Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1210
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Merck hat zahlreiche blinde Flecken im Umgang mit der Compliance

Bei Merck tragen Investoren aus Compliancesicht ein noch mittleres, beinahe hohes Risiko.
Beim Verhaltenskodex und der Kommunikation zeigt Merck durchaus gute Ansätze. Leider gilt das nicht für alle Bereiche der Compliance gleichermaßen.

Merck hat sich in den letzten 18 Monaten so stark verändert wie lange nicht mehr. Vor allem durch die 13 Mrd. Euro teure Übernahme des amerikanischen Laborzulieferers Sigma-Aldrich Ende 2015. Aber Umbauten bergen auch immer neue Risiken, die man sich da möglicherweise eingekauft hat. Und in Deutschland werden dem Labormedizinmarkt immerhin kartellähnliche Strukturen nachgesagt. Prompt rügt die EU Kommission Merck wegen einer „Verpackungstechnologie, die von Sigma-Aldrich entwickelt wurde."

Leider will Merck „den Sachverhalt zu diesem Zeitpunkt nicht weiter kommentieren." Merck war in den letzten Jahren mehrmals wegen Absprachen in der Preisbildung sowie in der Abwehr von Generika in der Kritik. Für einen Pharmakonzern ist Merck aber ziemlich offen und geht auf ausgewählte Hotspot Themen ein.

Verhaltenskodex

Ein solider, ausführlicher und ansprechend gestalteter Verhaltenskodex, der die wesentlichen Standardthemen teils umfangreich abdeckt und in acht (!) Sprachen erhältlich ist. So soll es sein. Dennoch, ein bisschen in die Jahre ist der COC schon gekommen (letzte Aktualisierung im August 2008): Es grüßt ein alter Vorstand und auch das Firmenlogo sieht heute anders aus. Die Regelungen sind recht ausführlich, nicht zu juristisch und einigermaßen anschaulich, einige Beispiele zu konkreten Situationen wären aber wünschenswert. 

Lieferantenkodex

Es finden sich Licht und Schatten. Das Dokument ist nur auf Englisch und Spanisch erhältlich, nicht auf Deutsch. Die üblichen Themen werden oft mit nur ein, zwei Sätzen näher erklärt. Bei den Arbeitsbestimmungen ist der Ton richtig: „Suppliers shall ensure that no form of forced, bonded or involuntary labor is used".

Schwach ist er bei den Überwachungsmaßnahmen und den Vorgaben für Sublieferanten. Hierzu findet sich nur folgendes: „Suppliers shall further impose these compliance principles to their Business Partners." Da hätte das Unternehmen genauer sein müssen. Es fehlen ebenfalls Informationen zu Sanktionen bei Verstößen. Dies ist eine verpasste Chance, Informationen hierüber im Nachhaltigkeitsbericht gleichen das nicht aus.

CMS Compliance-Management-System

Die Informationen muss man sich mühsam zusammensuchen. Immerhin enthält der Corporate Responsibility Bericht 2016 einen Abschnitt zu Compliance. Trotzdem ist es sehr defensiv, nur in diesem Bericht über die Unternehmenscompliance zu informieren. Wer Compliance-Chef ist, hält das Unternehmen geheim, er dürfte beim Group Legal & Compliance angesiedelt sein und unterrichtet regelmäßig die Geschäftsleitung und den Aufsichtsrat über den Status der Aktivitäten, Compliance-Risiken sowie schwerwiegende Compliance-Verstöße. Trotz ansprechendem CSR Bericht besteht bei Merck ein erhebliches Verbesserungspotenzial bei der Darstellung. 

Kommunikation 

Die Informationen muss man sich mühsam zusammensuchen. Immerhin enthält der Corporate Responsibility Bericht 2016 einen Abschnitt zu Compliance. Trotzdem ist es sehr defensiv, nur in diesem Bericht über die Unternehmenscompliance zu informieren. Wer Compliance-Chef ist, hält das Unternehmen geheim, er dürfte beim Group Legal & Compliance angesiedelt sein und unterrichtet regelmäßig die Geschäftsleitung und den Aufsichtsrat über den Status der Aktivitäten, Compliance-Risiken sowie schwerwiegende Compliance-Verstöße. Trotz ansprechendem CSR Bericht besteht bei Merck ein erhebliches Verbesserungspotenzial bei der Darstellung.

Radioaktive Abfälle und Kernenergie finden in der Berichterstattung kaum statt. Vergeblich sucht man nach Infos zum „Luxemburg-Leaks", der unschönen Steuervermeidung des Konzerns. Das Marketingdeutsch ist teilweise furchtbar. Beispiel: Mit dem „Predictive Maintenance Ansatz" will E.ON „einen maßgeblichen und revolutionären ‚Step Change' für das Asset Management vorantreiben." Was bitte?

Fazit: Viele blinde Flecken im Umgang mit Compliance. Da muss man gar nicht viel forschen, sondern einfach beim Wettbewerb abkupfern. Solange gilt: erhöhtes Investorenrisiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Capitell Vermögens-Management AG | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Wichtige Standards verfehlt

Die Vermögensmanager von Capitell sind der Gesamtsicht befriedigend. Vermögensstrategie und Portfolioqualität hängen zurück. © Grafik: Verlag FUCHSBRIEFE
Bei Capitell hat uns das Beratungsgespräch vom deutlichen Mehrwert gegenüber dem Robo Advisor überzeugt. Im Anlagevorschlag sehen wir ebenfalls manches, was das Haus definitiv besser macht als der Algorithmus, insbesondere das Thema Nachhaltigkeit. Dafür stolpern wir über manch anderen Punkt und sehen entscheidende Marktstandards nicht erfüllt, was auch dazu führt, dass wichtige Fragen bei uns offen bleiben.
  • Fuchs plus
  • Zahlungsanspruch wird zu Kredit

Pflichtteilsverzicht mit Auflagen kann steuerlich ins Auge gehen

Der Verzicht auf den Pflichtteil beim Erbe gegen Geldzahlung ist nicht so selten. Und steuerlich kein Problem. Was aber, wenn die Geldzahlung erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt und obendrein verzinst wird? Damit hatten sich jetzt Deutschlands oberste Finanzrichter zu beschäftigen.
  • Fuchs plus
  • Kapitaleinkünfte

Beim Veranlagungswahlrecht aufpassen

Sie haben die Wahl, Kapitaleinkünfte in der ESt-Erklärung anzugeben, die bereits der Kapitalertragsteuer unterlegen haben. Hier sollten Sie aber nicht zu lange zögern. Das Wahlrecht gilt zwar zeitlich unbefristet. Doch es gibt ein Aber …
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Beim Soli-Zahlen sind nicht alle gleich

Bundesfinanzhof erlaubt Ungleichbehandlung

Nun sind wir auch beim Soli-Zahlen eine bunte Republik: Nicht nur, dass der Solidaritätszuschlag nur noch von den vermeintlich besonders starken Schultern aufgebracht wird - auch unter denen gibt es Unterschiede, die hinzunehmen sind. Sagen die obersten Finanzrichter Deutschlands.
  • Fuchs plus
  • Lloyds Bank zeigt auf, wie Banken künftig "nachhaltige Kredite" vergeben wollen

Schwere Zeiten für energiehungrige Unternehmen

Der Druck auf energieintensive Unternehmen und ihre Finanzierer steigt. Immer mehr Banken steigen daher auf grüne Geschäftsmodelle um. Für die Unternehmen hat das mittelfristig gravierende Folgen.
  • Fuchs plus
  • Optimierungsbedarf bei mobilen Geräten im Lager

Handhelds: Wer ist schuld an vielen Ausfällen?

Handhelds sind an sich eine gute Sache. Aber wer die kleinen mobile Geräte im Lager einsetzt, muss mit technischen Ausfällen rechnen. Davor warnt ausgerechnet ein Hersteller. Aber oft sind auch die Mitarbeiter schuld.
Zum Seitenanfang