Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2027
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Infineon punktet beim Verhaltenskodex

Bei Infineon ist der Verhaltenskodex vorbildlich. An anderen Stellen hapert es.
Infineon legt beim Verhaltenskodex vor – hier ist der DAX-Konzern vorbildlich. Aber in der Vergangenheit war das Unternehmen in diverse Wettbewerbsverstöße involviert. Jetzt ist es zwar ruhiger geworden. Aber das sagt bekanntlich nichts.

Die Konzentration in der Halbleiterbranche nimmt zu. Die Top-25-Hersteller, zu denen Infineon gehört, machen drei Viertel des Weltmarktes aus und wachsen weit überproportional. Infineon ist mit Zukäufen, zuletzt war man an Wolfspeed dran, davor schluckte man Rectifier, mit im Rennen.

Welche Compliance-Risiken ergeben sich, wenn der Markt oligopolistisch wird? Schon in der Vergangenheit war das Unternehmen in diverse Wettbewerbsverstöße involviert, jetzt ist es ruhiger geworden, aber das sagt bekanntlich nichts. Der Chiphersteller liegt mit einem CC Rating in der Mitte der DAX-Wertung und hat in punkto Compliance vor allem Verbesserungsbedarf in der Kommunikation.

So engagiert man sich in Projekten, die problematische Rohstoffe, etwa Blei, substituieren sollen, doch weder der Umfang des Engagements noch die Fortschritte sind transparent.

Verhaltenskodex

Ein nahezu vorbildlicher und aktueller Verhaltenskodex, der einen umfassenden und ansprechenden Einblick liefert. Dazu zahlreiche weitere Richtlinien zu Kartellrecht, Geschenke & Einladungen, Einkaufsrichtlinien, Datenschutz, Good Corporate Citizenship, Compliance-Vorfälle usw. Teilweise sind die Ausführungen etwas kompliziert, konkrete Beispiele und Q&A wären gut gewesen.

Herausragend sind Orientierungshilfen zu den Kerninhalten durch eingestreute Zusammenfassungen (z.B. „Geschäftspartner auf Integrität prüfen", „Verdacht auf Fehlverhalten proaktiv melden"). Inhaltlich prägant - das ist wirklich sorgfältig gemacht! 

Lieferantenkodex

Punkte gibt es überwiegend für die recht gute Abdeckung allgemein üblicher Themen, die Einbettung in internationale Richtlinien und die Bestimmtheit der Vorgaben. Punktabzüge erfolgen vor allem für das komplette Fehlen von Informationen zu Konsequenzen bei Verstößen.

Die Überprüfung basiert überwiegend auf Fragebögen mit der Möglichkeit eines Audits. Das ist schwach. Es ist unklar, inwiefern überhaupt Audits stattfinden. Zu Sublieferanten heißt es lapidar: „Our Suppliers shall provide us with information thereof upon request." Dies ist zu wenig. Es findet sich ebenfalls nichts zu einem Whistleblower-System. Wie ernst ist es dem Kodex eigentlich?

CMS Compliance-Management-System

Die früheren Skandale scheinen Spuren hinterlassen zu haben: Jährlich findet eine formalisierte Bewertung der Compliance-Risiken insbesondere zu Kartellrecht und Korruption statt. Der Reportingweg ist beschrieben und umfasst die Infineon Integrity Line und einen externen Ombudsmann.

Für die Durchführung von internen Ermittlungen gibt es eine gesonderte Richtlinie: „Management von Compliance-Vorfällen". Gut auch, dass die Richtlinien für Geschenke und Einladungen sowie zur Korruptionsvermeidung veröffentlicht wurden. Nach außen auf der Website sind die Informationen zu Compliance sehr unergiebig, es fehlt der nötige Detailgrad um eine richtige Compliancekultur zum Ausdruck zu bringen. 

Kommunikation 

Aktuell keine Skandale, aber in der Vergangenheit. Hierzu findet man auf der Homepage jedoch eher versteckte Fußnoten etwa zum Kartellverfahren der EU Kommission (Chipkarten) gegen Infineon mit dem verhängten Bußgeld in Höhe von 83 Millionen Euro. Viele Hotspots werden adressiert, dazu zählt das Thema Datenschutz. Die Konfliktfreiheit von Rohstoffen wird aufgegriffen.

Zu kurz kommt das Thema erneuerbare Energien, denn die Fortschrittsprosa der Unternehmens erzählt uns ständig von der „umweltverträglichen" Digitalisierung – doch die hat einen immensen Verbrauch Seltener Erden und erzeugt immer neue Anlässe für einen hohen Energiebedarf. Zur Industrie 4.0 gibt's ein whitepaper der deutschen Industrie, das ist aber eher eine Werbebroschüre und kein wirklicher Dialog.

Fazit: Den optimalen Umgang mit Compliance hat Infineon nicht erfunden. Aber der Konzern steht im DAX auch nicht hinten an. „Nur" erhöhtes Investorenrisiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Erbschaftsteuer kennt Bedingungen

Zweites Grabmal steuerlich absetzen

Beerdigung. © Kzenon / stock.adobe.com
Nicht immer ist das erste Grabmal eines Verstorbenen auch sein letztes. Wer internationale Wurzeln hat, wird möglicherweise später in sein Heimatland umgebettet. Das hat Implikationen für die Erbschaftssteuer, ist aber auch an Bedingungen geknüpft.
  • Fuchs plus
  • Gute-Laune-Nachrichten vom 16.05.2022

Erneuerbare Energien global auf dem Vormarsch

Mehrere Windräder auf einem Feld. © kamisoka / Getty Images / iStock
Trotz steigender Preise finden wir positive konjunkturelle Meldungen. Mit dabei: ein international steigender Prozentsatz erneuerbarer Energie, eine Region, die sogar eine negative CO2-Bilanz hat und einem Tourismus-Sektor, der kräftig in Schwung kommt.
  • Fuchs plus
  • Frankfurter Sparkasse 1822 / Frankfurter Bankgesellschaft (Deutschland) AG, Stiftungsmanagement 2022, Auswahlrunde

Unglücklicher Mischmasch

Wie schlagen sich Frankfurter Sparkasse und Frankfurter Bankgesellschaft im Markttest Stiftung? © styleuneed / fotolia.com
Frankfurter Sparkasse und Frankfurter Bankgesellschaft reichen einen gemeinsamen Vorschlag für die Neugründung der Stiftung ein. Warum, wird dem Leser zumindest anfänglich nicht recht klar. Auf der Website der Bankgesellschaft wird dann erhellt, dass sie „die Privatbank“ der Sparkassen-Finanzgruppe sei. „Wir stehen für traditionelle Werte und vertrauensvolle Kundenbeziehungen – über Generationen hinweg.“ Ok, mal sehen, ob sie dieses Versprechen halten können.
Neueste Artikel
  • Editorial

Angriff der Neobroker

FUCHS-Broker Chefredakteur Stefan Ziermann. (c) Verlag Fuchsbriefe
Die Neobroker rollen den Markt in Deutschland auf. Scalable, Trade Republic und Co. werben omnipräsent und mit großen Budgets um die Gunst der Anleger. Viele klassische Broker scheinen neben den Angreifern fast zu "verzwergen". Doch was ist vom Angebot der Neobroker zu halten und für welche Anleger sind klassische Anbieter die bessere Wahl? Diesen Fragen gehen wir in unserem Mystery-Shopping nach und dokumentieren es im FUCHS Broker-Rating 2022.
  • Fuchs plus
  • Der Broker-Testfall 2022

Neobroker oder Klassiker?

Ein Aktienchart schimmert aus einem Tablet empor. © Sitthiphong / Getty Images / iStock
Die Deutschen entdecken so langsam die Börse. Einen wesentlichen Anteil daran haben die Neobroker. Sie erleichtern vielen Interessierten den Zugang zur Börse, machen ihn gerade zu zu einem Kinderspiel. Und sie sind sehr präsent in den Medien. Wer sich für Börse interessiert und in den Markt einsteigen will, kommt fast nicht an den Neobrokern vorbei. Die Frage ist aber: Sind die klassischen Broker die besseren Anbieter?
  • Fuchs plus
  • Führungskraft ohne Personalkompetenz

Arbeitgeber kann Führungskraft problemlos versetzen

Zwei Personen sitzen sich gegenüber. © vchalup / stock.adobe.com
Eine Führungskraft in einem Betrieb hat eigentlich auch Personalverantwortung. Wenn es aber ausschließlich um eine fachliche Leitungsaufgabe geht, hat dann der Betriebsrat überhaupt eine Beteiligungsrecht?
Zum Seitenanfang