Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1339
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Lufthansa: Schlimmer geht’s immer - aber nicht viel

Bei der Deutsche Lufthansa tragen Investoren aus Compliancesicht ein sehr hohes Risiko.
Bei der Übernahme der AirBerlin hat die Deutsche Lufthansa noch einmal ihre Wettbewerbsstellung deutlich gestärkt. Doch so wenig Rücksicht sie auf Ex-Kunden von Air Berlin genommen hat, so wenig nimmt sie auf Investoren Rücksicht, die sich genauer über die Compliance-Maßnahmen des Flugunternehmens informieren wollen.

Die Lufthansa ist eines der wenigen weltweit führenden Luftfahrtunternehmen, das nicht direkt vom Staat unterstützt wird. Das ist besonders bei den außereuropäischen Konkurrenten anders, die teilweise in Staatsbesitz sind. Ein ungleiches Rennen, in dem vom Einkauf bis zum operativen Geschäft mit harten Bandagen gekämpft wird. Ob sich die Lufthansa deshalb nicht mal einen Verhaltenskodex leistet? Oder ist der geheim? Aber was will das Unternehmen dem Investor damit sagen?

Unterirdisch schlecht ist der Lieferantenkodex. Dabei könnte sich die private Lufthansa damit positiv von den Staatsairlines abheben. Immerhin, bei der Risikodarstellung leistet sich die Lufthansa Offenheit. Aber beim Thema CO2 ist sie wenig selbstkritisch: 30 Millionen Liter Kerosin verbraucht sie pro Tag und schädigt mit ihren Emissionen die Atmosphäre.

Verhaltenskodex

Nach allen öffentlich zugänglichen Informationen hat das Unternehmen keinen Verhaltenskodex. Nicht einmal die gesonderte „Compliance" Website benennt einen solchen. Auch die Fachzeitschrift Compliance Manager (2016) meldet: Nichts. Das gibt Null Punkte. 

Lieferantenkodex

Auch hier Fehlanzeige: Kein öffentlich zugänglicher Supplier Code. Im Nachhaltigkeitsbericht 2016 (S. 28) findet sich zwar ein Hinweis auf eine Konzerneinkaufsrichtlinie, die seit Mai 2013 Lieferanten vorschreibt, sich zu sozialer und ökologischer Verantwortung zu verpflichten.

Dort wird auch vermerkt, dass die zehn Prinzipien des UN Global Compact eingehalten werden müssen und die Lufthansa Group Lieferanten durch Audits prüft. Die Richtlinie selbst war weder über Google noch über die Lufthansa-eigene Suchmaschine zu finden. Das ist sehr dürftig.

CMS Compliance-Management-System

Die Informationen sind sehr knapp. Die Unterseite auf der Homepage beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Zusammenfassung der Compliance-Richtlinie. Im Übrigen wird nur recht allgemein über Compliance berichtet. So fehlt vor allem eine konkrete Darstellung der Struktur und Arbeitsweise des Compliance Management Systems. Keine Angaben zur Personalstärke. Zu Gute halten muss man, dass im Risikobericht Verstöße gegen Compliance Anforderungen bewertet und beschrieben werden. Und es wird offen angesprochen, dass man mit der Compliance Risikoanalyse noch nicht ganz fertig geworden ist (Nachhaltigkeitsbericht). Gute Darstellung der wichtigsten Compliance-Risiken (Korrution, Kartell in Oligopol-Märkten). 2016 haben rund 20.000 Mitarbeiter weltweit die für sie relevanten eCompliance-Schulungen absolviert.

Manchmal macht es sich die Lufthansa leicht: Sie stellt einfach Teile der Geschenkerichtlinie ins Internet und wendet sich mit demselben Text an einen externen Adressatenkreis: „Sollten Sie Fragen oder Zweifel im Umgang mit Zuwendungen oder Sponsoringverträgen haben, wenden Sie sich bitte zunächst an Ihren Vorgesetzten. Darüber hinaus können Sie sich an das Compliance Office oder die Compliance Beauftragten der jeweiligen Rechtsabteilungen wenden."

Kommunikation 

Auch der Weihnachtsmann fliegt gern mal mit der Lufthansa: Solche lockeren Geschichten bestimmen die Anmutung der Homepage. Leicht zu finden sind auch Themen wie Pilotenstreiks und die Haltung des Vorstands dazu. Bei kontroversen Themen wie Lärmschutz, Nachtflugverbote, CO2- Belastung sieht es dann schon schlechter aus. Die Suche nach „Biosprit" oder „Pflanzenöl", die als Kerosinersatz dem klimaschädlichen Spritverbrauch einen grünen Anstrich geben sollen, meldet: keine Treffer.

Das wundert dann schon. Wettbewerber werden für Subventionen angeprangert, obwohl die Lufthansa selbst im Glashaus sitzt. Auch die Umstellung auf Billiglinien wie Germanwings wird nicht ausgeführt.

Fazit: Doppel D als Ratingstufe ist hier keine Körbchengröße, sondern Ausdruck eines hohen Investorenrisikos aus Compliancesicht.
Nummer vier – von hinten.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Pictet & Cie (Schweiz) | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Gut aufgestelltes Portfolio, aber keine Kostentransparenz

Für die Genfer Bankiers von Pictet reicht es in TOPS 2020 zu einem Befriedigend als Gesamtnote.
Pictet scheint sehr von der eigenen Leistung eingenommen – das zeigen selbstbewusste Aussagen des Hauses gleich zu Beginn. An einigen Stellen ist das berechtigt, denn die Bank legt ein Portfolio vor, dass unser ETF-Portfolio in der Diversifizierung noch übertrifft. Doch der Mangel an Individualität und die unklaren Kosten sorgen dafür, dass wir uns mit diesem Vorschlag trotz hoher Portfolioqualität schwertun.
  • Fuchs plus
  • Sigma Bank | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Gut gedacht, aber nicht immer gut gemacht

Für die Sigmabank reicht es zu einem Gut in der Gesamtwertung. © Grafik: Verlag FUCHSBRIEFE
Die Sigma-Bank, ehemals die Private Banking-Abteilung der Volksbank Liechtenstein, kann gut und verständlich argumentieren. Das ist für wenig erfahrene Anleger sehr angenehm. Auch formal leistet sie gute Arbeit, etwa, in dem sie konsequent detaillierte Protokolle anfertigt und die Kundenrückmeldung sucht. Leider verschenkt sie dann aber in der konkreten Portfoliozusammenstellung deutlich Punkte.
  • Fuchs plus
  • Capitell Vermögens-Management AG | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Wichtige Standards verfehlt

Die Vermögensmanager von Capitell sind der Gesamtsicht befriedigend. Vermögensstrategie und Portfolioqualität hängen zurück. © Grafik: Verlag FUCHSBRIEFE
Bei Capitell hat uns das Beratungsgespräch vom deutlichen Mehrwert gegenüber dem Robo Advisor überzeugt. Im Anlagevorschlag sehen wir ebenfalls manches, was das Haus definitiv besser macht als der Algorithmus, insbesondere das Thema Nachhaltigkeit. Dafür stolpern wir über manch anderen Punkt und sehen entscheidende Marktstandards nicht erfüllt, was auch dazu führt, dass wichtige Fragen bei uns offen bleiben.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Wechselkursausblick für die Woche vom 24.01.2020 bis 31.01.2020

Währungen in der Seitwärtsrange

Die Währungspaare verlaufen weiter in engen Seitwärtsbändern. Agile Trader müssen hier sehr genau Ein- und Ausstiegspunkte ausmachen. Langfristige Anleger beobachten und halten die Füße still.
  • Fuchs plus
  • Berichte der regionalen Notenbanken der USA

Dollar unbewegt im konjunkturellen Mittelmaß

Der US-Präsident verfährt stets nach dem Motto: Wenn mich sonst schon keiner lobt, dann tue wenigstens ich es. So hat er es auch in Davos gehalten und von der US-Wirtschaft geschwärmt. Da ist ein Blick auf Zahlen und Indizes zur Wahrheitsfindung nützlich.
Zum Seitenanfang