Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2933
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

BASF ist in Sachen Compliance-Transparenz nicht schlecht unterwegs

BASF hat es als Chemiegigant per se nicht leicht, in der Öffentlichkeit zu bestehen. Da wäre es angebracht mit einem transparenten Complaince-system zu glänzen. Doch das gelingt dem DAX-Konzern nur in Teilen.

Mit dem Rückzug aus dem Gashandel ist BASF zu einem reinen Chemiekonzern geschrumpft. Im internationalen Vergleich steht das Unternehmen wirtschaftlich gut da, auch wenn der Produktionsstopp einer nagelneuen Großanlage für Kunststoffe ein herber Rückschlag war, der dann auch noch begleitet wurde von der schweren Explosion im Stammwerk mit vier Todesopfern.

Ein global tätiges Chemie-Unternehmen mit einem großen Produkt-Portfolio muss sich einer ganzen Reihe an Compliance Herausforderungen stellen. Die Preisabsprachen in der Vergangenheit erinnern daran. Besonders brisant ist derzeit das Steuerthema, weil BASF wegen der Verlagerung von Gewinnen in Steueroasen in der Kritik steht. Risiken bergen auch eine veraltete Beschaffungspolitik und die Schwächen in der Überwachung der Lieferanten.

Verhaltenskodex

Ein thematisch umfassender Verhaltenskodex, der fast alle üblichen Themen behandelt, teils differenziert (Kartellrecht, Importe- und Exporte), teils eher knapp. Das liest sich flüssig – die wesentlichen Kernaussagen sind in dicken „Zitaten" hervor gehoben – und hat auch ein aufgelockertes Design mit Ampeln in rot oder grün zur Orientierung. Es fehlen Ausführungen zum Sponsoring und zur Dokumentation von Geschäftsvorfällen.

Mit Ausnahme des Commitments des Vorstands und knappen Hinweisen auf die Hotline und Sanktionen sagt der Kodex leider nur wenig zu seiner Implementierung. 

Lieferantenkodex

Die Themenbreite ist okay, sie werden aber nur in minimalistischer Weise abgehandelt, da helfen auch die unzähligen Sprachvarianten nichts. Hingewiesen wird auf den Global Compact und das Responsible Care Programm der chemischen Industrie, aber gelten auch die ILO Richtlinien? Insgesamt sind die Vorgaben nicht eindeutig genug – man soll „sich bemühen", aber die Lieferanten werden nicht eindeutig genug verpflichtet.

Wir haben im Kodex keinen Hinweis zu einem Whistleblower-System gefunden, weder per Google noch bei einer Suche auf der BASF-Website. Wer in der Lieferkette die Meldung von Verstößen so schwer macht, bietet mehr nette Worte als effektive Hilfe.

CMS Compliance-Management-System

Im Geschäftsbericht steht der kluge Satz: „Wir sind davon überzeugt, dass es letztendlich die gelebte Compliance-Kultur ist, die über den Erfolg von Compliance im Unternehmen entscheidet." Da ist es allerdings schade, dass die Compliance-Kommunikation sich auf nur zwei Seiten beschränkt. Der Chief Compliance Officer ist in den Risikomanagement-Prozess (nach COSO II ERM) zwar eingebunden, sein Input wird allerdings erst auf Vorstandsebene konsolidiert. Der Umfang dieser – gesonderten? – Risikoanalyse für Compliancerisiken wird aufgrund der wenigen Angaben aber nicht ganz klar. Auch bei BASF fehlt eine zusammenfassende Darstellung der Compliance-Risiken.

Für das Reporting gibt es 56 externe Hotlines, anonyme Meldungen sind möglich, gutgläubige Whistleblower sind vor Vergeltungsmaßnahmen geschützt. Für Meldungen gibt es eine kurze Statistik. Disziplinarmaßnahmen bis zur Kündigung werden ergriffen. 

Kommunikation 

Eine saubere, schöne chemische Welt ist das, in die uns BASF hineinführt. Skateboards laufen am besten auf Rollen aus Polyurethan. Soso. In kurzatmiges Selbstlob wie bei vielen anderen gleitet die Homepage dennoch nicht ab. Mit Problemen setzt sich BASF aber nicht auseinander.

Biologische Kreislauffähigkeit, Nanopartikel, Weichmacher oder militärische Nutzung: Fehlanzeige. Bei Vorfällen in der Lieferkette, wie etwa dem Massaker von Marikana, meldet die BASF Suchmaschine „Null" Einträge. Ebenso zu den Gewinnverlagerungen in Steueroasen.

Fazit: Der Chemiegigant nimmt aus Compliancesicht unter den Branchenkonkurrenten im DAX eine mittlere Position ein. Und so ist auch das Investorenrisiko: mittel.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Stiftungsmanager 2024: Die Top 10

Auf dem Siegertreppchen wird es eng

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Fünf Anbieter von insgesamt 35 Ausschreibungsteilnehmern schaffen es in diesem Jahr auf das Siegertreppchen und sichern sich eine „Goldmedaille“ für eine sehr gute Gesamtleistung. Zwei weitere Häuser holen Silber für gute Leistungen und drei dürfen sich mit Bronze für ein Befriedigendes Gesamturteil schmücken. Sie alle hatten es aufgrund der Güte ihrer Anlagekonzepte in die Endrunde der Ausschreibung für die Stiftung Fliege geschafft.
  • Editorial Stiftungsvermögen 2024: Weitreichende Folgen

Die Auswahl des Vermögensverwalters nicht dem Zufall überlassen

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Die Wahl des Vermögensverwalters kann das Schicksal einer Stiftung bestimmen. Viele Stiftungen besitzen nicht das nötige Finanzwissen im eigenen Kuratorium, was fatale Folgen haben kann. Regelmäßige Kontrollen und kompetente Beratung sind unerlässlich, um nicht Opfer von fatalen Anlagestrategien zu werden. Erfahren Sie, welche verheerenden Fehler vermieden werden können und wie eine Stiftung die richtige Wahl trifft – bevor es zu spät ist.
  • Brutaler Messerangriff in Mannheim: Gefahr für unser Recht auf friedliche Demonstrationen

Wie wir selbst die Grundwerte unserer Gesellschaft untergraben

Fuchsbriefe-Herausgeber Ralf Vielhaber. © Foto: Verlag Fuchsbriefe
In Mannheim wurde am Wochenende auf brutale Weise und ohne Vorwarnung ein Redner bei einer Demonstration mit einem Messer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Auch ein Polizist wurde lebensgefährlich attackiert. Er erlag am Wochenende seinen Verletzungen. Doch die Medien relativieren die Tat und lenken vom Kern einer wichtigen Debatte ab, meint Fuchsbriefe-Herausgeber Ralf Vielhaber.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Notenbank in Ungarn muss umsteuern

Forint bekommt Rückenwind

In Ungarn läuft es rund. Die Notenbank reduzierte zum achten Mal in Folge den Leitzins (7,25%). Im Oktober vergangenen Jahres lag dieser noch bei 13%. Für die nächste Zinsentscheidung am 18. Juni erwartet der Markt erneut einen Rückgang um 50 Basispunkt. Daraus entstehen Anlagechancen.
  • Fuchs plus
  • US-Notenbank schiebt Zinsschritte weiter hinaus

Fed schiebt Dollar an

Der Dollar bekommt neuen Rückenwind von den Notenbanken. Denn mit dem Zinsschritt der EZB nach unten und dem Abwarten der US-Notenbank hat sich die Zinsdifferenz zugunsten des US-Dollar vergrößert. Der wird auch in den kommenden Monaten so erhalten bleiben.
  • Fuchs plus
  • Trump und China beflügeln die Kryptowährungen

Institutionelle kaufen Kryptos

Bitcoin (BTC) und Kryptowährungen wie Ethereum (ETH) und Solana (SOL) stehen vor einer potenziell explosiven zweiten Jahreshälfte. Großanleger investieren Milliarden in digitale Anlageprodukte. Sowohl in den USA, dem umsatzstärksten Krypto-Markt, als auch in China zeichnet sich ein Stimmungswechsel ab.
Zum Seitenanfang