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Kathrein Privatbank , Stiftungsmanagement 2018: Qualifikation

Kathrein Privatbank kann im Marktvergleich nicht überzeugen

Die Kathrein Privatbank hat es nicht in die Endauswahl geschafft.
Gleich zu Beginn ihres Anlagevorschlags erwähnt die Kathrein Privatbank ihr „Top-Ranking" im Markttest Vermögensmanagement der FUCHS | RICHTER PRÜFINSTANZ im Jahr 2016. Kann sie auch zwei Jahre später wieder Spitzenniveau, diesmal bei der Beratung einer deutschen gemeinnützigen Stiftung, erreichen?

Die 1924 in Wien gegründete Kathrein Privatbank ist seit 1977 eine 100%ige Tochter der Raiffeisen Bank International. Sie zählt sich selber zu den führenden österreichischen Privatbanken mit Kernkompetenz in der Verwaltung und Vermehrung von Stiftungs- und Privatvermögen ab 1 Mio. Euro.

Etwas unglücklich kommen aktuell andere Nachrichten daher: Anfang März dieses Jahres wurde die Kathrein Privatbank vom Handelsgericht Wien zu Zahlungen von knapp einer halben Million Euro an einen ehemaligen Kunden verklagt. Sie soll zu hohe Renditeziele auf eines ihrer Finanzprodukte versprochen haben, die zum Zeitpunkt ihrer Erstellung unrealistisch gewesen seien. Die Bank ist in Berufung gegangen. Das ergangene Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ihre über 1.000 Kunden werden von 83 Mitarbeitenden betreut, von denen fünf auf Stiftungen spezialisiert sind. Die verwalteten Assets belaufen sich auf ca. 5,1 Mrd. Euro, die Bilanzsumme der Bank beträgt knappe 500 Mio. Euro.

Stiftungskompetenz kann die Bank seit 1993 aufweisen. Derzeit betreut sie 572 Mio. Euro von insgesamt 85 Stiftungen. Nach eigenen Angaben wird die Betreuung von Vermögen streng von der Beratung von Stiftungen getrennt. Erfahrungswissen wird durch mehrere Prozessschritte gesichert: Kundenbezogenes Wissen, Produktwissen und Prozesswissen.

Der Anlagevorschlag

Die von der Kathrein Privatbank zugesandten Unterlagen (Anlagevorschlag, Anlagerichtlinie, Musterportfolioreport) sind übersichtlich in einem einzigen Dokument zusammengefasst. Direkt zu Beginn wird kurz und knapp dargestellt, womit die folgenden Seiten sich befassen: Die Bank erklärt Zinslandschaft und Geldpolitik und erläutert knapp ihren Anlagevorschlag.

Eine risikoarme Erwirtschaftung von Erträgen sei heute nicht mehr möglich, heißt es da. Wertpapiere wie deutsche Staatsanleihen brächten nur noch wenig Rendite und auch mit Festgeldanlagen könnten die Ziele der Stiftung nicht erreicht werden. Die Kathrein Bank schlägt daher eine Anlagestrategie mit erhöhtem Risiko vor. Die erwünschte Rendite soll mit einer Gewichtung von 80% Aktien und 20% Anleihen erreicht werden.

Kathrein Mandatum und Kathrein Global Enterprise

Für das Anleihesegment erwartet die Bank einen durchschnittlichen Ertrag von 1,7% p.a. Die Anleihestrategie erfolgt unter Berücksichtigung der Kathrein Hausmeinung „Mandatum". Diese ermittelt basierend auf quantitativen Modellen Zusammenhänge zwischen volkswirtschaftlichen Entwicklungen und Wertpapierkursen und hat sich nach eigenen Angaben in schwierigen Marktphasen in der Vergangenheit bewährt. Sie beruht auf der Portfoliotheorie von Markowitz, für die dieser 1990 den Nobelpreis erhielt. Ein effizientes Portfolio, nach Markowitz, wird durch die Parameter erwarteter Ertrag, Volatilität und Korrelation bestimmt, so die Bank. Die Basis des erwarteten Ertrags jeder Anleihekategorie ist die aktuelle Rendite, welche durch Kaufkraftparitäten, Schätzungen der Ausfallsraten und Inflationserwartungen modifiziert wird.

Für Aktien rechnet die Bank mit einer Risikoprämie von 5% auf deutsche Staatsanleihen und erwartet somit einen Aktienertrag von 5,6% p.a. Die Umsetzung der defensiven Aktienstrategie erfolgt durch „Kathrein Global Enterprise". Im Aktiensegment will die Bank in führende Weltunternehmen investieren, die nach bestimmten Kriterien handverlesen sind.

Um die Strategie kostengünstig umzusetzen, sollen für die Anleihengewichtung ausschließlich Exchange Traded / Index Funds und für die Aktien ausschließlich Direktinvestments verwendet werden.

Widersprüchliche Performance in der historischen Simulation
In der historischen Simulation von 2006 – 2017 beträgt der durchschnittliche Ertrag p.a. des vorgeschlagenen Portfolios 7,5%. Bei einer Volatilität von 8,5% liegt der maximale Verlust bei 19,2%. Unter Annahme eines Aktien-Bärenmarktes, also eines Verlusts von 20% der Weltaktien, würde das Portfolio 15% verlieren. Im Anschluss werden die drei Hauptgewinner und -verlierer gelistet.

Risikomanagement

Durch regelmäßige Portfoliooptimierung will die Kathrein Privatbank eine aktive Risikosteuerung auf Gesamtportfolioebene betreiben. Dabei soll eine Trennung von Risikoüberwachungsfunktionen und Investmententscheidung vorgenommen werden. Erstere erfolgt durch die Risiko-Management Abteilung, die für diverse Kontrollen, Anlagerichtlinien und Stresstests zuständig ist.

Zusätzlich bietet die Bank ein Online Vermögensinformationssystem an, mit dem man rund um die Uhr das veranlagte Vermögen überblicken kann.

Die „Brutto"erträge für die Stiftung
Die Investmentstrategie, so die Bank, zielt darauf ab, unsere Anforderung von 2,5% Rendite aus den Kupons und Dividenden zu erwirtschaften. Dividenden sollen aus den direkten Aktieninvestments erzielt werden. Zinserträge (Kupons) würden über die in thesaurierenden ETFs gehaltenen Anleihen erzielt. Die Bereitstellung der ausschüttungsgleichen Erträge für den Stiftungszweck würde über anteilige Verkäufe vorgenommen werden.

Die Bank rechnet so mit einer Dividendenrendite von 3,04% (also 97.280 Euro) und Zinserträgen von 2,74% (entspricht 21.920 Euro). Insgesamt beträgt die jährliche Rendite der Anlage 119.200 Euro und liegt über dem von der Stiftung angestrebten Betrag von 100.000 Euro.

Bewertung

Das Haus präsentiert einen Vorschlag mit 80 % Aktien und 20 % Anleihen. 4,8 % Rendite p. a. sollen damit erzielt werden. Als maximaler Verlust werden 19 % angegeben - ein sehr geringer Wert bei dieser hohen Aktienquote! Wer dann genau hinsieht, bemerkt, dass schon bei einem Verlust von 20 % an den weltweiten Aktienmärkten die Bank von 15 % Verlust im Portfolio spricht. Das wirkt nicht plausibel und der Widerspruch wird auch nicht erläutert. Denn die weltweiten Aktienmärkte haben schon mehr als 30% verloren (MSCI-World). besteht hier ein Widerspruch, der nicht aufgeklärt wird. Schließlich haben die Aktienmärkte weltweit schon mehr als 30 % verloren. Somit würde im gleichen Verhältnis gerechnet ein Verlust von annähernd 25% entstehen können.

Fragwürdige Berechnung

In der Ertragsberechnung nicht enthalten sind die eigenen Kosten von 0,55% p.a. plus 20% Umsatzsteuer. Bei 4 Mio. Euro Anlagevermögen wären dies 26.400 Euro. Wenn man diese Summe von der erwarteten jährlichen Rendite abzieht, fällt die Rendite auf 92.800 Euro und liegt damit unter dem Ziel der Stiftung.

Die Anlagerichtlinie beschränkt sich auf die Festlegung der Quoten je Asset-Klasse.

Stiftungsservices und Transparenz


Anlagen mit Nachhaltigkeitsstrategien nehmen bei Kathrein eine immer bedeutendere Stellung im Veranlagungsprozess ein, so die Bank. So würden viele Kunden mit ihrem Investment auch einen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten wollen. Kathrein managt nach eigenen Angaben im Publikumsfondsbereich Staatsanleihen-, Unternehmensanleihen-, Aktien- und Mischfonds, deren Nachhaltigkeit von einer unabhängigen Stelle überprüft wird. Die Fonds erfüllen die Vorgaben des Europäischen Transparenz Kodex für Nachhaltigkeitsfonds und dürfen offiziell das Europäische SRI Transparenz Logo führen. Neben den genannten Publikumsfonds verfolgt Kathrein auch beim Management einiger Spezialfonds einen nachhaltigen Investmentansatz. Im Bereich der Nachhaltigkeitsanalyse kooperiert die Kathrein Privatbank eng mit ihrer Tochtergesellschaft Kathrein Capital Management AG. Die Aufbereitung der Daten erfolgt durch das Analyse- sowie Portfoliomanagement Team.

Bei der Umsetzung der nachhaltigen Veranlagungsstrategien fließt das Research bzw. die Expertise folgender externer Institute ein: Nachhaltigkeitsrating-Agentur oekom research AG (www.oekom-research.com), MSCI ESG-Rating (ESG - Environmental, Social & Governance) und Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG).

Feste Kooperationspartner der Bank im Bereich Stiftungsberatung sind diverse Anwälte und WP-Gesellschaften. Darüber hinaus unterhält die Bank laufende akademische Kontakte und Erfahrungsaustausch mit der Universität Wien, der Wirtschaftsuniversität Wien und sämtlichen stiftungsorientierten, zivilrechtlichen Universitätsinstituten in Österreich. Weitere akademische Kontakte werden mit den entsprechenden Instituten der Universitäten Zürich, Vaduz und der Bucerius Law School (Hamburg) gepflegt.

Die Bank bietet keine Treuhandstiftungen an, da diese in Österreich nicht zulässig sind.

Auf Wunsch wird Mitarbeit in Stiftungsgremien angeboten (Übernahmen von Vorstands- und Beiratsfunktionen).

Weitere Services umfassen die Überarbeitung von Stiftungsurkunden, die Aufarbeitung aller vermögensrelevanten Fragen vor Gründung einer Stiftung, die Hilfestellung bei strukturellen Fragen und die Nachfolgeplanung.


Adresse und Ansprechpartner

Kathrein Privatbank, Wipplingerstraße 25, 1010 Wien
Ansprechpartner für Stiftungen ist Heinrich Weninger, Leitung Stiftungsoffice und UnternehmerServices. Er kann per Mail unter heinrich.weninger(at)kathrein.at erreicht werden.

 

Mehr aus Rating

Mehr erfahren zum Rating Stiftungsmanager 2018

Fazit

Im Marktvergleich überzeugt Kathrein nicht und kann sich nicht für die Endausscheidung qualifizieren. Kleinere Widersprüche und eine nicht stiftungsadäquate Renditeberechnung führen dazu, dass der Vorschlag im Marktvergleich nicht überzeugen kann.

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