Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2751
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Vonovia schießt den Vogel ab

Die letzten werden die Ersten sein. Darauf muss Vonovia langfristig hoffen. Immerhin: Das Unternehmen kann in Sachen Compliance-Transparenz eine Menge tun.
Vonovia ist ein mittelständisches Unternehmen, das schnell in den DAX hinein gewachsen ist. Zu schnell offenbar, um die eigenen Compliance-Maßnahmen transparent und investorenfreundlich darzustellen.

Von einem DAX-Konzern, der ein 27 Milliarden Euro schweres Portfolio und 340.000 Wohneinheiten verwaltet, muss man mehr verlangen. Vonovia erinnert an eine Wehrburg, die nur langsam eine Zugbrücke runterlässt, aber am liebsten schweigt. Etwa zum Greenfell Tower Brand in London. Da erwartet man Aufklärung über die Fassadendämmung bei Vonovia.

Ein Wirtschaftsmagazin recherchierte, dass Vonovia ungehemmt unterhalb der Hochhausgrenze von 22 Metern den giftigen Baustoff Polystyrol verwendet: „Vonovia verfolge die derzeitige Diskussion über Brandgefahren durch Polystyrol-gedämmte Fassaden ‚mit hohem Interesse'". Stille auch bei den unternehmerischen Risiken, die bei der Reputation, der Niedrigzinsphase und der Regulatorik zu sehen sind. Das Standard & Poor's-Rating für die Verschuldung beträgt BBB+, das Compliance Rating liegt bei D.

Verhaltenskodex

Der Verhaltenskodex ist nicht zugänglich und kann daher nicht im Einzelnen geprüft werden. Immerhin scheint es einen zu geben, denn 2010 will man im Rahmen einer Betriebsvereinbarung einen Kodex eingeführt haben. Warum ist er geheim? Die Homepage speist den Leser mit diesem schmalen Satz ab: „In dieser verbindlichen Richtlinie sind Aspekte wie Verhalten, Korruptionsprävention, Interessenkonflikte, Schutz von Informationen und Daten, Diskriminierung, Umweltschutz und Schutz des Firmeneigentums geregelt. Üblicherweise deckt der Verhaltenskodex an die dreißig Themenfelder ab. Mangelhaft, daher null Punkte. 

Lieferantenkodex

Der Lieferantenkodex behandelt auf einer Seite kaum Themen, die üblicherweise in einem Lieferantenkodex zu erwarten sind. Der Eindruck entsteht, dass Vonovia sich überwiegend mit sich selbst beschäftigt, da es nur Vorschriften für Lieferanten gibt, die sich auf Abrechnungen und Geschäftspraktiken beziehen. Zu Fragen von Arbeitsschutz oder auch Gebäudesicherheit findet sich hier nichts.

Ebenfalls sind keine Informationen zu Sublieferanten und Überwachungsmaßnahmen vorhanden. Es fehlen komplett Verweise auf Themen wie Umweltschutz, Vereinigungsfreiheit, Anti-Diskriminierung, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, Arbeitszeiten, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Korruption, Wettbewerbsrecht. Da am Bau gern Billigarbeiter von Sub-Firmen eingesetzt werden, wundert es sehr, dass dies nicht ausdrücklich verboten ist und nicht sanktioniert wird.

CMS Compliance-Management-System

Vonovia hat zwar ein CMS, das es laut eigenen Angaben auch überprüfen lässt (nach IDW PS 980), aber es wird sehr wenig hierüber geschrieben. Zum Download für Mitarbeiter oder gar Investoren ist es nicht verfügbar. Die mageren Angaben sind nicht geeignet, um sich ein Bild über die Compliance-Organisation zu machen. Es ist zwar von einem internen Kontrollsystem die Rede, aber ob es Compliance inkludiert, erschließt sich nicht. Keine konkreten Compliance-Risiken im Lagebericht.

Kommunikation 

Die Website ist für einen DAX Konzern eindeutig zu wenig. Da hat manch mittlere Wohnungsverwaltung mehr zu bieten. Immerhin veröffentlichte Vonovia 2016 zum zweiten Mal nach 2015 einen Nachhaltigkeitsbericht - mit Kennzahlen für das Vorjahr, aber weder ist eine Entwicklung der Zahlen ablesbar, noch ist eine Umweltstrategie erkennbar.

Auf einschlägigen Internetforen tauschen sich die User über Vonovia vor allem über ungerechtfertigte Mieterhöhungen, niedrige Instandhaltungsstandards, nicht-tarifliche Entlohnung der Mitarbeiter und schikanösen Umgang mit Kunden aus. Dagegen hat das Unternehmen die Anzahl ihrer Kundenservice Mitarbeiter zwar erhöht und einen Customer Satisfaction Index als KPI eingeführt, dessen genaue Parameter aber unbekannt bleiben.

Fazit: Das Potenzial bei Vonovia ist einfach gigantisch ... was die Verbesserungsmöglichkeiten im sichtbaren Umgang mit Compliance angeht. Bis dahin: hohes Investorenrisiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Juristische Hindernisse stehen nach Zeitungsbericht im Weg

M.M. Warburg: Cum-Ex-Mitarbeiter bleiben vorerst an Bord

Seit vielen Monaten ist die Hamburger Privatbank M.M. Warburg mit der juristischen Aufarbeitung des Cum-Ex-Skandals belastet. Die Geister, die sie rief, wird sie nun nicht los.
  • Die Sozialstaats-Lobby ist viel zu mächtig

Deutschlands verkehrte Welt

FUCHSBRIEFE-Herausgeber Ralf Vielhaber. © Verlag FUCHSBRIEFE
Unser Staat gängelt die Leistungsträger und bemuttert die Leistungslosen. Bedingungsloses Grundeinkommen: Der Name ist Programm. Noch wurde es im Gesetzgebungsverfahren abgelehnt. Doch schon das Bürgergeld führt in die falsche Richtung.
  • "Wir machen Qualität im Private Banking transparent"!

FUCHS|RICHTER: 20 Jahre und kein bisschen leise

20 Jahre FUCHS|RICHTER Prüfinstanz. © erstellt mit Canva
20 Jahre und kein bisschen leise – die FUCHS|RICHTER Prüfinstanz feiert Jubiläum. Seit 20 Jahren machen Fuchsbriefe Verlagschef Ralf Vielhaber und der geschäftsführende Gesellschafter des IQF, Dr. Jörg Richter, Qualität im Private Banking transparent. Es profitieren nicht nur vermögende Privatanleger, sondern auch Stiftungen und Kleinanleger.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Neuer Energiepartner Europas

Ägypten zieht Investoren an

Blick über Kairo. © Ahmed Elsayed / stock.adobe.com
Für den Nil-Staat Ägypten fürchteten Beobachter Anfang des Jahres schlimme Versorgungsengpässe. Dank einer Reihe von Maßnahmen sind diese bislang nicht eingetreten. Im Gegenteil: Ägypten zieht verstärkt internationale Konzerne an.
  • Fuchs plus
  • Bürgerkriegsrisiko stark angestiegen

Sinkende Inflation ist Balsam für Südafrika

Kapstadt (c) michaeljung/Fotolia
Am Kap der Guten Hoffnung ist die soziale Spaltung extrem groß. Dass nun die Teuerungsraten fallen, ist daher Balsam für das Land und wichtig für den Frieden. Ein Restrisiko bleibt aber. Wer in das Land und seine Unternehmen investieren möchte, sollte das beachten.
  • Fuchs plus
  • Neue Spielräume für die Notenbank

Kanada-Inflation sinkt zweiten Monat in Folge

Kanada © Barbara Helgason / stock.adobe.com
Entgegen dem allgemeinen Trend scheint die Bank of Canada im Kampf gegen die Inflation die Oberhand zu gewinnen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Geldhüter und bietet eine interessante Anlageperspektive.
Zum Seitenanfang