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Hufeld: bloß keine „blinde Euphorie“

Warnung vor grüner Finanzkrise

Die grüne Welle schwappt über die Finanzmärkte. „Nachhaltigkeitsanlagen" haben Konjunktur bei Institutionellen. Um grüne Geldanlagen, vor allem auch grüne Kredite, zu pushen, ist der Finanzlobby manches Mittel recht. Dabei kann sie auf eine außergewöhnliche Allianz bauen.

Die grüne Welle schwappt über die Finanzmärkte – und provoziert neue Risiken. „Nachhaltigkeitsanlagen" haben bereits Konjunktur bei institutionellen Anlegern. Weniger aus ethischen und ökologischen Gründen. Man wittert vielmehr das große Geschäft.

Dabei ist der Finanzlobby manches Mittel recht. Man hofft auf geringere Standards bei der Risikobepreisung. Dadurch würden solche Anlagen privilegiert – das wäre ein großer Kaufanreiz.

Der Druck der Lobby ist europaweit sehr groß. Das Thema wird über Brüssel gespielt. In der neuen EZBChefin Christine Lagarde sieht man eine Verbündete. Sie hatte in einer Anhörung vor dem Europäischen Parlament ihre generelle Offenheit für eine umweltfreundliche Geldpolitik bekundet. Zudem eignet sich die öffentliche Meinung ganz im Sinne mancher Finanzminister für die Etablierung von grünen Schattenhaushalten. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz spielt mit dem Gedanken.

Zugleich sieht man die Gelegenheit für ein außergewöhnliches Bündnis. Man hat das linke Parteienspektrum, speziell die Grünen, mit im Boot. Sie schwimmen selbst auf einer Popularitätswelle und lassen sich gerade gerne vor den Karren der Finanzindustrie spannen.

Eine ebenso ungewöhnliche wie gefährliche Allianz. So fordert Sven Giegold, Mitglied der Grünen/EFA-Fraktion im Europaparlament und Sprecher Europagruppe Grüne, die EZB müsse sich „ihrer Verantwortung stellen". Er will eine indirekte Besserstellung grüner Anleihen durch die EZB. Die kaufe zwar „neutral" ein. Doch damit würde sie per se klimaschädliche Investments bevorzugen, da diese auf den Anleihenmärkten noch ein Übergewicht hätten.

Weidmann gegen Vermischung von Klima- und Geldpolitik

Die Diskussion um eine Bevorzugung „grüner Geldanlagen" erregt bereits den heftigen Widerstand der Aufseher. Sie fürchten um die Stabilität des Finanzsystems. Vor einer Woche wandte sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann auf einer Bundesbankkonferenz zum Thema Klimawandel und Zentralbanken gegen eine Geldpolitik, die speziell Umweltziele verfolgt. Das ging auch gegen Lagarde.

Weidmann bekommt Unterstützung vom Chef der Finanzaufsicht, BaFin, Felix Hufeld. Auch dieser hatte sich kurz zuvor im Beisein von FUCHS in kleinerem Kreis gegen eine Privilegierung grüner Finanzinstrumente ausgesprochen: „Ich bin strikt dagegen, grüne Investments zu privilegieren. Etwa durch einen Bonus bei der Kapitalunterlegung", sagte Hufeld. Ob und wie viel Eigenkapital von Banken für Kredite und Investitionen hinterlegt werden muss, dürfe nur von den verbundenen Risiken abhängen. „Und nicht, ob Aufseher die damit verbundene ökologische Investition für gut oder schlecht befinden."

Warnung vor blinder Euphorie und einer vorprogrammierten Finanzkrise

Hufeld warnt vor einer „blinden Euphorie" bei grünen Investments. Sonst drohe nicht nur „eine gewaltige Fehlallokation von Kapital". Sondern auch „die fast sichere Vorprogrammierung der nächsten Finanzkrise". Die BaFin hat erst vor wenigen Wochen den Banken ein Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken an die Hand gegeben. Bis Ende des Jahres will die Aufsicht die Rückmeldung der Branche ausgewertet haben. Dann wird das Papier in endgültiger Form veröffentlicht.

Fazit

Die Eigenkapitalunterlegung von Bonds ist der zentrale Hebel, um Finanzkrisen zu verhindern. Hier ist Europa immer noch deutlich „hinter Plan" – denn noch immer muss für Staatsanleihen kein EK hinterlegt werden. Das muss sich ändern. Gerade auch mit Blick auf die anstehende Bankenunion.

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