Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2425
SVB-Pleite wird Debatte um Risiko von Staatsanleihen auslösen

Staatsanleihen bleiben auch künftig ohne Eigenkapitalunterlegung

© CHROMORANGE / Ernst Weingar… / picture alliance
Die Pleite der SVB in den USA hat neue Bank-Turbulenzen ausgelöst. Parallel dazu wird jetzt wieder eine Debatte über die Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen hochkochen. Das wird jedoch nur eine "akademische" Diskussion bleiben. Eine System-Veränderungen ist trotz der erneuten Banken-Krise höchst unwahrscheinlich.

Die Pleite der SVB in den USA zeigt, dass eine wichtige Lehre der jüngsten Finanzkrise (Lehmann) nicht gezogen und in die Praxis umgesetzt wurde. Nach wie vor müssen Staatsanleihen von Banken nicht mit Eigenkapital unterlegt werden. Das führt dazu, dass die Geldhäuser übermäßige Risiken eingehen.

Die SVB hatte einen großen Teil der Kundengelder in Staatsanleihen angelegt. Aufgrund der Leitzinsanhebungen und Marktzinssteigerungen gerieten die Kurse der Anleihen unter Druck. Infolgedessen wurde des Eigenkapital der Bank verbraucht – bis es zum Crash kam. Die Unterlegung der Anleihen mit Eigenkapital hätte zumindest dafür gesorgt, dass die SVB ihre Anleiheinvestments nicht als risikolos betrachtet hätte.

Staatsanleihen sind nicht ohne Risiko

Die Politik und Banken-Regulierung haben eine günstige Phase verpasst, diese wichtige Strukturreform im Bankensektor umzusetzen. Die historische Phase von Null-Zinsen und überbordender Liquidität wäre gut dafür geeignet gewesen, die Geldhäuser stärker in die Eigenkapital-Pflicht zu nehmen. In der akuten Banken-Krise ist diese Reform natürlich nicht umsetzbar.

Folgerichtig fordern Ökonomen nun erneut, schärfere Eigenkapitalanforderungen für die Banken zu erlassen. Ifo-Chef Clemens Fuest: „Die Eigenkaptalfreiheit für Staatsanleihen ist ein Problem. Denn in Europa wirken bei den Zinssteigerungen die gleichen Mechanismen wie in den USA.“

Eigenkapitalunterlegung wird nicht kommen

Eine realistische Chance darauf sehen wir allerdings nicht. Würden Banken die gekauften Staatsanleihen mit Eigenkapital unterlegen müssen, wären die Investments deutlich weniger lukrativ.  Das hätte voraussichtlich zur Folge, dass die Geldhäuser deutlich weniger dieser Schuldtitel kaufen würden. Oder Investoren würden für das hinterlegte Eigenkapital und die Übernahme des Risikos höhere Renditen fordern. Die Zinsen würden für die Schuldner steigen und sich zwischen Schuldnern deutlicher spreizen. Genau das können sich die Staaten aber nicht leisten. Sie sind angesichts ausufernder Verschuldungsquoten darauf angewiesen, dass Staatsanleihen für Investoren möglichst attraktiv sind.

Fazit: Die Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen wäre systematisch korrekt. Diese Maßnahme würde die Stabilitätsrisiken im Finanzmarkt verringern, allerdings auch die Kosten für Staatsanleihen in die Höhe treiben. Das ist in einem Umfeld steigender Zinsen noch weniger umsetzbar als bei Null-Zins. Es wird daher erneut nur bei einer Stabilitäts-Debatte bleiben.
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Bank im Bistum Essen eG in der Ausschreibung

Die BiB ist kein Zug, auf den die Stiftung aufspringen will

Thumb Stiftungvermögen 2024. © Collage: Verlag FUCHSBRIEFE, Bild: envato elements
Die Bank im Bistum Essen (BiB) begrüßt die Stiftung Fliege, die ihre drei Millionen Euro Kapital neu anlegen will, mit einem überaus empathischen Schreiben. Sie bittet ausführlich um Entschuldigung, weil sie durch Krankheit bedingt nicht in der Lage gewesen sei, den erbetenen Anlagevorschlag fristgerecht einzureichen. Man fühlt sich ein wenig wie unter Freunden und möchte gern einen Sympathiebonus vergeben. Ob das nach Studium des Anlagevorschlags auch noch so ist, wird sich zeigen.
  • Fuchs plus
  • Doppelter Urlaubsanspruch bei unrechtmäßiger Kündigung?

Bundesarbeitsgericht löst auf

Bei einer zeitlichen Überschneidung einer rechtswidrigen Kündigung mit einer neuen Beschäftigung könnte theoretisch ein doppelter Urlaubsanspruch entstehen. Das Bundesarbeitsgericht musste jetzt entscheiden, wie damit umzugehen ist.
  • Fuchs plus
  • Dekarbonisierung: Andere Standorte attraktiver als Deutschland

Skandinavien bei Dekarbonisierung weit vorn

Obwohl die deutsche Regierung die ganze Wirtschaft auf Klimaneutralität trimmen will - wie die EU - bietet Deutschland keine guten Rahmenbedingungen für eine Dekarbonisierungsstrategie. Das zeigt eine Umfrage von EY unter Unternehmen. Andere Standorte sind attraktiver.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Geldpolitik bringt Euro-Kurs weiter unter Druck

Zinsschritt der Fed wird immer unwahrscheinlicher

Der Markt spiegelt derzeit nur eine Wahrscheinlichkeit von 20% für eine Zinssenkung im Juni wider. Die Frage in den kommenden Wochen wird sein, ob die Fed überhaupt zwei Zinssenkungen durchführen kann.
  • Fuchs plus
  • Trendwende in China wird greifbar

CNY macht Druck auf EUR

Die Wirtschaftsdaten in China sind durchwachsen. Aber die Währung hat eine klare Richtung eingeschlagen. Der Yuan macht zunehmend Druck auf den Euro. Aktuelle Daten aus dem Reich der Mitte machen eine größere Bewegung des CNY wahrscheinlich.
  • Fuchs plus
  • Taiwans Wirtschaft läuft rund

Wachstum und Inflation ziehen an

Der weltweite Technologiewettlauf ist voll entbrannt. Vor allem mit ihrer Halbleiterkompetenz haben sich Unternehmen wie TSMC ihren Ruf aufgebaut und hohe Wettbewerbshürden etabliert. Das Exportpowerhouse Taiwan bietet für Investoren im Tech-Sektor spannende Möglichkeiten an deren Erfolg und der starken Devise zu partizipieren.
Zum Seitenanfang