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Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Fresenius Med. Care ist auf einem Auge blind

Bei Fresenius tragen Investoren aus Compliancesicht ein mittleres hohes Risiko.
Fresenius Medical Care hat einen vorbildlichen Verhaltenskodex für Mitarbeiter entwickelt – und macht diesen auch öffentlich. Leider gilt diese Art von Qualität und Transparenz nicht für alle Bereiche der Compliance.

Fresenius Medical Care ist weltweit führend im Dialysegeschäft und bietet auch Maschinen für Hämodialyse und damit verbundene Einweg-Produkte an. Das Kerngeschäft soll erweitert werden, um die großen Risiken zu reduzieren, die sich aus Veränderungen im amerikanischen Gesundheitssystem ergeben, wo ein Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit liegt. Mit Initiativen wie „Go Green in Dialysis" bemüht sich das Unternehmen, den Ressourcenverbrauch in Kliniken zu reduzieren und es betreibt umfangreiche Aufklärungsaktionen zu Nierenerkrankungen.

Die Transparenz lässt aber zu wünschen übrig. Es gibt die branchenüblichen Rechtsstreitigkeiten wegen unzureichender Etikettierung und Kostenabrechnung sowie Vorwürfe hinsichtlich Patentrechtsverletzungen. Dem Deutschen Corporate Governance Kodex wird nicht ganz entsprochen.

Verhaltenskodex

Ein ausführlicher, in vielerlei Hinsicht vorbildlicher Verhaltenskodex, der alle Standardthemen und die besonderen regulatorischen Anforderungen (Patientenversorgung, Schutz von Patientendaten, Umgang mit klinischen Studien etc.) umfassend abdeckt. Auf den ersten 19 Seiten werden das Compliance-System (wie Schulungen, Sanktionen, Hotline etc.) erläutert, bevor es in der zweiten Hälfte um die Regelungen selbst geht. Alles ist verständlich, nicht zu juristisch, meist mit Beispielen versehen. Das Layout ist sachlich, aber locker, viele Mitarbeiterfotos und keine zu langen Texte. Daher fast volle Punktzahl. 

Lieferantenkodex

Ein krasser Unterschied besteht zwischen dem ausgezeichneten Verhaltenskodex und diesem in jeder Hinsicht unzureichenden Lieferantenkodex. Dafür können kaum Punkte vergeben werden, da der Kodex sich im Grunde nur mit Korruption und Bestechung beschäftigt. Hier sind die Formulierungen aber wenigstens bestimmt und klar. Obwohl sich ohnehin alles auf die Korruptionsthematik beschränkt, enthält der Kodex auch hierfür keinerlei Informationen zu Konsequenzen bei Verstößen, Vorgaben zu Sublieferanten und Überwachungsmaßnahmen.

An Aufklärung scheint man nicht sonderlich interessiert. Mitarbeitern, die von der „potenziellen Verletzung eines dieser Prinzipien Kenntnis erlangen", wird eine Email-Adresse zur Verfügung gestellt: complianceactionline@fmc-ag.com.

CMS Compliance-Management-System

Wie auch bei der Mutter Fresenius SE ein solide gemachtes CMS. Der Geschäftsbericht erlaubt einen guten Einblick in die Organisation und macht sogar Angaben zur Personalstärke und beschreibt die Integration des Systems im Konzern schlüssig. Die Effektivität des Compliance-Programms wird durch Monitoring Maßnahmen überwacht. 2016 wurden weitere Compliance relevante interne Richtlinien, Prozesse und Kontrollen überarbeitet. Diese Richtlinien und Regelungen werden in allen Geschäftseinheiten und Tochtergesellschaften weltweit implementiert. Positiv zu vermerken ist, dass im angehängten Risikobericht eine detaillierte Auseinandersetzung mit einzelnen Compliancerisiken – vor allem unter rechtlichen Gesichtspunkten stattfindet. 

Kommunikation 

Das muss man als DAX Konzern erst mal schaffen: Die Pressearchive spucken zu Fresenius Medical Care nur wenig aus, was einerseits an den wenigen Skandalen liegt, andererseits an der Kunst, unterhalb des Radars zu fliegen. Auch der Wikipedia-Eintrag ist äußerst knapp. Dem Deutschen Corporate Governance Kodex wird mit fünf Ausnahmen nicht vollständig entsprochen. Die üppigen Vorstandsvergütungen sollen nicht durch Höchstgrenzen und Abfindungs-Caps geschmälert werden. Die Vorstandssaläre übersteigen das durchschnittliche Mitarbeitergehalt um ein Vielfaches (100:1). Der Unmut darüber bleibt unkommentiert. Eine dialogische Kommunikation führt der Konzern nicht.

Fazit: Wäre Fresenius Medical Care nicht auf einem Auge blind – bei seinen Lieferanten – könnte man sich als Investor deutlich wohler fühlen. So bleibt ein erhöhtes Risiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

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