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Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Beim DAX Konzern Fresenius ist bei der Compliance zweimal Luft nach oben.

Fresenius hat in Sachen Compliance-Transparenz noch Luft nach oben. Das Risiko für Investoren ist nicht gering.
Fresenius ist bei dem, was man von außen zur Compliance sieht, mäßig aufgestellt. Vor allem in zwei Bereichen ist noch deutlich Luft nach oben.

Der Gesundheitssektor wächst Konjunktur unabhängig, und Fresenius will seine Marktposition darin weiter stärken. Die spanische Klinikkette Quironsalud hat man sich für 5,8 Mrd. Euro einverleibt und den amerikanischen Medikamentenhersteller Akorn für 4,4 Mrd.

Standard & Poor's belässt den Investmentgrade von Fresenius bei BBB-, denn in der Vergangenheit wurden die Schulden stets abgebaut. Dies erreicht der Konzern hauptsächlich über ständige Kostenoptimierung. Über die Finanzkennzahlen hinaus ist die Transparenz von Fresenius aber sehr schwach, insbesondere bei Fresenius Kabi, das Ernährungslösungen und Generika anbietet. Nach außen ist der Gesundheitskonzern skandalfrei unterwegs und selbst kommuniziert man nur das Nötigste.

Ein Risiko besteht bei Fresenius generell in den Lieferantenbeziehungen. Hier ist der gesamte Konzern im Blindflug unterwegs.

Verhaltenskodex

Die wesentlichen Standardthemen werden angesprochen. Verweise auf weiterführende Regelungen oder zu Spezialthemen, etwa den Umgang mit Patienten, Kunden, Geschäftspartnern, Amtsträgern sind vorhanden, jedoch leider ohne Links. Die Vorgaben sind aufgrund der eher abstrakt-juristischen Sprache und mangels Beispielen oder Fragen & Antworten für die Mitarbeiter eher schwer verständlich.

Von einem der wichtigsten deutschen Unternehmen einer hoch regulierten Branche sollte man hier mehr erwarten. Der Vorstand steht hinter dem Kodex und die besondere Verantwortung der Führungskräfte wird betont. Ein Rat: Einfach mal den Kodex der Tochter Fresenius Medical Care ansehen.

Lieferantenkodex

Es finden sich weder ein Supplier Code of Conduct noch allgemeine Informationen zur Lieferkette. Dass ein Medizinkonzern, der vom Vertrauen auch in die Seriosität seiner Zulieferer lebt, sich heute noch völlige Intransparenz seiner Lieferbeziehungen leisten kann, ist ein Unding. Daher hier nur eine Bewertung mit Null Punkten erfolgen.

CMS Compliance-Management-System

Der Geschäftsbericht liefert einen guten Einblick in die Compliance-Organisation und beschreibt die Funktionsweise des Systems recht genau. Auch in Sachen Überwachung und Verbesserung des Systems werden brauchbare Angaben gemacht, die teilweise mit Zahlen unterlegt sind, etwa dass 150 Vollzeit Compliance Officer für Fresenius tätig sind.

Weltweit führt die interne Revision zahlreiche Prüfungen durch, der Vorstand und der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats werden regelmäßig über den aktuellen Stand und die Wirksamkeit der Compliance-Maßnahmen informiert. Die Auseinandersetzung mit einzelnen Compliancerisiken erfolgt nach standardisierter Methode in jedem Unternehmensbereich. Das Kernrisiko ist Korruption, weitere wesentliche Bereiche bilden das Kartellrecht und der Datenschutz. Der Blickwinkel ist ein juristischer, der überwiegend die rechtlichen Risiken beobachtet..

Kommunikation

Die Compliance-Kommunikation von Fresenius ist schwach und lässt darauf schließen, dass eine Compliancekultur wenig ausgebildet ist. Auf der Homepage ist die Unterseite recht knapp gehalten. Die Homepage ist insgesamt spartanisch, viel hat man nicht mitzuteilen. Sie meldet Umsatzrekorde, zeigt bunte Gesundheitswochen mit den Mitarbeitern oder Hobbysportler beim Triathlon, und dazwischen mal Moody's verbessertes Investment Rating. Man lässt sich eben ungern in die Karten schauen.

Die Nachhaltigkeitsstrategie ist undurchsichtig. Immerhin ist Fresenius ein großer Klinikbetreiber, hat in der Vergangenheit Helios und die Rhön Kliniken übernommen. Doch zum Gesundheitswesen bezieht man keine Position. Auch nicht, ob und wie politische Kostendiskussionen sich auf die Produktqualität auswirken. Dabei kann Fresenius, wenn es will: Die Karriere Website ist ausgezeichnet.

Fazit: Wer nichts macht, macht auch nichts falsch? Nein. Wer auf einen Lieferantenkodex verzichtet und einen unterentwickelten Mitarbeiterkodex präsentiert, bietet Investoren ein erhöhtes Risiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

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