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Berliner Sparkasse, Stiftungsmanagement 2021, Qualifikation

Solide Arbeit

Wie schlägt sich die Berliner Sparkasse im Markttest Stiftung? Copyright: Verlag Fuchsbriefe
Die Berliner Sparkasse legt einen Anlagevorschlag vor, der im Wesentlichen auf der Komeptenz des Investmentspezialisten der Sparkassen-Gruppe, der Deka-Bank, beruht. Das ist absolut legitim und sollte sich im Ergebnis postiv widerspiegeln.
Der Vorschlag der Berliner Sparkasse macht einen gut strukturierten Eindruck auf den Leser, der als Stiftungsvorstand über ein laienhaftes Wissen in Anlagedingen verfügt. Mit 52 Seiten gehört er zwar nicht zu den Short Stories, aber ist dank guter Führung durch die Inhalte doch ein lesbares Werk.
Besonders gut gefällt die Zusammenfassung des Vorschlags zu Beginn, da dadurch von Vornherein klar ist, wohin die Reise gehen wird. Das erleichtert entscheidend das Verständnis des Ganzen.

Keine Vorstellung der Bank

Nach richtiger Darstellung der Ausgangssituation der Stiftung und ihrer Anforderungen sowie einem Streifzug durch die aktuelle Marktsituation – hier wird auf die Attraktivität des Aktienmarktes bei gleichzeitigen Schwankungen betont – stellt die Bank ihre Investmentphilosophie vor.
Es fällt auf, dass sie sich und ihre Historie nicht vorstellt, wie es die meisten Institute am Beginn eines Vorschlages tun. Dabei hätte sie bei ihrem Gründungsjahr – 1818 – doch sicher einiges zu erzählen. Schade, kurze Abstecher in die Geschichte machen solche ansonsten oft trockenen Werke immer ein wenig menschlicher.

Deka macht Investmentvorschlag

Investmententscheidung werden, wird berichtet, an "den Vermögensverwalter am Standort Luxembourg" delegiert. Damit ist offenbar die Deka gemeint, die Teil der Sparkassen-Gruppe ist. Es wäre interessant gewesen, ein paar Details über dieses Unternehmen zu erfahren. Interessant: Man verspricht “Unabhängigkeit unserer Anlageentscheidung bei der Produkt- wie auch Wertpapierauswahl.” Also darf man auch Produkte außerhalb der Sparkassenwelt erwarten. Schön.

Empfohlen wird eine Aktienquote von durchschnittlich 35 Prozent, um das Ziel eines mittel-  und langfristigen realen Kapitalerhalts zu erreichen. Verzichtet werden soll im Sinne einer börsentäglichen Liquidität auf Immobilienfonds, Hedgefonds, Private Equity etc. 

Infos zu Anlageuniversum 

Ebenfalls will man möglichst ohne Anlagen in Fonds oder ETFs auskommen, es sei denn als Beimischungen in Randsegmenten. Warum, wird leider nicht erwähnt. Dagegen soll ein Einsatz von Derivaten in Form von Stillhaltergeschäften grundsätzlich möglich sein. Auch hier wäre ein kurze Begründung ganz nett gewesen.

Im Rentenbereich werden deutsche Pfandbriefe und Hypothekenpfandbriefe, fest und variabel verzinsliche (geldmarktnah) Anleihen von in- und ausländischen Gebietskörperschaften und Unternehmen sowie Investmentfonds oder ETFs, die in diese Instrumente investieren, favorisiert.

Gute Darstellung der Nachhaltigkeit

Anleihen, wird weiter dargestellt, sollen grundsätzlich über ein Investment Grade-Rating verfügen, also AAA- bis BBB-Ratings nach S&P und Fitch bzw. Aaa bis Baa3-Ratings nach Moody‘s. 

Sehr anschaulich und übersichtlich gelingt die Darstellung des Nachhaltigkeits-Ansatzes. Für alle drei ESG-Bereiche – Umwelt, Soziales und Governance – werden klare Kriterien aufgeführt, wobei etwa die Hälfte Ausschlusskriterien seien, wird erwähnt. Das Beispiel Telekom soll auf Unternehmensseite die Bewertung erläutern. Das Unternehmen wird als “besser als der Sektordurchschnitt” und daher “erwerbbar” eingestuft. Auch die Kriterien, die einen Staat aus dem Universum ausschließen, sind eindeutig. Sehr gut.

Strategieansätze werden angewendet

Der eigentliche Anlagevorschlag ab Seite 28 will wenig überraschend bis zu 60 Prozent Anleihen und bis zu 40 Prozent Aktien einbeziehen, wobei das Rentenportfolio für den Kapitalerhalt zuständig sein soll und das Aktienportfolio das Kurssteigerungspotenzial ausschöpft. 

Zur Anwendung kommen sollen als Strategieansätze auf Rentenseite “Classic Renten Stiftungen” und auf Aktienseite “Optionsmodell Aktien”. Der Leser kann sich täuschen, aber das klingt doch sehr nach fertigen und damit standardisierten Lösungsvorschlägen. Was ja nichts Schlechtes sein muss…

Klare Einnahmeprognose

Grundsätzlich geht man davon aus, dass die Dividende in den kommenden Jahren leicht steigen und die Erträge aus Optionsprämien und Rentenanlagen konstant bleiben. Entsprechend wird eine klare Einnahmeprognose für die kommende Jahre ausgesprochen, die im Jahr 2021 bei 2,49 Prozent liegt und bis 2024 jeweils leicht steigt. Die Masse wird jeweils von den Dividenden eingefahren.

Für die kommenden fünf Jahre gibt es bei Aktien eine mittelfristige Performance-Erwartung von 5,00 Prozent p.a. Zusätzlich, so wird erklärt, gebe es eine “defensive Ertragserwartung an das Covered Call Writing in Höhe von 1,00% p.a." Solche Begriffe, findet der Leser, sollten entweder erklärt oder weggelassen werden, weil sie so nur zu Frustration führen. Die Renten tragen mit einer mittelfristige Performance-Erwartung von 0,60 Prozent p.a. zum Erfolg bei, so dass der erwartete jährliche Gesamtertrag bei 2,49 Prozent vor Honorar liegt.

Günstige Konditionen

Die Konditionen für die Vermögensverwaltung sollen bei pauschal 0,6 Prozent plus Mehrwertsteuer liegen. Das erscheint günstig. Es gibt keine Ausgabeaufschläge und Transaktionskosten beim Erwerb und der Veräußerung von Investmentfondsanteilen und kein Depotgebühren. Gebühren von Dritter Seite wie Maklercourtage oder Xetra-Gebühren werden belastet.

Services im Rahmen der Stiftungseinrichtung
Unterstützung
... während des Anerkennungsverfahrens bei Behörden
... bei der Auswahl des Stiftungszweckes
... bei der Konzeption einer Stiftungslösung
... bei der Ausarbeitung einer Stiftungssatzung
mit den Mitarbeitern der Bank.
Services im Rahmen der Stiftungsbetreuung
Unterstützung bei der Koordinierung von Bankverbindungen
... bei der Koordinierung von Bankverbindungen
... beim Fundraising
... bei Strategiegesprächen
... bei Änderungen im Stiftungs- und Steuerrecht
mit den Mitarbeitern der Bank.
Die Koordinierung mehrerer Bankverbindungen wird im Rahmen einer Family Office-Lösung angeboten. Zudem werden regelmäßig eigene Netzwerkveranstaltungen und Stiftungsforen zu unterschiedlichen Themen durchgeführt
Services im Rahmen der Stiftungsverwaltung
Unterstützung bei
... Rechnungslegung
... Jahresabschluss
... Förderverwaltung
Die Berliner Sparkasse übernimmt Verwaltungstätigkeiten als spezielle vertragliche Dienstleistung für Stiftungen.
Mitarbeit in Stiftungsgremien
Die Berliner Sparkasse übernimmt Vorstandsmandate und Mandate anderer Gremien mit eigenen Mitarbeitern
Unterstützung der Geschäftsführung der Stiftung
Die Berliner Sparkasse übernimmt Vorstandsmandate und Mandate anderer Gremien mit eigenen Mitarbeitern.
Angebot von Treuhandstiftungen
Ja, mit externer Treuhänderin
Weitere Services für Stiftungen
Mit dem Nachlass -und Stiftungsmanagement steht Stiftungen ein spezielles Kompetenzteam aus drei Volljuristen und ausgebildeten Fachanwälten für Erbrecht zur Verfügung. Testamentsvollstreckungen werden als persönliche Aufgabe wahrgenommen und Nachlässe professionell abgewickelt
Seit wann verfügt Ihr Haus über Stiftungskompetenz?
Seit Gründung der Berliner Sparkassenstiftung Medizin im Jahr 1988 sammelt das Institut Erfahrungen im Stiftungsmanagement. Ein eigenständiges Team für Nachlass- und Stiftungsmanagement im Private Banking wurde im Jahr 1998 gebildet
Wie viele fremde Stiftungen betreuen Sie?
220 fremde Stiftungen werden betreut.
Haben Sie eine eigene Stiftung?
Ja. Die Berliner Sparkasse hat drei eigene Stiftungen errichtet: 1988 die „Berliner Sparkassenstiftung Medizin", 1997 die „Stiftung Brandenburger Tor - Kulturstiftung der Berliner Sparkasse" und 2010 die „Stiftung Berliner Sparkasse - von Bürgerinnen und Bürgern für Berlin".
Mit welchen Stiftungsaufsichtsbehörden hatten Sie bereits zu tun und kennen deren ggf. spezifische Anforderungen?
Die Berliner Sparkasse arbeitet mit Stiftungsaufsichten in Berlin und Brandenburg zusammen.
In welchen Niederlassungen haben Sie Ansprechpartner mit Stiftungskompetenz?
Das Stiftungsmanagement ist Teil des Private Banking der Berliner Sparkasse. Das Private Banking hat einen zentralen Standort – inklusive Anlagemanagement und Stiftungsmanagement – am Alexanderplatz und zwei Standorte in den Bezirken Steglitz und Charlottenburg. Eine Stiftungsbetreuung unter Einbindung der relevanten Spezialisten ist an allen Standorten möglich.

Adresse

Berliner Sparkasse

Alexanderplatz 2

10178 Berlin

Website: www.berliner-sparkasse.de/


Ansprechpartner

Michel Kosman

Abteilungsdirektor

Leiter Wertpapierexperten im Private Banking 

Alexanderplatz 2

 

Fazit: Der Anlagevorschlag der Berliner Sparkasse ist keine große Überraschung, aber solide Arbeit. Es werden alle Fragen beantwortet, bis auf die Modifizierung der Anlagerichtlinie, auf die nicht weiter eingegangen wird. Darüber will man mit der Stiftung aber reden. Was ein wenig fehlt, ist die Vorstellung der Bank und der eigenen Stiftungskompetenz. Das hätte die Sache noch abgerundet. Aber auch so kommt der Vorschlag durchaus in die engere Wahl.

Urteil: Der Vorschlag der Berliner Sparkasse hat das Potenzial den Einzug in die Endrunde zu finden.

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