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Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Merck hat zahlreiche blinde Flecken im Umgang mit der Compliance

Bei Merck tragen Investoren aus Compliancesicht ein noch mittleres, beinahe hohes Risiko.
Beim Verhaltenskodex und der Kommunikation zeigt Merck durchaus gute Ansätze. Leider gilt das nicht für alle Bereiche der Compliance gleichermaßen.

Merck hat sich in den letzten 18 Monaten so stark verändert wie lange nicht mehr. Vor allem durch die 13 Mrd. Euro teure Übernahme des amerikanischen Laborzulieferers Sigma-Aldrich Ende 2015. Aber Umbauten bergen auch immer neue Risiken, die man sich da möglicherweise eingekauft hat. Und in Deutschland werden dem Labormedizinmarkt immerhin kartellähnliche Strukturen nachgesagt. Prompt rügt die EU Kommission Merck wegen einer „Verpackungstechnologie, die von Sigma-Aldrich entwickelt wurde."

Leider will Merck „den Sachverhalt zu diesem Zeitpunkt nicht weiter kommentieren." Merck war in den letzten Jahren mehrmals wegen Absprachen in der Preisbildung sowie in der Abwehr von Generika in der Kritik. Für einen Pharmakonzern ist Merck aber ziemlich offen und geht auf ausgewählte Hotspot Themen ein.

Verhaltenskodex

Ein solider, ausführlicher und ansprechend gestalteter Verhaltenskodex, der die wesentlichen Standardthemen teils umfangreich abdeckt und in acht (!) Sprachen erhältlich ist. So soll es sein. Dennoch, ein bisschen in die Jahre ist der COC schon gekommen (letzte Aktualisierung im August 2008): Es grüßt ein alter Vorstand und auch das Firmenlogo sieht heute anders aus. Die Regelungen sind recht ausführlich, nicht zu juristisch und einigermaßen anschaulich, einige Beispiele zu konkreten Situationen wären aber wünschenswert. 

Lieferantenkodex

Es finden sich Licht und Schatten. Das Dokument ist nur auf Englisch und Spanisch erhältlich, nicht auf Deutsch. Die üblichen Themen werden oft mit nur ein, zwei Sätzen näher erklärt. Bei den Arbeitsbestimmungen ist der Ton richtig: „Suppliers shall ensure that no form of forced, bonded or involuntary labor is used".

Schwach ist er bei den Überwachungsmaßnahmen und den Vorgaben für Sublieferanten. Hierzu findet sich nur folgendes: „Suppliers shall further impose these compliance principles to their Business Partners." Da hätte das Unternehmen genauer sein müssen. Es fehlen ebenfalls Informationen zu Sanktionen bei Verstößen. Dies ist eine verpasste Chance, Informationen hierüber im Nachhaltigkeitsbericht gleichen das nicht aus.

CMS Compliance-Management-System

Die Informationen muss man sich mühsam zusammensuchen. Immerhin enthält der Corporate Responsibility Bericht 2016 einen Abschnitt zu Compliance. Trotzdem ist es sehr defensiv, nur in diesem Bericht über die Unternehmenscompliance zu informieren. Wer Compliance-Chef ist, hält das Unternehmen geheim, er dürfte beim Group Legal & Compliance angesiedelt sein und unterrichtet regelmäßig die Geschäftsleitung und den Aufsichtsrat über den Status der Aktivitäten, Compliance-Risiken sowie schwerwiegende Compliance-Verstöße. Trotz ansprechendem CSR Bericht besteht bei Merck ein erhebliches Verbesserungspotenzial bei der Darstellung. 

Kommunikation 

Die Informationen muss man sich mühsam zusammensuchen. Immerhin enthält der Corporate Responsibility Bericht 2016 einen Abschnitt zu Compliance. Trotzdem ist es sehr defensiv, nur in diesem Bericht über die Unternehmenscompliance zu informieren. Wer Compliance-Chef ist, hält das Unternehmen geheim, er dürfte beim Group Legal & Compliance angesiedelt sein und unterrichtet regelmäßig die Geschäftsleitung und den Aufsichtsrat über den Status der Aktivitäten, Compliance-Risiken sowie schwerwiegende Compliance-Verstöße. Trotz ansprechendem CSR Bericht besteht bei Merck ein erhebliches Verbesserungspotenzial bei der Darstellung.

Radioaktive Abfälle und Kernenergie finden in der Berichterstattung kaum statt. Vergeblich sucht man nach Infos zum „Luxemburg-Leaks", der unschönen Steuervermeidung des Konzerns. Das Marketingdeutsch ist teilweise furchtbar. Beispiel: Mit dem „Predictive Maintenance Ansatz" will E.ON „einen maßgeblichen und revolutionären ‚Step Change' für das Asset Management vorantreiben." Was bitte?

Fazit: Viele blinde Flecken im Umgang mit Compliance. Da muss man gar nicht viel forschen, sondern einfach beim Wettbewerb abkupfern. Solange gilt: erhöhtes Investorenrisiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

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