beachte die Reihenfolge: "Wir müssen erst technische, legale und ethische Fragen klären, bevor autonome System eingesetzt werden können." Die Gefahr, "ohne viel Zutun in eine Welt zu stolpern, in der Computer über das Leben und Sterben von Menschen entscheiden, ist größer, als oft angenommen wird", so Ulrike Esther Franke schon 2016, damals Doktorandin im Fach Internationale Beziehungen an der Universität Oxford und wissenschaftliche Mitarbeiterin am European Council on Foreign Relations in London.

USA mit geringster Hemmschwelle

Unterdessen forscht der US-Militär-Think-Thank DARPA weiter an einer Computerschnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Die soll Daten aus dem Gehirn des Soldaten aufnehmen, selber entscheiden und über ihre Verknüpfung zu den Waffensystemen die Entscheidung auch selber ausführen - und damit den Kopf und das Herz des Soldaten ausschalten.

Fazit: Die Automatisierung des Krieges wird fortgesetzt, die Autonomisierung ist nicht aufzuhalten – zumal es sich bei den genutzten Techniken um Dual-Use-Güter handelt. Die Diskussion der Länder über moralische Grundregeln für den Krieg 4.0 wird weiter gehen. Von ihr hängt wesentlich ab, ob es künftig zum Einsatz von programmierten Killerdrohnen (Slaughterbots) kommen wird. Zu befürchten ist es.

Hinweis: Eine Vision, was auf Basis heutiger App-Technik schon möglich ist, sehen Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=vR91F3tp6eQ

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