Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
495
Gegenwind von Analysten und Aktivisten

Fossil im Gegenwind

Großkonzerne, die ihre Geld mit fossilen Energien verdienen, stehen auf den Kapitalmärkten massiv unter Druck. Und der Gegenwind wird immer stärker. Auf den Kapitalmärkten ziehen sich immer mehr Investoren zurück. Das kann ungewollte Auswirkungen haben.

Investitionen in fossile Energien werden immer schwieriger und problematischer. Großunternehmen, die stark an fossilen Energien „hängen", stoßen auf stetig wachsende Widerstände.

Paradebeispiel in dieser Richtung ist BHP. Der australisch-britische Bergbaukonzern nimmt in der Weltrangliste dieser Branche den ersten Rang ein. Zu schaffen macht ihm jetzt eine Empfehlung der Aktionäre von BHP an den Vorstand. Sie hat das Australian Centre for Corporate Responsibility formuliert. Darin wird der Konzern aufgefordert, die Mitgliedschaft in allen Organisationen aufzugeben, deren Tätigkeit nicht mit den Zielen der Pariser Klimabeschlüsse vereinbar sind.

De facto müsste BHP zum Beispiel das Minerals Council of Australia verlassen. Denn diese Organisation vertritt die Interessen der Kohleproduzenten in Australien. Zu den Anteilseignern, die bei dieser Resolution mitmachen, gehören zum Beispiel der Pensionsfonds der Anglikanischen Staatskirche in Großbritannien und die niederländische Fonds-Management Gruppe Actiam.

Das international tätige, renommierte Research Unternehmen für Aktienbesitz, Redburn, geht noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen, das Vermögensverwalter und größere Privatanleger bei Aktien-Engagements berät, hat für alle großen Ölunternehmen die früher übliche "Buy"-Empfehlung ersatzlos gestrichen. Begründet wird dies mit dem hohen Existenzrisiko dieser Branche in einer Zeit, in der die Verbrauchseinschätzungen für fossile Energien in der Zukunft um bis zu 30% zu hoch angesetzt seien. Außerdem müsse die Branche mit „drakonischen" Maßnahmen rechnen, wenn der Mineralölverbrauch in der Welt nicht bald zu steigen aufhört. Redburn geht davon aus, dass die Verbrauchskurve innerhalb der nächsten fünf Jahre von „Steigen" auf „Fallen" umschwenken wird.

Redburn zieht sogar direkt gegen Exxon Mobil zu Felde. Die bisherige Kaufempfehlung wird durch eine „Verkauf"-Empfehlung ersetzt. Ähnliches gilt für Royal Dutch Shell und Repsol. Geringfügig besser, nämlich "neutral", schneiden bei Redburn lediglich BP, ENI und OMV ab.

Das Vorgehen macht Schule und zeigt Wirkung. Dazu hat der Aktienkurs-Verfall für viele Gesellschaften beigetragen. Noch vor zehn Jahren verkörperten die großen Ölgesellschaften rund 15% des Kapitals, das laut dem amerikanischen S&P 500 - Index an der Börse angelegt war. Inzwischen - zur Mitte 2019 - ist dieser Anteil auf nun nur noch 4,5% gefallen.

Die Zahl der Anleger, „fossile Werte" aus ihre Depots verbannen, steigt immer weiter. Unter Institutionellen Anlegern stieg die Zahl der Aussteiger von 180 in 2017 auf mehr als 1.100 im vergangenen Jahr. Für 2019 wird ein abermals kräftig erhöhter Wert erwartet. Royal Dutch Shell geht im Geschäftsbericht ausdrücklich auf diese Markttendenzen gegen die Ölunternehmen ein. Der Konzern klassifiziert dies klar als „Risiko" für das eigene Haus. BP-Chef Bob Dudley geht noch einen Schritt weiter: Er spricht in von einer Gefahr für die gesamte Versorgungssicherheit der Welt.

Fazit

Dass Konzernbosse pro domo reden, ist klar. Aber ganz von der Hand zu weisen ist der Einwand des BP-Chefs nicht. Geht der Wandel zu schnell, geht den Konzernen die Finanzkraft flöten, könnten sich schnell Versorgungsprobleme für die Industriestaaten ergeben.

Empfehlung: Aus Anlegersicht gilt dennoch, diese Aktien zu meiden. Gegen den Trend zu agieren, macht keinen Sinn.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Durchschnittswerte sind nicht maßgeblich und nichtssagend

Gehaltsauskunft alleine belegt keine Diskriminierung

Das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) ist kein Flop, aber ein Renner ist es auch nicht. Viele Unternehmen haben eine Überprüfung ihrer Gehaltsstrukturen inzwischen vorgenommen. Von den Arbeitnehmern wird der Auskunftsanspruch dagegen nur sehr zurückhaltend genutzt. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Gerichte Klagen nur mit spitzen Fingern anfassen.
  • Fuchs plus
  • Capitell Vermögens-Management AG | TOPS 2020: Vermögensstrategie, Portfolioqualität und Gesamtbewertung

Wichtige Standards verfehlt

Bei Capitell hat uns das Beratungsgespräch vom deutlichen Mehrwert gegenüber dem Robo Advisor überzeugt. Im Anlagevorschlag sehen wir ebenfalls manches, was das Haus definitiv besser macht als der Algorithmus, insbesondere das Thema Nachhaltigkeit. Dafür stolpern wir über manch anderen Punkt und sehen entscheidende Marktstandards nicht erfüllt, was auch dazu führt, dass wichtige Fragen bei uns offen bleiben.
  • Fuchs plus
  • Zahlungsanspruch wird zu Kredit

Pflichtteilsverzicht mit Auflagen kann steuerlich ins Auge gehen

Der Verzicht auf den Pflichtteil beim Erbe gegen Geldzahlung ist nicht so selten. Und steuerlich kein Problem. Was aber, wenn die Geldzahlung erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt und obendrein verzinst wird? Damit hatten sich jetzt Deutschlands oberste Finanzrichter zu beschäftigen.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Chancen mit Anleihen

Alternativen im Anlagenotstand

Russland und Indonesien konnten einen Großteil ihrer Zuflüsse in heimischer Währung aufnehmen und damit die Währungsrisiken vermeiden.
Anleger die heutzutage Rendite erwirtschaften wollen, müssen noch stärker als früher bereit sein, dafür ins Risiko zu gehen. Deutsche Staatsanleihen mit einer 10-jährigen Laufzeit werfen aktuell negative Renditen ab. Wer dennoch auf die Assetklasse Anleihe setzen möchte, der sollte seinen Blick über die Emerging Markets schweifen lassen.
  • Fuchs plus
  • Wirkungslose Zölle

US-Dollar bleibt die bevorzugte Anlagewährung

Habemus Handelsdeal! Alles wieder super also? Das anzunehmen wäre naiv. Zumal die US-Agrarverbände bereits Schwachstellen angemahnt haben. Fraglich ist auch nach wie vor, was die Streiterei letzlich genützt hat. 
  • Fuchs plus
  • Fundamentale Schwäche beim Pfund

Erholung auf tönernen Füßen

Nach dem fulminaten Wahlsieg der Tories hat sich das Pfund spürbar wieder erholt. Doch diese Erholung ist politisch getrieben. Die fundamentalen Probleme des Vereinigten Königreichs sind keineswegs gelöst.
Zum Seitenanfang