Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
1864
Chinas Aufstieg zur Welt-Wirtschafts-Supermacht pausiert

Renminbi-Ambitionen vor wirtschaftlichen Herausforderungen

© Stephen Finn / Fotolia
Chinas Aufstieg zur Welt-Wirtschafts-Supermacht macht Pause. Wie lang und tief diese ausfällt, wird mit über den Aggressionskurs der chinesischen Staatsführung entscheiden und über die Realisierungschancen, den chinesischen Renminbi Yuan zur führenden Handelswährung – mindestens in der Region – auszubauen.

Seit den Nullerjahren, als Chinas Wachstumsraten zweistellig ausfielen, träumt „das Reich der Mitte davon, den Yuan zu einer führenden Handelswährung in der Welt auszubauen. Das unter chinesischer Kontrolle stehende Hongkong mit seiner starken Einbindung in die westliche Finanzstruktur sollte zu einem führenden Welt-Devisenhandelszentrum werden.

Seitdem hat Peking einige Schritte unternommen, um den Renminbi „weltmarktfähig“ zu machen. Insbesondere seit 2009 gab es etliche bilaterale Währungstausch-Abkommen auch mit großen EU- und G-7Staaten, angefangen von Großbritannien über Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien bis hin zur USA (2016). Die Gesamtüberweisungen von Renminbi zur grenzüberschreitenden Handelsabwicklung beliefen sich Anfang 2023 auf 615 Mrd. RMB. Zehn Jahre zuvor waren es 268 Mrd. RMB gewesen. Betrugen die Renminbi-Einlagen in Hongkong Anfang 2013 bereits 624 Mrd. RMB, waren es zu Beginn dieses Jahres wenig beeindruckende 837 Mrd. RMB.

Dämpfer im Wachstum und in der Stimmungslage

Derzeit zeigen die chinesischen Wirtschaftszahlen einen ordentlichen Dämpfer an. Zwar betrug das Wachstum 2. Quartal wieder 6,3% gegenüber dem Vorjahresquartal. Doch die Arbeitslosigkeit nimmt deutlich zu. In den großen Städten betrug sie zuletzt im Juni 21,3%. Entsprechend sinkt auch die Stimmung der Bevölkerung.

Noch ist nicht ganz klar wie stark dies mit der Entkopplung der USA von der chinesischen Wirtschaft zu tun hat. Klar ist jedoch, dass diese stattfindet. Lag der Anteil Chinas am US-Handelsdefizit 2018 bei 47%, waren es 2022 gerade noch 32%. Dabei ist das US-Handelsbilanz-Defizit insgesamt nicht zurückgegangen. Somit treten andere Länder als Handelspartner der USA in die Fußstapfen Chinas.

Sinkende Sparquote in China

Auch Chinas traditionell superhohe Sparquote ist inzwischen seit einigen Jahren kontinuierlich auf dem Rückmarsch. Damit finanzieren die Chinesen ihren hohen Investitionsbedarf, ohne auf Gelder aus dem Ausland zugreifen zu müssen. Das ist die Schwachstelle der US-Wirtschaft, denn dort beträgt die Sparquote jetzt -1,2% (1. Quartal). Das heißt: Die Amerikaner sparen nicht, sondern verschulden sich weiter. Damit besteht auch wenig Aussicht, das enorm angestiegene Haushaltsdefizit zu verringern.

Yuan im weltweiten Zahlungsverkehr immer noch ein Mauerblümchen

Der Anteil des Yuan am weltweiten Zahlungsverkehr kommt bislang über 2,7% nicht hinaus. Chancen gibt es zwar in vielen Ländern der Welt, die ein Interesse haben, die Dominanz des Dollars zu brechen. So hat sich das hoch verschuldete und unter Dauer-Hochinflation leidende Argentinien dem Handel in Yuan geöffnet. Doch ob Argentinien, das durchhält, ist noch offen. Denn mit den „eingesammelten“ Yuan, kann Argentinien nicht viel anfangen. Die chinesische Währung ist eben international nicht voll konvertibel, Argentinien kann sich buchstäblich nicht viel davon kaufen. 

Zudem sind die bisher geringen Anteilsgewinne der chinesischen Währung am Welthandel vor allem zulasten des Euro gegangen. Der USD ist stabil an 88% der weltweiten Währungsgeschäfte beteiligt. Der Anteil des Euro liegt heute unter einem Drittel (30,5%; Achtung: durch die Bilateralität von Währungsgeschäften ergibt die Summe 200%).

Fazit: Chinas Wachstumsraten werden sich in der Zukunft weiter normalisieren. Und die dem japanischen und europäischen Vorbild folgende Demografie wird das in der Bevölkerungsstruktur sehr homogene Land in wenigen Jahren ebenfalls einholen. Wir bezweifeln stark, dass der Renminbi in den nächsten Jahrzehnten die angestrebte Rolle in der Weltwirtschaft einnehmen kann.
Neueste Artikel
  • Wochenbericht zu Projekt IX in KW 19: Aktive Akzente in ruhigem Marktumfeld

Spiekermann & Co. dominiert mit Rotation, DGK überzeugt mit Struktur

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance‑Projekt 9 (Stiftungsportfolio) reicht eine Handvoll Transaktionen aus, um deutliche Unterschiede zu erzeugen. Während das Benchmarkdepot vollständig passiv bleibt, greifen einzelne Vermögensverwalter gezielt ein. Struktur, Risikoappetit und selektiver Handel prägen die Woche. Konkrete Umschichtungen im sechsstelligen Bereich entscheiden über Out‑ und Underperformance – und machen Projekt 9 zu einem Lehrstück moderner Vermögenssteuerung. Erfahren Sie hier mehr.
  • Wochenbericht zu Projekt VIII in KW 19: Strukturqualität im Stresstest

Kaiser Partner, Spiekermann & Co. und DGK setzen sich vorne ab

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance‑Projekt 8 (vermögensverwaltende Fonds) entscheidet nicht das Timing, sondern die Architektur der Portfolios. Alle Vermögensverwalter verzichten vollständig auf Wertpapiertransaktionen – und dennoch öffnen sich klare Leistungsunterschiede. Während das Benchmarkdepot marktgetreu und stabil verläuft, nutzen einzelne Häuser ihre strategische Aufstellung deutlich besser. Wer mehr Rendite erzielt, zahlt mit höheren Schwankungen. Wer maximale Ruhe sucht, bleibt zurück. Lesen Sie hier.
  • Wochenbericht zu Projekt VII: Bewegung, Mut und Momentum im Private Banking

Gewinner der Woche: Kaiser Partner und A&Q setzen sich vom Feld ab

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Im Performance‑Projekt 7 (Private-Banking) nutzt ein Teil der Vermögensverwalter die Marktphase konsequent aus. Während das Benchmarkdepot ohne jeden Eingriff von der positiven Marktentwicklung profitiert, erzielen einzelne Häuser durch gezielte Allokationsentscheidungen deutlich höhere Vermögenszuwächse. Auffällig ist dabei: Sowohl aktives Handeln als auch disziplinierte Untätigkeit führen zu Outperformance. Der Unterschied liegt im Risikoprofil – und in der Qualität der Entscheidungen.
Zum Seitenanfang