Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
2353
Gegenwind von Analysten und Aktivisten

Fossil im Gegenwind

Großkonzerne, die ihre Geld mit fossilen Energien verdienen, stehen auf den Kapitalmärkten massiv unter Druck. Und der Gegenwind wird immer stärker. Auf den Kapitalmärkten ziehen sich immer mehr Investoren zurück. Das kann ungewollte Auswirkungen haben.

Investitionen in fossile Energien werden immer schwieriger und problematischer. Großunternehmen, die stark an fossilen Energien „hängen", stoßen auf stetig wachsende Widerstände.

Paradebeispiel in dieser Richtung ist BHP. Der australisch-britische Bergbaukonzern nimmt in der Weltrangliste dieser Branche den ersten Rang ein. Zu schaffen macht ihm jetzt eine Empfehlung der Aktionäre von BHP an den Vorstand. Sie hat das Australian Centre for Corporate Responsibility formuliert. Darin wird der Konzern aufgefordert, die Mitgliedschaft in allen Organisationen aufzugeben, deren Tätigkeit nicht mit den Zielen der Pariser Klimabeschlüsse vereinbar sind.

De facto müsste BHP zum Beispiel das Minerals Council of Australia verlassen. Denn diese Organisation vertritt die Interessen der Kohleproduzenten in Australien. Zu den Anteilseignern, die bei dieser Resolution mitmachen, gehören zum Beispiel der Pensionsfonds der Anglikanischen Staatskirche in Großbritannien und die niederländische Fonds-Management Gruppe Actiam.

Das international tätige, renommierte Research Unternehmen für Aktienbesitz, Redburn, geht noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen, das Vermögensverwalter und größere Privatanleger bei Aktien-Engagements berät, hat für alle großen Ölunternehmen die früher übliche "Buy"-Empfehlung ersatzlos gestrichen. Begründet wird dies mit dem hohen Existenzrisiko dieser Branche in einer Zeit, in der die Verbrauchseinschätzungen für fossile Energien in der Zukunft um bis zu 30% zu hoch angesetzt seien. Außerdem müsse die Branche mit „drakonischen" Maßnahmen rechnen, wenn der Mineralölverbrauch in der Welt nicht bald zu steigen aufhört. Redburn geht davon aus, dass die Verbrauchskurve innerhalb der nächsten fünf Jahre von „Steigen" auf „Fallen" umschwenken wird.

Redburn zieht sogar direkt gegen Exxon Mobil zu Felde. Die bisherige Kaufempfehlung wird durch eine „Verkauf"-Empfehlung ersetzt. Ähnliches gilt für Royal Dutch Shell und Repsol. Geringfügig besser, nämlich "neutral", schneiden bei Redburn lediglich BP, ENI und OMV ab.

Das Vorgehen macht Schule und zeigt Wirkung. Dazu hat der Aktienkurs-Verfall für viele Gesellschaften beigetragen. Noch vor zehn Jahren verkörperten die großen Ölgesellschaften rund 15% des Kapitals, das laut dem amerikanischen S&P 500 - Index an der Börse angelegt war. Inzwischen - zur Mitte 2019 - ist dieser Anteil auf nun nur noch 4,5% gefallen.

Die Zahl der Anleger, „fossile Werte" aus ihre Depots verbannen, steigt immer weiter. Unter Institutionellen Anlegern stieg die Zahl der Aussteiger von 180 in 2017 auf mehr als 1.100 im vergangenen Jahr. Für 2019 wird ein abermals kräftig erhöhter Wert erwartet. Royal Dutch Shell geht im Geschäftsbericht ausdrücklich auf diese Markttendenzen gegen die Ölunternehmen ein. Der Konzern klassifiziert dies klar als „Risiko" für das eigene Haus. BP-Chef Bob Dudley geht noch einen Schritt weiter: Er spricht in von einer Gefahr für die gesamte Versorgungssicherheit der Welt.

Fazit

Dass Konzernbosse pro domo reden, ist klar. Aber ganz von der Hand zu weisen ist der Einwand des BP-Chefs nicht. Geht der Wandel zu schnell, geht den Konzernen die Finanzkraft flöten, könnten sich schnell Versorgungsprobleme für die Industriestaaten ergeben.

Empfehlung: Aus Anlegersicht gilt dennoch, diese Aktien zu meiden. Gegen den Trend zu agieren, macht keinen Sinn.

Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • ESG im Private Banking - Die Ratingstufen der FUCHSBRIEFE Prüfinstanz

Vom Novizen zum Großmeister - Die fünf Grade nachhaltiger Beratung

Illustriert mit ChatGPT
Die FUCHSBRIEFE Prüfinstanz beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Frage, wie nachhaltig vermögende Kunden beraten werden. Seit dem ersten Nachhaltigkeits-Rating im Jahr 2011 („Wer kann nachhaltig?“) hat sich das Bild stetig weiterentwickelt. Heute unterscheiden wir fünf Entwicklungsstufen, die inhaltlich klar gefasst und mit eingängigen Begriffen versehen sind. Welche Institute werden sich dieser Herausforderung in diesem Jahr wohl stellen?
  • Monitoring bestätigt positiven Eindruck bei der TOP Vermögen AG

Grünes Signal für TOP Vermögen

Illustriert mit Canva und ChatGPT
Die TOP Vermögen AG gewährt der FUCHSBRIEFE PRÜFINSTANZ Einblick in ihre Organisations- und Beschwerdestrukturen. Der Vermögensverwalter aus Starnberg setzt auf persönliche Kundenbeziehungen, kurze Entscheidungswege und eine ausgeprägte Empfehlungskultur. Vertrauensampel und die Ampel zu Selbstauskunft stehen auf Grün. Lesen Sie hier.
  • Fuchs plus
  • Nachhaltigkeit im Stresstest der Finanzwelt

Deutschland, Österreich und die Schweiz entdecken ESG neu

Illustriert mit ChatGPT
Wer den ESG-Zug bereits auf dem Abstellgleis sieht, sollte nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz blicken. Drei aktuelle Studien zeichnen ein anderes Bild. Banken, Vermögensverwalter und Fondsanbieter ziehen sich nicht aus nachhaltigen Finanzthemen zurück. Sie verlagern den Fokus. Klimarisiken, Transformationspläne, ESG-Daten und regulatorische Nachweise rücken in den Mittelpunkt. Aus einem Marketingbegriff wird zunehmend ein Instrument der Steuerung. Damit beginnt eine neue Stufe.
Zum Seitenanfang