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Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Lufthansa: Schlimmer geht’s immer - aber nicht viel

Bei der Deutsche Lufthansa tragen Investoren aus Compliancesicht ein sehr hohes Risiko.
Bei der Übernahme der AirBerlin hat die Deutsche Lufthansa noch einmal ihre Wettbewerbsstellung deutlich gestärkt. Doch so wenig Rücksicht sie auf Ex-Kunden von Air Berlin genommen hat, so wenig nimmt sie auf Investoren Rücksicht, die sich genauer über die Compliance-Maßnahmen des Flugunternehmens informieren wollen.

Die Lufthansa ist eines der wenigen weltweit führenden Luftfahrtunternehmen, das nicht direkt vom Staat unterstützt wird. Das ist besonders bei den außereuropäischen Konkurrenten anders, die teilweise in Staatsbesitz sind. Ein ungleiches Rennen, in dem vom Einkauf bis zum operativen Geschäft mit harten Bandagen gekämpft wird. Ob sich die Lufthansa deshalb nicht mal einen Verhaltenskodex leistet? Oder ist der geheim? Aber was will das Unternehmen dem Investor damit sagen?

Unterirdisch schlecht ist der Lieferantenkodex. Dabei könnte sich die private Lufthansa damit positiv von den Staatsairlines abheben. Immerhin, bei der Risikodarstellung leistet sich die Lufthansa Offenheit. Aber beim Thema CO2 ist sie wenig selbstkritisch: 30 Millionen Liter Kerosin verbraucht sie pro Tag und schädigt mit ihren Emissionen die Atmosphäre.

Verhaltenskodex

Nach allen öffentlich zugänglichen Informationen hat das Unternehmen keinen Verhaltenskodex. Nicht einmal die gesonderte „Compliance" Website benennt einen solchen. Auch die Fachzeitschrift Compliance Manager (2016) meldet: Nichts. Das gibt Null Punkte. 

Lieferantenkodex

Auch hier Fehlanzeige: Kein öffentlich zugänglicher Supplier Code. Im Nachhaltigkeitsbericht 2016 (S. 28) findet sich zwar ein Hinweis auf eine Konzerneinkaufsrichtlinie, die seit Mai 2013 Lieferanten vorschreibt, sich zu sozialer und ökologischer Verantwortung zu verpflichten.

Dort wird auch vermerkt, dass die zehn Prinzipien des UN Global Compact eingehalten werden müssen und die Lufthansa Group Lieferanten durch Audits prüft. Die Richtlinie selbst war weder über Google noch über die Lufthansa-eigene Suchmaschine zu finden. Das ist sehr dürftig.

CMS Compliance-Management-System

Die Informationen sind sehr knapp. Die Unterseite auf der Homepage beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Zusammenfassung der Compliance-Richtlinie. Im Übrigen wird nur recht allgemein über Compliance berichtet. So fehlt vor allem eine konkrete Darstellung der Struktur und Arbeitsweise des Compliance Management Systems. Keine Angaben zur Personalstärke. Zu Gute halten muss man, dass im Risikobericht Verstöße gegen Compliance Anforderungen bewertet und beschrieben werden. Und es wird offen angesprochen, dass man mit der Compliance Risikoanalyse noch nicht ganz fertig geworden ist (Nachhaltigkeitsbericht). Gute Darstellung der wichtigsten Compliance-Risiken (Korrution, Kartell in Oligopol-Märkten). 2016 haben rund 20.000 Mitarbeiter weltweit die für sie relevanten eCompliance-Schulungen absolviert.

Manchmal macht es sich die Lufthansa leicht: Sie stellt einfach Teile der Geschenkerichtlinie ins Internet und wendet sich mit demselben Text an einen externen Adressatenkreis: „Sollten Sie Fragen oder Zweifel im Umgang mit Zuwendungen oder Sponsoringverträgen haben, wenden Sie sich bitte zunächst an Ihren Vorgesetzten. Darüber hinaus können Sie sich an das Compliance Office oder die Compliance Beauftragten der jeweiligen Rechtsabteilungen wenden."

Kommunikation 

Auch der Weihnachtsmann fliegt gern mal mit der Lufthansa: Solche lockeren Geschichten bestimmen die Anmutung der Homepage. Leicht zu finden sind auch Themen wie Pilotenstreiks und die Haltung des Vorstands dazu. Bei kontroversen Themen wie Lärmschutz, Nachtflugverbote, CO2- Belastung sieht es dann schon schlechter aus. Die Suche nach „Biosprit" oder „Pflanzenöl", die als Kerosinersatz dem klimaschädlichen Spritverbrauch einen grünen Anstrich geben sollen, meldet: keine Treffer.

Das wundert dann schon. Wettbewerber werden für Subventionen angeprangert, obwohl die Lufthansa selbst im Glashaus sitzt. Auch die Umstellung auf Billiglinien wie Germanwings wird nicht ausgeführt.

Fazit: Doppel D als Ratingstufe ist hier keine Körbchengröße, sondern Ausdruck eines hohen Investorenrisikos aus Compliancesicht.
Nummer vier – von hinten.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

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