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Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Vonovia schießt den Vogel ab

Vonovia ist ein mittelständisches Unternehmen, das schnell in den DAX hinein gewachsen ist. Zu schnell offenbar, um die eigenen Compliance-Maßnahmen transparent und investorenfreundlich darzustellen.

Von einem DAX-Konzern, der ein 27 Milliarden Euro schweres Portfolio und 340.000 Wohneinheiten verwaltet, muss man mehr verlangen. Vonovia erinnert an eine Wehrburg, die nur langsam eine Zugbrücke runterlässt, aber am liebsten schweigt. Etwa zum Greenfell Tower Brand in London. Da erwartet man Aufklärung über die Fassadendämmung bei Vonovia.

Ein Wirtschaftsmagazin recherchierte, dass Vonovia ungehemmt unterhalb der Hochhausgrenze von 22 Metern den giftigen Baustoff Polystyrol verwendet: „Vonovia verfolge die derzeitige Diskussion über Brandgefahren durch Polystyrol-gedämmte Fassaden ‚mit hohem Interesse'". Stille auch bei den unternehmerischen Risiken, die bei der Reputation, der Niedrigzinsphase und der Regulatorik zu sehen sind. Das Standard & Poor's-Rating für die Verschuldung beträgt BBB+, das Compliance Rating liegt bei D.

Verhaltenskodex

Der Verhaltenskodex ist nicht zugänglich und kann daher nicht im Einzelnen geprüft werden. Immerhin scheint es einen zu geben, denn 2010 will man im Rahmen einer Betriebsvereinbarung einen Kodex eingeführt haben. Warum ist er geheim? Die Homepage speist den Leser mit diesem schmalen Satz ab: „In dieser verbindlichen Richtlinie sind Aspekte wie Verhalten, Korruptionsprävention, Interessenkonflikte, Schutz von Informationen und Daten, Diskriminierung, Umweltschutz und Schutz des Firmeneigentums geregelt. Üblicherweise deckt der Verhaltenskodex an die dreißig Themenfelder ab. Mangelhaft, daher null Punkte. 

Lieferantenkodex

Der Lieferantenkodex behandelt auf einer Seite kaum Themen, die üblicherweise in einem Lieferantenkodex zu erwarten sind. Der Eindruck entsteht, dass Vonovia sich überwiegend mit sich selbst beschäftigt, da es nur Vorschriften für Lieferanten gibt, die sich auf Abrechnungen und Geschäftspraktiken beziehen. Zu Fragen von Arbeitsschutz oder auch Gebäudesicherheit findet sich hier nichts.

Ebenfalls sind keine Informationen zu Sublieferanten und Überwachungsmaßnahmen vorhanden. Es fehlen komplett Verweise auf Themen wie Umweltschutz, Vereinigungsfreiheit, Anti-Diskriminierung, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Arbeitszeiten, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Korruption, Wettbewerbsrecht. Da am Bau gern Billigarbeiter von Sub-Firmen eingesetzt werden, wundert es sehr, dass dies nicht ausdrücklich verboten ist und nicht sanktioniert wird.

CMS Compliance-Management-System

Vonovia hat zwar ein CMS, das es laut eigenen Angaben auch überprüfen lässt (nach IDW PS 980), aber es wird sehr wenig hierüber geschrieben. Zum Download für Mitarbeiter oder gar Investoren ist es nicht verfügbar. Die mageren Angaben sind nicht geeignet, um sich ein Bild über die Compliance-Organisation zu machen. Es ist zwar von einem internen Kontrollsystem die Rede, aber ob es Compliance inkludiert, erschließt sich nicht. Keine konkreten Compliance-Risiken im Lagebericht.

Kommunikation 

Die Website ist für einen DAX Konzern eindeutig zu wenig. Da hat manch mittlere Wohnungsverwaltung mehr zu bieten. Immerhin veröffentlichte Vonovia 2016 zum zweiten Mal nach 2015 einen Nachhaltigkeitsbericht - mit Kennzahlen für das Vorjahr, aber weder ist eine Entwicklung der Zahlen ablesbar, noch ist eine Umweltstrategie erkennbar.

Auf einschlägigen Internetforen tauschen sich die User über Vonovia vor allem über ungerechtfertigte Mieterhöhungen, niedrige Instandhaltungsstandards, nicht-tarifliche Entlohnung der Mitarbeiter und schikanösen Umgang mit Kunden aus. Dagegen hat das Unternehmen die Anzahl ihrer Kundenservice Mitarbeiter zwar erhöht und einen Customer Satisfaction Index als KPI eingeführt, dessen genaue Parameter aber unbekannt bleiben.

Fazit: Das Potenzial bei Vonovia ist einfach gigantisch ... was die Verbesserungsmöglichkeiten im sichtbaren Umgang mit Compliance angeht. Bis dahin: hohes Investorenrisiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

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