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Aussichtloses Unterfangen für jeden Zentralbankpräsidenten

Warum die Türkische Lira weiter verlieren wird

Präsident Recep Tayipp Erdogan. Copyright: Pixabay
Auch wenn er irrational agiert – seine Handlungen sind berechenbar. Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, will stets mit dem Kopf durch die Wand. Andere müssen dafür meist ihren Kopf hinhalten. Wie der Präsident der Notenbank.

Egal, wer die Türkische Lira stabilisieren soll: Es ist ein aussichtloses Unterfangen, solange Erdogan regiert. Am 13. November schrieben wir an dieser Stelle das Drehbuch für die Türkei. Wir sagten die baldige erneute Ersetzung des Notenbankpräsidenten voraus. Erdogan tat wie erwartet. Sahap Kavcioglu folgte am Montag auf Naci Agbal. Präsident Recep Tayipp Erdogan ist in dieser Beziehung berechenbar. Die Lira büßte in der Folge 11% ein. 1 Euro kostet aktuell rund 9,60 TRY. Vor einer Woche waren es noch 8,60. 

Naci Agbal sollte im November unter anderem die hohe und steigende Inflation (15,6% im Februar) der Türkischen Lira drücken. Und so die Probleme der Türkei bei ihren Fremdfinanzierungen lindern. Die Türkei muss 250 Mrd. USD refinanzieren. Dollar, die benötigt werden, um fällige Auslandsschulden zurückzuzahlen, Kuponzahlungen für kurzfristige Schulden zu leisten und das Leistungsbilanzdefizit in den nächsten 12 Monaten zu decken.

Erfolgreich gescheitert

Agbal machte seinen Job. Er erhöhte den Leitzins um 8,75 Prozentpunkte auf 19%, um die Lira zu unterstützen und die Inflation einzudämmen. Er verbesserte Transparenz und Kommunikation mit den Märkten.

Diese reagierten positiv. Die Lira stieg um rund 18%. Die Kosten für den Schutz vor einem Ausfall der türkischen Schulden gingen seit November um fast 3 Prozentpunkte nach unten.

Präsident mit Allmachts-Allüren

Der Präsident erwartet vom Notenbankpräsidenten die Quadratur des Kreises. Er soll seine Aufgabe ohne Zinserhöhungen bewerkstelligen – indirekte Maßnahmen inbegriffen. Das ist natürlich unmöglich. Bleiben Kapitalverkehrskontrollen als allerletztes Mittel. Davor wird aber selbst der einst wirtschaftsliberale Erdogan zurückschrecken. Jedoch nicht vor Preisregulierungen wie bereits bei Lebensmitteln. Die Unterstützung des IWF kommt nicht infrage, da sich Erdogan nicht „reinregieren“ lassen wird.



Fazit: Das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen, wird für Ankara immer schwieriger. Die Position des türkischen Notenbankpräsidenten ist aussichtlos. Solange der Präsident seinen „Kurs“ weiterverfolgt – und er hat offenbar den Anspruch, sich gegen die Märkte „durchzusetzen“ – wird die Türkische Lira weiter deutliche Verluste hinnehmen. Das ist eine ziemlich sichere Wette. Über kurz oder lang gerät die Türkei in eine veritable Finanzkrise.

Empfehlung: Wir halten das Endloszertifikat der UBS (ISIN: DE 000 BP6 F1H 2) weiter für eine sinnvolle Anlage.

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