Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1360
Währungen aus Nahost und Afrika

Zwischen Wachstum und Zerfall

In unserem Devisen-Wochenschwerpunkt blicken wir auf die Entwicklungen in der Türkei, Israel, Ägypten, Nigeria und Südafrika.

Trotz Problemen auf Wachstumskurs

Das Wachstum der türkischen Wirtschaft erweist sich als robust. Das 3. Quartal brachte 5,4% (annualisiert) Zuwachs (3,8% im 2. Quartal). Für die Beschleunigung war in erster Linie der Staat verantwortlich. Ausgaben im Wahlkampf und der gestiegene militärische Aufwand schufen Nachfrage. Hinzu kommt eine Importsubstitution vor dem Hintergrund der schwächeren Lira.

Schwach waren der Konsum und die Investitionen der Privaten. Das ist offenbar auf die politischen Unsicherheiten vor der letzten Wahl zurückzuführen. Diese Unsicherheit löst sich auf – ablesbar am Einkaufsmanager-Index für die verarbeitende Industrie. Per September legte er von 50,9 auf 52,3 Punkte zu und steht damit jetzt wieder klar oberhalb der Expansionsschwelle von 50 Punkten.

Es bleiben zwei Risikofaktoren. Die Türkei ist durch die hohe Auslandsverschuldung und Leistungsbilanzdefizit durch den Zinstrend des Auslands verwundbar. Zudem hatte sie bisher von den Sanktionen des Westens durch verstärkte russische Nachfrage profitiert. Doch hat Russland mit Sanktionen auf den Abschuss seines Kampfflugzeugs reagiert. Zudem bleibt die Inflation mit 8,8% (Dezember) über der Zielmarke von 5%. Das wird weiteren Druck auf die Lira bringen. Zumal der politische Druck der Regierung auf die Währungshüter stark genug ist, die fällige Stabilisierung zu verhindern. Im ersten Halbjahr wird sich daher kaum etwas an den Zinsen ändern.

Fazit: Die Belastungsfaktoren werden für eine schwächere Lira sorgen.

Kleine Zinserhöhung in Sicht

Die israelischen Währungshüter haben ihren Ausblick auf 2016/17 veröffentlicht. Dieser deutet einen kleinen Schritt beim Leitzins bis zum Ende des Jahres von 0,1% auf 0,25% an. Handlungsdruck aufgrund von Inflation ist nicht erkennbar. Die noch im negativen Bereich liegende Inflationsrate – zuletzt -0,9% – wird langsam anziehen und im Verlauf 2017 in den Zielbereich von 1%-3% gelangen, erwartet die Notenbank. Vor allem der Export von Technologiegütern liefert Impulse. Der aufgrund der schlechten Sicherheitslage schwache Tourismus bremst zwar noch; die Stimmung hat sich aber aufgehellt und der Grundtrend gemessen am Einkaufsmanager-Index von zuletzt 52,5 Punkten zieht an.

Fazit: Der Schekel dürfte durch die günstige Konstellation gestützt werden und sollte einen stabilen Außenwert halten, sofern nicht die Konflikte der Region zu einer Neubewertung zwingen.

Zinserhöhung

Ägyptens Währungshüter haben in den Weihnachtstagen die Leitzinsen um 50 Basispunkte heraufgesetzt. Der Repo-Satz beträgt jetzt 9,75%. Die Inflation war im Vorfeld mit zuletzt 11,1% weiter gestiegen. Das Wachstum hat sich im Fiskaljahr 2014/15 auf 4,2% beschleunigt (zuvor 2,2%). Das war allerdings auf die staatlichen Investitionen zurückzuführen. Entsprechend ist das Staatsdefizit gestiegen und hat über die monetäre Seite (Geldschöpfung) maßgeblich zur Beschleunigung der Inflation beigetragen. Hier sehen die Währungshüter Handlungsbedarf. Trotz Straffung wollen sie die privaten Investitionen anregen, die offenbar durch die Unsicherheit gebremst werden. Als Belastung bleiben hohe Defizite in der Handels- und der Leistungsbilanz.

Fazit: Die Stabilisierung des Pfunds um 8,50 zum Euro dürfte vorerst Bestand haben.

Robuster Trend

Die Hoffnungen auf den seit gut einem Jahr amtierenden Präsidenten Buhari bestätigen sich. Nigeria kommt trotz der schwachen Ölpreise voran. Die Sicherheitslage im Norden hat sich gebessert. Die Korruption wird schrittweise eingedämmt. Der positive Effekt ist, dass die private Wirtschaft, vor allem der nicht-Öl-Sektor, auf einem klaren Wachstumskurs bleibt. Das ist auch am Einkaufsmanager-Index ablesbar. Der stieg per Dezember von 53,9 auf 54,5 Punkte und liegt im Expansionsbereich. Die Währungshüter unterstützen diesen Trend durch eine Lockerung mit niedrigeren Zinsen und zusätzlicher Liquidität durch eine Senkung der Mindestreserve. Die Inflation liegt mittlerweile im einstelligen Bereich und scheint weiter abwärts zu tendieren.

Fazit: Der Naira wird von den wirtschaftlichen und politischen Trends gestützt. Er bleibt weiter stabil.

Der Zerfall geht weiter

Die Rezession in Südafrika wurde gerade noch vermieden. Das 3. Quartal brachte mit 0,7% annualisiert wieder Wachstum nach -1,3% im 2. Quartal. Die Inflation liegt mit 4,8% zwar im Toleranzbereich von 3%-6%, tendiert aber nach oben. Im aktuellen Ausblick der Notenbank SARB erreicht sie 2016 die Obergrenze. Das dürfte den Rand schwächen. Zugleich ist der schwache Wachstumstrend bedroht. Der Einkaufsmanager-Index von Dezember lag mit 49,1 Punkten im Kontraktionsbereich. Vor allem der Investitionsstau bei der Stromversorgung durch die staatliche ESKOM macht sich bemerkbar. Es gibt landesweit immer wieder Stromsperren. ESKOM konnte nur durch das Veto der Regierung davon abgehalten werden, vier Kommunen der Provinz Eastern Cape wegen offener Rechnungen ganz vom Netz zu nehmen.

Fazit: Der Rand wird weiter nachgeben, der Abwärtstrend Südafrikas ist ungebrochen.

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
TürkeiTRL3,263,323,36neutral
3m-Zins11,2811,5011,60
IsraelILS4,264,254,25neutral
3m-Zins0,010,010,01
ÄgyptenEGP8,518,358,4unsicher
3m-Zins9,39,39,7
NigeriaNGN216,17217218unsicher
3m-Zinsn.v.n.v.n.v.
Südafrika
ZAR17,4517,5517,65neutral
3m-Zins6,636,656,65
TRL: Die Lira wird sowohl von Außen her als auch durch Erdogans Politik unter Druck kommen. ILS: Der Schekel dürfte trotz der Belastungen durch die gestiegenen Spannungen stabil bleiben. EGP: Das ägyptische Pfund wird zunächst stabil bleiben. NGN: Inflation und schwache Ölpreise erzeugen Druck auf den Naira, die besseren Perspektiven der non-Öl-Wirtschaft wirken als Gegengewicht  . ZAR: Der Rand wird angesichts der wirtschaftlichen und politischen Schwächen nachgeben.
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Bodenbildung abgeschlossen

Sojabohnen gefragt

Soybean in hands with soy field in background. © sima / stock.adobe.com
Ein Wetterphänomen, das früher als erwartet auftritt, katapultiert die Soja-Preise nach oben. Die Anbauprognosen sind eindeutig - und wer sie lesen kann, hat eine Handelsidee.
  • Fuchs plus
  • Wochentendenzen vom 7.1.22

Fed bewegt die Märkte

Dollar-Scheine. © 3alexd / Getty Images / iStock
Die US-Notenbank hat die Devisenmärkte mit ihrem Sitzungsprotokoll aufgeschreckt. Nun sind einige Währungen in Bewegung geraten.
  • Fuchs plus
  • Günstige Selfmade-Möbel in Studierenden-WGs

Paletten bei eBay Kleinanzeigen einsammeln

Übereinandergestapelte Europaletten. © PhotoSG / stock.adobe.com
Wegen der Lieferengpässe und der gestiegenen Holzpreise haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, an Holzpaletten zu gelangen. Eine Möglichkeit für Kleinunternehmen, um immerhin die größten Engpässe abzufedern, kann eBay-Kleinanzeigen sein.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Änderungen bei der Betriebsratswahl

Neuerungen im Wahlverfahren im Überblick

Ab dem 1. März und bis zum 31. Mai wählen die Arbeitnehmer in den Betrieben ihre Interessenvertretung. Diese Betriebsratswahlen sind alle vier Jahre fällig - und diesmal gibt es einige Neuerungen. Die machen auch den Arbeitgebern das Leben leichter.
  • Fuchs plus
  • Produktcheck: Vietnam Equity (UCITS) Fund

Ein erfolgreicher Fonds, der die Tür zur Börse in Vietnam öffnet

Vietnams Aktienmarkt ist mit einem Plus von knapp 36% auf Jahressicht einer der Top-Märkte 2021. Auch für 2022 erwarten Analysten ein robustes Wirtschaftswachstum des Landes. In den kommenden fünf Jahren (seit 2021) wird die Wirtschaft des südostasiatischen Landes insbesondere von neuen staatlichen Infrastrukturprojekten im Volumen von mehr als 60 Milliarden Pfund profitieren.
  • Fuchs plus
  • Kräftig zur Kasse gebeten

DSGVO-Bußgelder knacken Rekordmarke

Jedes Unternehmen kennt das lästige Thema DSGVO. Die EU-Datenschutzverordnung ist für viele eine unangenehme bürokratische Pflicht. Doch wer ihr nicht nachkommt, kann schnell zur Kasse gebeten werden. Vor allem für zwei Unternehmen war 2021 ein rabenschwarzes DSGVO-Jahr.
Zum Seitenanfang