Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-0
0,00 €
281
Rohstoffe

Der Fluch des Reichtums

Rohstoffexporteure: Kleine Flamme totz Reichtum | © Getty
Viele rohstoffreiche Länder haben derzeit Wachstumsprobleme. Zu Gründen und Konsequenzen hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich neue Erkenntnisse.
Das Ende des Rohstoffbooms und die Probleme vieler Rohstoffexporteure haben das Interesse an der „dutch desease“ erneuert. Diese Diagnose knüpft an die niederländische Erfahrung aus den 60er Jahren im Gefolge des Erdgas-Booms an. Der sprunghaft steigende Rohstoffexport liefert anfänglich einen positiven Schock durch verbesserte Terms-of-Trade und entsprechend höhere Einkommen. Doch paradoxerweise führt dies zu geringerem Wachstum und verbreiteter Arbeitslosigkeit. Dahinter steckt ein Verdrängungseffekt: Kapital und Arbeit konzentrieren sich auf die boomende Rohstoffproduktion zulasten der handelbaren (Industrie-)-Güter. Folge ist eine reale Aufwertung der Währung (Verlust an Wettbewerbsfähigkeit). Dies wiederum beeinträchtigt die industrielle Produktion und den Export. Gleichzeitig zieht der Import aufgrund gestiegener Einkommen an. Unterm Strich ergibt das eine deutliche Verschlechterung der Handels- und Leistungsbilanz. Ein aktuelles Papier aus dem Research der BIZ liefert dazu neue Erkenntnisse. Es ist unter www.bis.org als work609.pdf zu finden. Die Analyse deutet darauf hin, dass die Produktivitätsentwicklung im Zusammenspiel mit den internationalen Kapitalflüssen eine wichtige Rolle spielt. Die in der Industrie schnellere Entwicklung der Produktivität kommt in der oben geschilderten Konstellation nicht zum Tragen. Denn die Investitionen in Anlagen und damit verbundene Technologie werden durch den Rohstoffsektor verdrängt. Dieser Effekt wird durch den Rückgriff auf Mittel des Auslands eher noch verstärkt. Damit verschlechtern sich auch die mittel- und langfristigen Wachstumschancen.

Fazit: Die von den Finanzinvestoren geschätzte einfache Liberalisierungspolitik samt Öffnung der lokalen Finanzmärkte – siehe aktuell Brasilien – will gut überlegt sein. Sie führt nicht unbedingt zum Erfolg.

Meist gelesene Artikel
  • Venezuela bedient seine Schulden nicht mehr

Caracas muss auf den Ölpreis hoffen

Venezuela ist zahlungsunfähig. Das Land kann Anleihen nicht bedienen. Hohe Schulden hat die Regierung bei Russland und China. Im nächsten Jahr dürften weitere Anleihen nicht bedient werden. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer.
  • Peking verlagert den Schwerpunkt

Chinas Wirtschaftsdynamik lässt weiter nach

Die Dynamik der chinesischen Wirtschaft lässt in allen Sektoren sichtbar nach. Hintergrund sind aus unserer Sicht nachlassende fiskalische Impulse. Die Pekinger Führung nimmt andere Ziele in den Fokus.
  • US-Wirtschaft

Widersprüchliche Konjunktursignale aus den USA

Quelle: Phily-Fed, New York
Die Daten, die aus der US-Wirtschaft kommen, senden widersprüchliche Signale aus. Vor allem die Arbeitslosenzahlen setzen Fragezeichen. Das wird die Grundhaltung der neuen FED-Führung beeinflussen.
Neueste Artikel
  • Im Arbeitsvertrag besser keine Fehler machen

Boni für Betriebstreue richtig gestalten

Bonuszahlungen für Betriebstreue sind eine gute Sache. Aber bei der Gestaltung im Arbeitsvertrag gibt es Regeln, die Unternehmer unbedingt beachten sollten.
  • Die große Chance der SPD

Martin Schulz kann zeigen, ob er den Willen zur Macht hat

Gehen Martin Schulz und Andrea Nahles mit der SPD erneut in eine GroKo? Copyright: Picture Alliance
Das Schicksal der Republik liegt nun in den Händen des zweitgrößten Wahlverlierers: der SPD. Schnelle Pöstchen oder etwas später die ganze Macht – das ist jetzt die Option des Martin Schulz.
  • Anspruch auf Ruhetag pro Siebentageszeitraum

Frei nach zwölf Tagen

Laut Urteil des Europäischen Gerichtshof sind bis zu 12 Tage Arbeit am Stück rechtens.
Zum Seitenanfang