Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
2107
EZB kapituliert vor Inflation

Unternehmen sollten Zwischentief bei den Zinsen nutzen

© RK MEDIA / stock.adobe.com
Am Donnerstag wird die EZB die Zinsen weiter anheben. Die Hoffnungen, das Zinshoch bald erreicht zu haben, sind aber auf Sand gebaut. Selbst wenn die EZB ihr Zinstempo drosselt, müssen sich Unternehmen auf steigende Finanzierungskonditionen einrichten.
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag die Zinsen weiter anheben. Die Markterwartung ist, dass die EZB den Leitzins "nur" noch um 50 Basispunkte nach oben zieht. Das wäre bereits eine Verlangsamung des Zinsanhebungstempos. Angesichts des bereits rückläufigen BIP-Zuwachses wäre die Drosselung nachvollziehbar. Immerhin ist das BIP in Deutschland im vierten Quartal nur mit 0,5% gewachsen (erwartet 0,8%).

EZB kapituliert vor Inflation

Mit Blick auf die Inflationsrate müsste die EZB aber deutlich aggressiver vorgehen. Im Dezember ist die Inflationsrate in der EU auf 10,4% gestiegen. Von Verlangsamung also noch keine Spur. In Deutschland lag die Inflationsrate zuletzt bei 7,9%. Ein Warnsignal für die EZB sollte auch die aktuelle Inflationsrate in Spanien sein. Die ist - entgegen der Erwartung der Geldhüter - überraschend auf 5,8% gestiegen. Im Vormonat lag sie noch bei 5,5%.

Die Hoffnungen, dass sich die Inflation bald beruhigen wird, sind auf Sand gebaut. Europa - und Deutschland vorweg - steht ein zweiter Inflationsschub bevor. Der kommt einerseits vom zweiten Strom- und Gaspreis-Schock (FB vom 26.01.). Hinzu werden die flächendeckend wirkenden Ergebnisse der Tarifverhandlungen kommen (FB vom 16.01.). Nicht zu unterschätzen ist auch, dass es vermutlich auch beim Ölpreis einen neuen Schub geben wird, der sich dann auf Diesel und Benzin auswirkt. Denn ab 5. Februar treten die Öl-Sanktionen gegen Russland in Kraft. 

Kredite für Unternehmen werden schon wieder teurer

Für Unternehmen, die eine Finanzierung suchen, wird die Lage dennoch vorübergehend besser. Am kurzen Ende ziehen die Zinsen weiter an. Bis zu einer Laufzeit von einem Jahr verteuern sich die Kreditkonditionen noch kräftig. Ab Laufzeiten von einem Jahr sind die Kreditkonditionen zuletzt sogar leicht gesunken. Hier haben sich der aufkeimende Konjunkturpessimismus und die fallenden Renditen bemerkbar gemacht. 

Die leichte Entspannung bei den Finanzierungskonditionen wird bald wieder verpuffen. Darauf deutet auch der Corporate Credit Index hin. Der zeigt die durchschnittlichen Finanzierungskonditionen für Unternehmen an (Zinsbindung 5 Jahre). Die Konditionen für Unternehmen sind zwischenzeitlich zwar von 4,33% auf 3,75% gesunken. Allerdings ziehen sie nun aber schon wieder an (akt. 4,04%). Im Januar 2022 lag der Zinssatz von bei 1,5%.

Finanzierungsumfeld im Trend schlechter

FUCHSBRIEFE gehen davon aus, dass das Finanzierungsumfeld für Unternehmen im Trend schlechter wird. Selbst wenn die EZB die Zinsen nur noch langsamer erhöht, wird sie dennoch das Zinsniveau anheben müssen. Die konjunkturelle Abkühlung wird parallel dazu führen, dass die Renditen etwas gebremst werden. Allerdings werden sie im Gefolge der weiter hohen und möglicherweise sogar ansteigenden Inflation weiter anziehen. Schwieriger wird auch der Kreditzugang. Solange die konjunkturellen Vorzeichen auf Abkühlung oder Stagnation stehen, werden die Banken ihre zuletzt kräftig angezogenen Kreditvergabestandards nicht lockern. 
Fazit: Der leichte Rückgang bei den mittel- und langfristigen Zinsen ist eine Finanzierungs-Opportunität. Stellen Sie sich auf weiter steigende Kreditzinsen und auf restriktivere Banken ein.
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Interesse an beruflichen Abschlüssen schwindet

Zahl der Ungelernten steigt

© Zina Seletskaya / stock.adobe.com
Der Ausbildungsmarkt zeigt einen tiefen Widerspruch. Es gibt eine Vielzahl nicht besetzter Ausbildungsstellen, viele Unternehmen suchen Fachkräfte - und dennoch wächst die Zahl derjenigen, die keinen Berufsabschluss haben. Aber ist das überhaupt ein Problem?
  • Fuchs plus
  • Doppelter Urlaubsanspruch bei unrechtmäßiger Kündigung?

Bundesarbeitsgericht löst auf

Bei einer zeitlichen Überschneidung einer rechtswidrigen Kündigung mit einer neuen Beschäftigung könnte theoretisch ein doppelter Urlaubsanspruch entstehen. Das Bundesarbeitsgericht musste jetzt entscheiden, wie damit umzugehen ist.
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Die Bank im Bistum Essen eG in der Ausschreibung

Die BiB ist kein Zug, auf den die Stiftung aufspringen will

Thumb Stiftungvermögen 2024. © Collage: Verlag FUCHSBRIEFE, Bild: envato elements
Die Bank im Bistum Essen (BiB) begrüßt die Stiftung Fliege, die ihre drei Millionen Euro Kapital neu anlegen will, mit einem überaus empathischen Schreiben. Sie bittet ausführlich um Entschuldigung, weil sie durch Krankheit bedingt nicht in der Lage gewesen sei, den erbetenen Anlagevorschlag fristgerecht einzureichen. Man fühlt sich ein wenig wie unter Freunden und möchte gern einen Sympathiebonus vergeben. Ob das nach Studium des Anlagevorschlags auch noch so ist, wird sich zeigen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Die Inflationsprognose der Fed

Inflation: Es sind die Löhne, Dummkopf

303.000 neue Jobs sind im März außerhalb der Landwirtschaft entstanden. 200.000 waren vom Markt erwartet worden. Zudem hat der Konsumentenpreisindex im März um 3,5% auf Jahresbasis zugelegt. Bei der Fed gehen deshalb die Warnsignale an. Die Fed Cleveland hat aufgedeckt, warum das so ist.
  • Fuchs plus
  • Europa schwächelt, China holt Schwung

Trendwende für den Yuan voraus

Das große Bild für den Wechselkurs von Euro und Yuan verändert sich. Die fundamentalen und geldpolitischen Faktoren in der Eurozone und in China deuten auf eine Trendwende bei EUR|CNY hin. Anleger und Unternehmer sollten das antizipieren.
  • Fuchs plus
  • Kasachstan bietet Anlegern Chancen

Kasachstan: Grüner Wasserstoff ist eine Zukunftstechnologie

Der laufende Rohstoff-Boom beschert Kasachstan sprudelnde Exporteinnahmen. Insbesondere Energieträger wie Uran, Öl und Destillate geben auch der Währung Schwung. Die Wirtschaft wächst mit mehr als 5% und der Realzins liegt bei über 5,5%. Wie können Anleger von den Chancen des Landes profitieren?
Zum Seitenanfang