Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
3006
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Beiersdorf ganz ohne Schminke

Beiersdorf kann aus Compliancesicht nicht überzeugen. Investoren tragen aufgrund hoher Intransparenz der Maßnahmen ein hohes Risiko.
Eigentlich versteht Beiersdorf doch viel von Kosmetik. Doch bei der Darstellung der Compliance-Maßnahmen wird nicht einmal die diesbezügliche schwache Performance geschminkt.

Die Börse kennt Beiersdorf als profitablen Kosmetik-Hersteller, mit hoher Eigenkapitalquote und solidem Umsatz vor allem durch die Kosmetikmarken Nivea, Eucerin und 8x4. Doch so vertrauenswürdig die Marke Nivea auch ist, die Kritik zu Inhaltsstoffen (z.B. Aluminium, Parabene, Nanopigmente) und die Klagen über Verbrauchertäuschung sind doch Zeichen, dass das nicht immer so bleiben muss.

Das Motto „We care" zielt auf die Bereiche „Products, Planet, People" und will den Verbraucher mit dem sogenannten „Nivea-Versprechen" binden. Damit bleibt man beim Marketing stehen. Nötig wäre aber eine aussagefähige Darstellung des Compliance Risikomanagement-Systems im Geschäftsbericht. Auch der Vorstand sollte sich des Themas besser annehmen und seine Awareness kommunizieren.

Verhaltenskodex

Jeder Mitarbeiter möge sich so tadellos verhalten, dass darüber morgen ein Bericht in der Zeitung stehen könnte, heißt es sinngemäß im Verhaltenscodex (S. 7). Durch den zieht sich ein lockerer „blauer Faden", der eigentlich ein roter Faden ist. Die Anweisungen sind leider oft wenig konkret („nutzen Sie standardisierte Prozesse optimal") und es gibt kaum Hinweise auf die Implementierung des COC im Unternehmen. Sehr auffällig ist, dass es keinerlei Hinweise auf Meldesysteme gibt. 

Lieferantenkodex

Ein ordentlicher Supplier Code, der eindeutige Verpflichtungen an den Lieferanten stellt. Sehr gut ist, wie konsequent auf internationale Richtlinien verwiesen wird. Zu Abzügen kommt es allerdings vor allem wegen der nur knappen Informationen zu Sanktionen und Sublieferanten und wegen der kargen Hinweise zum Überwachungssystem: Die Formulierungen sind allerdings klar und auch bindend. Es werden zwingende Formulierungen gewählt wie z.B. „Nicht geduldet".

Wo sind Kennzahlen zu Audits oder Vor-Ort-Überprüfungen? Ferner fehlt ein Hinweis zu einem Whistleblower-System für Lieferanten.

CMS Compliance-Management-System

Das für Compliance zuständige Mitglied des Vorstandes kümmert sich auch noch um Finanzen, Controlling, Recht, IT und Qualitätssicherung. Ein bunter Themenstrauß. Kein Wunder, dass im Geschäftsbericht von Compliance-Risiken im Zusammenhang mit der (kurzen) Darstellung des Risikomanagement-Systems keine Rede ist. Auch unter „rechtliche Risiken" finden sich lediglich Haftungsrisiken aus konkret gegen das Unternehmen geltend gemachten Schäden. Das war's.

Eine Compliance-Kultur scheint es nicht zu geben. Allein die umfangreiche Liste des Anteilsbesitzes der Beiersdorf AG (am Ende des Geschäftsberichtes) zeigt die hohe internationale Komplexität des Konzerns, so dass eine gesonderte Compliance-Risikoanalyse dringend angezeigt ist.

Kommunikation 

Die öffentliche Kritik zu Kosmetik-Inhaltsstoffen (z.B. Aluminium, Parabene, Nanopigmente) hat zugenommen. Als Reaktion darauf veröffentlicht Beiersdorf FAQs, in denen zu verschiedenen Themen kompetent Stellung bezogen wird. Die FAQs sind zwar nicht dialogorientiert, gehen aber sachlich auf die Probleme ein, etwa auf Aluminium in Anti-Transpirantien, auf Mikroplastik und auf Parabene in Kosmetik- und Hautpflegeprodukten.

Auch der Palmöl-Verbrauch von Beiersdorf wird thematisiert und dass man sich an das Verbot der Tierversuche hält. Das ist nicht immer befriedigend, etwa wenn auf der Webseite unter der Überschrift „Pflege ohne Mikroplastik" behauptet wird, man setze „keine Polyethylen-Artikel" mehr ein, aber andere Kunststoffe, etwa Nylon, weiterhin nutzt. Dennoch: die Auseinandersetzung wird nicht gescheut.

Fazit: Das Herzstück der Compliance, das CMS, schlägt beim Konsumriesen Beiersdorf leider nur sehr schwach. Der Investor muss den Stillstand fürchten. Daher hohes Risiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Verbesserung der ESG-Bilanz wirkt sich positiv aus

Factoring mit Nachhaltigkeits-Bonus

Grüner Sand läuft durch eine Sanduhr. © William_Potter / Getty images / iStock
Das Thema Factoring spielt bei immer mehr Unternehmen eine Rolle. Gerade in unsicheren Zeiten ist es ein guter Schutz gegen Zahlungsausfälle. Auch hier kommt nun das Thema Nachhaltigkeit an. Gut umgesetzt, kann das die Kosten des Verfahrens mildern.
  • Deutschland muss einfacher werden

Wie der Fachkräftemangel zum Segen werden kann

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber
In Deutschland herrscht Personalnot. Zudem ist das Land überreguliert. Beides gehört zusammen. Wir und unsere Politiker werden dazu umdenken müssen. Je rascher desto besser, meint FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. Dann kann aus dem Fluch des Fachkräftemangels ein Segen für das Land werden.
Neueste Artikel
  • Im Fokus: KI-Aktien

ChatGPT läutet nächste Runde der KI-Revolution ein

Symbolbild Künstliche Intelligenz. © Andrey Suslov / Getty Images / iStock
Der auf Künstlicher Intelligenz basierende Chatbot ChatGPT ist derzeit in aller Munde. Die Fähigkeiten der KI sind erstaunlich und entwickeln sich rasant weiter. Anleger fragen sich nun, mit welchen Aktien sie vom Megatrend Künstliche Intelligenz am besten profitieren.
  • Fuchs plus
  • MiFID-Vorgaben in der Praxis kaum einhaltbar

Krisen-Kommunikation im Private Banking

(c) Verlag Fuchsbriefe, Bildmaterial envato elements
In der jüngsten Vergangenheit häuften sich extreme Marktereignisse. Seien es Lehmann-Pleite, Brexit, Trump-Wahl, Corona-Crash oder der Ausbruch des Ukraine-Krieges – unverhofft kommt oft und zuletzt sogar immer öfter. Die FUCHS|RICHTER Prüfinstanz wollte wissen: Wie schnell und in welcher Form informieren die Banken und Vermögensverwalter ihre Kundschaft?
  • FUCHS | RICHTER Prüfinstanz nimmt Angebote unter die Lupe

Die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung sucht einen neuen Manager für ihr Stiftungsvermögen

Icon Stiftungsvermögen 2023 Auswahlrunde der Wilhelm Weidemann Jugendstiftung. © Collage: Verlag FUCHSBRIEFE. Grafik: envato elements
Nach 15jähriger Tätigkeit möchte die Wilhelm Weidemann Jugendstiftung mit Sitz in Berlin ihre weitere gemeinnützige Arbeit mit der Überprüfung der Vermögensanlagestrategie und der Suche nach einem neuen Vermögensverwalter verknüpfen. Die FUCHS | RICHTER Prüfinstanz leistet ihr dabei Unterstützung.
Zum Seitenanfang