Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1942
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Beiersdorf ganz ohne Schminke

Beiersdorf kann aus Compliancesicht nicht überzeugen. Investoren tragen aufgrund hoher Intransparenz der Maßnahmen ein hohes Risiko.
Eigentlich versteht Beiersdorf doch viel von Kosmetik. Doch bei der Darstellung der Compliance-Maßnahmen wird nicht einmal die diesbezügliche schwache Performance geschminkt.

Die Börse kennt Beiersdorf als profitablen Kosmetik-Hersteller, mit hoher Eigenkapitalquote und solidem Umsatz vor allem durch die Kosmetikmarken Nivea, Eucerin und 8x4. Doch so vertrauenswürdig die Marke Nivea auch ist, die Kritik zu Inhaltsstoffen (z.B. Aluminium, Parabene, Nanopigmente) und die Klagen über Verbrauchertäuschung sind doch Zeichen, dass das nicht immer so bleiben muss.

Das Motto „We care" zielt auf die Bereiche „Products, Planet, People" und will den Verbraucher mit dem sogenannten „Nivea-Versprechen" binden. Damit bleibt man beim Marketing stehen. Nötig wäre aber eine aussagefähige Darstellung des Compliance Risikomanagement-Systems im Geschäftsbericht. Auch der Vorstand sollte sich des Themas besser annehmen und seine Awareness kommunizieren.

Verhaltenskodex

Jeder Mitarbeiter möge sich so tadellos verhalten, dass darüber morgen ein Bericht in der Zeitung stehen könnte, heißt es sinngemäß im Verhaltenscodex (S. 7). Durch den zieht sich ein lockerer „blauer Faden", der eigentlich ein roter Faden ist. Die Anweisungen sind leider oft wenig konkret („nutzen Sie standardisierte Prozesse optimal") und es gibt kaum Hinweise auf die Implementierung des COC im Unternehmen. Sehr auffällig ist, dass es keinerlei Hinweise auf Meldesysteme gibt. 

Lieferantenkodex

Ein ordentlicher Supplier Code, der eindeutige Verpflichtungen an den Lieferanten stellt. Sehr gut ist, wie konsequent auf internationale Richtlinien verwiesen wird. Zu Abzügen kommt es allerdings vor allem wegen der nur knappen Informationen zu Sanktionen und Sublieferanten und wegen der kargen Hinweise zum Überwachungssystem: Die Formulierungen sind allerdings klar und auch bindend. Es werden zwingende Formulierungen gewählt wie z.B. „Nicht geduldet".

Wo sind Kennzahlen zu Audits oder Vor-Ort-Überprüfungen? Ferner fehlt ein Hinweis zu einem Whistleblower-System für Lieferanten.

CMS Compliance-Management-System

Das für Compliance zuständige Mitglied des Vorstandes kümmert sich auch noch um Finanzen, Controlling, Recht, IT und Qualitätssicherung. Ein bunter Themenstrauß. Kein Wunder, dass im Geschäftsbericht von Compliance-Risiken im Zusammenhang mit der (kurzen) Darstellung des Risikomanagement-Systems keine Rede ist. Auch unter „rechtliche Risiken" finden sich lediglich Haftungsrisiken aus konkret gegen das Unternehmen geltend gemachten Schäden. Das war's.

Eine Compliance-Kultur scheint es nicht zu geben. Allein die umfangreiche Liste des Anteilsbesitzes der Beiersdorf AG (am Ende des Geschäftsberichtes) zeigt die hohe internationale Komplexität des Konzerns, so dass eine gesonderte Compliance-Risikoanalyse dringend angezeigt ist.

Kommunikation 

Die öffentliche Kritik zu Kosmetik-Inhaltsstoffen (z.B. Aluminium, Parabene, Nanopigmente) hat zugenommen. Als Reaktion darauf veröffentlicht Beiersdorf FAQs, in denen zu verschiedenen Themen kompetent Stellung bezogen wird. Die FAQs sind zwar nicht dialogorientiert, gehen aber sachlich auf die Probleme ein, etwa auf Aluminium in Anti-Transpirantien, auf Mikroplastik und auf Parabene in Kosmetik- und Hautpflegeprodukten.

Auch der Palmöl-Verbrauch von Beiersdorf wird thematisiert und dass man sich an das Verbot der Tierversuche hält. Das ist nicht immer befriedigend, etwa wenn auf der Webseite unter der Überschrift „Pflege ohne Mikroplastik" behauptet wird, man setze „keine Polyethylen-Artikel" mehr ein, aber andere Kunststoffe, etwa Nylon, weiterhin nutzt. Dennoch: die Auseinandersetzung wird nicht gescheut.

Fazit: Das Herzstück der Compliance, das CMS, schlägt beim Konsumriesen Beiersdorf leider nur sehr schwach. Der Investor muss den Stillstand fürchten. Daher hohes Risiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • BNP Paribas Wealth Management, Stiftungsmanagement 2021, Qualifikation

Ignoranz pur

Wie schlägt sich die BNP Paribas im Markttest Stiftung? Copyright: Verlag Fuchsbriefe
Es gibt Anlagevorschläge bzw. -ideen, die sich ganz auf die Wünsche der Deutschen Kinderhospiz Stiftung einstellen, es gibt solche, die dies teilweise tun - und es gibt den Vorschlag des PNB Paribas Wealth Managements.
  • Fuchs plus
  • ActivTrades

Neukunden werden allein gelassen

Wie schlägt sich ActivTrades im FUCHS-Broker Test 2021? Copyright: Verlag Fuchsbriefe
ActivTrades, der Name klingt nach viel Dynamik. Allerdings wird diese Erwartung schwer enttäuscht. Auch wenn das Angebot des Brokers im Grunde gut ist; interessierte Trader werden beim "onboarding" schlicht nicht betreut oder begleitet.
  • Fuchs plus
  • Scheidung mit fiskalischen Tücken

Nur bei Ehe Anspruch auf Steuerbefreiung

Wenn im Zuge einer Scheidung noch ein paar gütliche Regelungen getroffen werden, ist das gewöhnlich im Sinne aller Beteiligten. Die Einigung über ein gemeinsames Haus gehört dazu. Doch auch hier mischt der Fiskus mit und kann Forderungen stellen, wenn es sich um eine Partnerschaft aber keine Ehe handelte.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Entgeltumwandlung im Ehegatten-Arbeitsverhältnis

Bei der Versorgung nicht überziehen

Die Versorgung des Ehegatten in einem internen Arbeitsverhältnis ist legitim. Doch wie hoch dürfen die Versorgungsansprüche sein? Hier gibt der Bundesfinanzhof wichtige Hinweise.
  • Fuchs plus
  • Sichere Bank für Dividenden

Bank of Nova Scotia ist vermutlich der längste Dividendenzahler der Welt

Der vermutlich längste Dividendenzahler der Welt ist die Bank of Nova Scotia. Das kanadische Finanzinstitut zahlte seit seiner Gründung im Jahr 1832, also seit fast 190 Jahren, in jedem Jahr eine Dividende - ohne Ausnahme. Darüber hinaus wurden die Gewinnausschüttungen an die Aktionäre in den meisten Jahren erhöht. In 46 der vergangenen 50 Jahre wurden die Ausschüttungen angehoben.
  • Fuchs plus
  • Chart der Woche vom 15.04.21

Die Puma SE setzt zum Sprung an

Für Charttechniker ist ein Blick auf die Puma-Aktie spannend. Copyright: Puma
Für Charttechniker ist ein Blick auf die Puma-Aktie spannend. Denn das Papier setzt zu einem Sprung an. Daraus könnte ein Anlauf ein einen neuen Höchstkurs werden.
Zum Seitenanfang