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Zinsen

Der Fall Prokon

Anleger, die dem Windanlagenfinanzierer Prokon ihr Geld anvertraut haben, durchleben gerade unruhige Zeiten.
Anleger, die dem Windanlagenfinanzierer Prokon ihr Geld anvertraut haben, durchleben gerade unruhige Zeiten. Das Itzehoer Unternehmen hat am 22.01.2014 Insolvenz angemeldet. 1,4 Mrd. Euro, die Anleger dem Unternehmen als Genusskapital zur Verfügung gestellt haben, stehen jetzt im Feuer. Prokon reiht sich damit in die lange Liste der „Anlegerskandale“ ein. Ein Fall aus der Praxis Die Eheleute Bartols leben im Ruhestand. Ihr Vermögen reicht aus, um die Rentenzahlungen zu finanzieren. Mit den Zinsangeboten ihrer Hausbank waren sie zuletzt unzufrieden. Da kam das Angebot der Prokon Regenerative Energien gerade recht. Das Angebot lautete: Grundverzinsung von 6% pro Jahr – plus Gewinnbeteiligung, falls positive Geschäftsergebnisse erzielt werden. Auf 18 Jahre Erfahrung kann Prokon verweisen und seit mehr als 10 Jahren haben Anleger immer ihr Geld plus Zinsen zurück erhalten. Die Windkraftanlagen, in die das Geld investiert werden soll, erwirtschaften sichere Erträge wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Diese Eckdaten überzeugten die Eheleute. Sie zeichneten 100.000 EUR. Die Risikohinweise im Datenblatt zur Kapitalanlage nahmen die Bartols zur Kenntnis und stuften diese eher als „Beipackzettel“ ein. Nun gehören sie zum „Klub“ der 74.307 Prokon-Anleger (Stand 31.12.2013), die um ihr Geld bangen. Der Fall steht exemplarisch für viele Anlegerentscheidungen, die im aktuellen Zinsumfeld getroffen werden. Experten beschreiben die Situation als Anlagenotstand. Die Zinsen sind so gering, dass die Inflation nicht ausgeglichen wird. Da ist die Versuchung groß, sich von Angeboten zu angeblich sicheren Kapitalanlagen mit hohen Zinsen blenden zu lassen. Gut fährt, wer klaren Kopf behält und sich an die Grundlogik der Kapitalanlage erinnert. Es gilt: Höhere Zinsen gibt es nur, wenn höhere Risiken akzeptiert werden. Für deutsche Anleger ist die Rendite für Bundeswertpapiere der Maßstab für den „sicheren Zins“. Derzeit erhalten Anleger für eine einjährige Laufzeit eine Rendite von ca. 0,1%. Wem das zu wenig ist, muss sich Zusatzprämien holen. Die erste Prämie ist die Laufzeitprämie. Sind Anleger bereit, ihr Geld länger zu investieren, erhalten sie normalerweise eine höhere Rendite. Für die 10-jährige Anleihe gibt es derzeit ca. 1,66% p. a. Wer sein Geld statt für ein Jahr für zehn Jahre anlegt, erhält also 1,56% Laufzeitprämie. Zugleich steigt das Risiko. Denn erhöhen sich die Zinsen während der Anlagedauer, kommt es zu einem Kursrückgang bei der Anleihe. Wer dann verkauft, macht Verluste. Das Risiko ist kalkulierbar, denn bei Fälligkeit wird die Anleihe zurückgezahlt. Allerdings verzichtet der Anleger auf die Chance, beim Anstieg von höheren Zinsen zu profitieren. Die nächste Prämie ist die Kreditprämie. Je weniger solide der Herausgeber einer Anleihe ist, desto mehr Rendite darf der Anleger erwarten. Das (erhebliche) Risiko besteht darin, dass der Anleger die versprochenen Zinsen und Rückzahlungen nicht oder nur teilweise erhält. Ratingagenturen versuchen, dies mit Bonitätsnoten (z. B. „AAA“ bis „D“) aufzuzeigen. Wer sich für Griechenland statt die Bundesrepublik als Schuldner entscheidet, erhält für eine 10-Jahres-Anleihe eine Rendite von 6,5 % – und trägt das Risiko, dass Griechenland es nicht schafft, seine Staatsfinanzen zu sanieren. Mehr Ertrag gibt es auch mit der Illiquiditätsprämie. Wer darauf verzichtet, kurzfristig an sein Geld kommen zu können, kann von einem höheren Ertrag profitieren. Dazu zählen Mikrofinanzanlagen. Mit dem Geld der Anleger werden in Entwicklungsländern Kleinstunternehmer gefördert. Allerdings verpflichtet sich der Anleger, das Geld längerfristig ohne vorzeitige Rückgabemöglichkeit bereitzustellen. Solche Renditeaufschläge gibt es auch bei Immobilienanlagen, die eben „immobil“ sind. Prokon versprach seinen Anlegern für die Genussrechte bis Mitte Januar in etwa soviel, wie der Markt für eine 10-jährige Griechenland-Anleihe verlangt. Zugleich konnten Anleger kurzfristig ihr Geld zurückfordern – ohne Kursrisiko. Wer das Prinzip „sicherer Zins + Risikoprämie“ versteht, sieht, dass dieses Angebot kritisch zu beäugen ist.

Fazit: Wer mit derzeit 0,2% Rendite nicht zufrieden ist, muss die Restlaufzeit seiner Anlagen erhöhen, auf Solidität und Bonität der Emittenten verzichten und / oder bei der Liquidierbarkeit seiner Anlagen Abstriche machen. Anlagen wie PROKON, die mit viel Werbung hohe Zinsen versprechen, sollten Sie meiden!

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