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Devisen

Währungen aus Nahost & Afrika

Die wichtigen Währungen aus Nahost und Afrika spiegeln eine insgesamt wenig rosige Wirtschaftslage gepaart mit politischen Fährnissen. Nur ein Land fällt aus dem Bild.

Erholung

Der Konjunktureinbruch nach dem Putsch-Versuch der Militärs und der nachfolgenden Wirren ist offenbar überwunden. Die Türkei hat im 1. Quartal mit 5% Wachstum den offiziellen Daten zufolge ihr früheres Wachstumsniveau wieder erreicht. Schub lieferten vor allem der Staat mit einem Ausgaben-Zuwachs um 9,4% und der um 10,6% gestiegene Export. Dagegen blieben die Anlageinvestitionen der Unternehmen auffallend schwach. Auch die lahmende Industrieproduktion (per Mai -1,5% zum Vormonat) zeigt, dass noch nicht alles wieder rund läuft.

Die Schwäche konzentriert sich auf dauerhafte Konsumgüter sowie Maschinen und Anlagen (Kapitalgüter). Das kann als Ausdruck mangelnden Vertrauens in die Politik verstanden werden. Dagegen wirkt der weitere Rückgang der Inflation per Juni auf 10,9% (Mai 11,7%, April 11,9%) positiv. Kehrseite ist allerdings die zunehmende Spekulation verschiedener Marktteilnehmer auf weitere Zinssenkungen durch die Notenbank. Das wird die Lira weiter unter Druck setzen. Zudem bleiben die Politik und das Misstrauen der internationalen Investoren gegenüber Präsident Erdogan und seiner Regierung eine Belastung.

Fazit: Die Lira wird weiter nachgeben. 

Robuster Aufschwung

Der Aufschwung in der Eurozone läuft bislang ungebrochen weiter. Das zeigen die hier abgebildeten monatlichen Zuwächse der Industrieproduktion. Angesichts ordentlicher Zuwächse steht der Aufschwung auch in Frankreich, Spanien und Italien auf einer etwas breiteren Grundlage.

Zudem bleiben die Aussichten positiv. Die Einkaufsmanager-Indizes der Eurozone deuten wie der Gesamtindex mit zuletzt 56,3 Punkten auf weitere Expansion.

Die für Deutschland bereits vorliegende Handelsbilanz weist per Mai einen Zuwachs der Exporte von rund 14% zum Vorjahr aus. Das lässt ähnlich gute Zahlen für die Eurozone insgesamt erwarten. Neben der Nachfrage des Auslands legt auch die Nachfrage im Inland weiter zu. Das zeigen die zuletzt um 2,6% und damit etwas stärker als erwartet (Konsens +2,3% jeweils zum Vorjahr) gestiegenen Umsätze der Einzelhändler an. Von daher erwarten wir auch für die nächsten Monate gute Nachrichten.

Fazit: Die EZB wird trotz des robusten Aufschwungs die fällige Straffung verzögern, solange die Inflation nicht deutlicher anzieht.

Inflation bleibt vorerst schwach

Die Währungshüter Israels bleiben bei ihrem Niedrigzins von 0,1%. Dies, obwohl sich die Inflation aus dem negativen Bereich gelöst hat. Die laufende Aufwertung des Schekel gemessen am Außenwert, vor allem zum Dollar, sorgt bereits für eine gewisse Straffung. Demgegenüber bleibt die Finanzpolitik expansiv. Sie treibt die Konjunktur an. Und das könnte langsam auch Auftrieb für die Preise durch steigende Löhne bringen. Trotz der Aufwertung bleibt auch der Export beachtlich. Er sorgt für Beschäftigung. Dabei konzentrieren sich die Zuwächse allerdings auf die Dienstleistungen. Insgesamt ist das Bild aber positiv. Es spiegelt sich auch in den Stimmungsindikatoren wie Einkaufsmanager-Index, Konsumentenvertrauen oder Geschäftsklima.

Fazit: Der Schekel wird zum Euro seitwärts tendieren, sofern nicht die in der Region immer fragile Sicherheitslage die Stimmung an den Märkten kurzfristig auf den Kopf stellt.

Der Absturz droht

Der Druck der Defizite in Ägyptens Staatshaushalt wird langsam zu groß. Die seit Anfang des Jahres um über 30% gestiegene Inflation zwang einmal mehr zu Zinserhöhungen um 200 Basispunkte auf – immer noch niedrige – 19,25% (Diskontsatz). Mit monetären Mitteln allein ist die Inflation nicht zu stoppen. Sie ist auf das Doppeldefizit von Staat und Leistungsbilanz zurückzuführen. Schlicht gesagt: Das Land erzielt nicht die Wertschöpfung, die nötig wäre, um das Einkommensniveau zu gewährleisten. Da die Finanziers vom Golf nicht mehr zahlen, droht der freie Fall.

Fazit: Das Pfund steht vor dem nächsten Einbruch, sofern nicht neue Finanzierungsquellen erschlossen werden oder Export und Tourismus wieder besser ins Laufen kommen.

Langsam aus dem Sumpf

Die Zeichen stehen in Nigeria auf Erholung. Das erste Quartal brachte zwar noch einmal ein rückläufiges BIP. Aber der der Notenbank aus der Taufe gehobenen Einkaufsmanager-Index zeigt eine zunehmend positive Stimmung an. Per Juni weist er über 50 Punkte aus: sowohl für die Industrie, als auch für die Dienstleister. Das deutet auf eine Rückkehr des Wachstums nach dem Einbruch im Gefolge der niedrigen Ölpreise hin. Offenbar erholt sich Nigerias Wirtschaft langsam. Allerdings ist die Inflation mit zuletzt fast 18% immer noch sehr hoch. Sie wird weiter Druck auf den Naira ausüben.

Fazit: Der Naira findet nur langsam einen Boden. Noch geht es eher abwärts.

Schlechte Stimmung, schlechte Zahlen

Die Stimmung bei Unternehmen wie Konsumenten sinkt weiter. Zumal die harten Daten auf eine Fortsetzung der Rezession hindeuten. Die, offenbar unfreiwillige, Aufstockung der Läger hatte im 1. Quartal den rechnerisch wichtigsten Wachstumsbeitrag geliefert. Das schlägt nun negativ zurück. Die Industrieproduktion war per Mai erneut rückläufig (-0,8% zum Vorjahr, -0,3% zum Vormonat). Somit weisen vier der fünf vorliegenden Monate des Jahres bereits rote Zahlen aus. Hinzu kommen die negativen Einflüsse der Politik. Die Unabhängigkeit der Notenbank droht zu einem Zankapfel im ANC-internen Gerangel um die Zuma-Nachfolge an der Spitze von Staat und Partei zu werden. Gleichzeitig wird die dreiste Plünderung des Staates und der staatlichen Unternehmen durch eine korrupte Schicht von ANC-Funktionären und mit ihnen verbandelten Unternehmen immer deutlicher (siehe auch Seite 4). Positiv ist lediglich der Rückgang der Inflation mit 5,4% in den Zielbereich von 3%-6% zu werten.

Fazit: Weitere Straffungen unwahrscheinlich.

6-Monats-Übersicht zu ausgewählten Währungen aus Nahost und Afrika

LandWährung/ZinsAktueller KursAusblick 3 MonateAusblick 6 MonatePrognose-sicherheit
Türkei TRY 4,01 4,09 4,2 neutral
3m-Zins n.v. - -
Israel ILS 4,03 3,99 3,97 neutral
3m-Zins 0,1 0,1 0,1
Ägypten EGP 20,41 20,5 22 unsicher
overnight 17,7 n.v. n.v.
Nigeria
NGN 398 401 405 unsicher
3m-Zins 30 n.v. n.v.
Südafrika
ZAR 15,06 15,35 15,75 neutral
3m-Zins 7,34 7,35 7,35
  • TRY: Die Lira wird durch die schwache Zinsperspektive und die Politik belastet.

  • ILS: Beim Schekel ist zunächst wenig Bewegung zu erwarten.

  • EGP:  Dem ägyptischen Pfund droht der Absturz.

  • NGN: Der NGN ist durch die hohe Inflation unter Druck.

  • ZAR: Der Rand wird wieder unter Druck kommen. 

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