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Kommt jetzt der Strafzins für Kleinsparer?

Von Arm zu Reich

Das Abschiedsgeschenk von Mario Draghi an die Märkte kann sich sehen lassen. Nochmal pumpt die Notenbank Geld nach, das eigentlich keiner braucht, das aber die Vermögenspreise weiter antreibt. Die Wirtschaft wird damit nicht befeuert, aber der Kleinsparer bestraft. Europa driftet in den Japan-Modus.

Jetzt wird es interessant – geben die Banken den nochmals (auf -0,5%) erhöhten Strafzins auch an die Kleinsparer weiter? Bisher haben die Geldhäuser jedenfalls keine erkennbare Vorsorge für entsprechende Barabhebungen der Kunden getroffen. Der Kassenbestand ist seit dem 2. Quartal 2018 weitgehend stabil.

Zumindest ein kleiner „bank-run" wäre aber die logische Folge. Denn unterm Kopfkissen oder im Sparstrumpf behält das Geld dann etwas mehr Wert als auf der Bank. Durch die Inflation verliert der Sparer sowieso.

Damit entwickelt sich Europa immer mehr auf das Japan-Szenario zu. Mit dauerhaften Nullzinsen, überteuerten Assetpreisen, Zombie-Unternehmen, anämisches Wachstum, wachsende Staatsschulden – kurz: eine Marktwirtschaft, bei der der Markt in die Brüche geht.

Hinweis: Anlegen im Japan-Modus ist auch der Titel unseres Buchs Anlagechancen 2020, das im Oktober erscheint. Vorbestellungen hier.

Die immer neuen Geldpakete schaffen kein Wirtschaftswachstum. Es mangelt nicht an Geld, sondern überall an personellen Kapazitäten und pfiffigen Ideen, um das viele Geld „umzusetzen". Bereits Wirtschaftsminister Karl Schiller wusste es: Man kann die Pferde nicht zum Saufen zwingen.

Tatsächlich betreibt die EZB Wechselkurspolitik. Damit stützt sie kurzfristig die Exportwirtschaft. Durch den ewigen Rückenwind verlernen die Unternehmen aber zunehmend zu laufen. Ihre Muskelkraft, die Wettbewerbsfähigkeit, erlahmt.

Die EZB treibt die Umverteilung von Arm zu reich voran

Und die EZB treibt (wie auch die Fed) die Umverteilung voran. Sie befördert damit die politische Disruption. Natürlich könnten auch Kleinsparer Aktien kaufen. Aber nur wer Vermögen hat, kann dies verpfänden und in größerem Umfang (zum Nulltarif) Kredit erhalten.

Die Folgen sind deutlich zu sehen. Der FvS-Vermögenspreisindex zeigt dies: „Im Querschnitt des Nettovermögens fällt die Vermögenspreisinflation für die ärmsten Haushalte sowie den Großteil der Mittelschicht am höchsten aus. Die Preiswachstumsraten liegen für diese Haushalte zwischen +3,5% und +4,6%. Die wohlhabendsten Haushalte und die untere Mittelschicht weisen hingegen mit +1,5% bzw. +1,6% deutlich geringere Preiswachstumsraten auf. Ursächlich für die Unterschiede ist der relative Anteil an Spar-, Betriebs- und Immobilienvermögen."

Fazit

Tatsächlich fürchten CDU/CSU, SPD, Grüne und Linke in die rechte Ecke gestellt zu werden. Obwohl kaum ein Faktor die Umverteilung von Arm zu Reich so vorantreibt wie die Geldpolitik.

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