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China droht ein Evergrande 2.0

Immobilien-Beben und Deflation in China

Blick auf im Smog liegende Hochhäuser in Shenzhen, China. © real444 / Getty Images / iStock
Der Fall Evergrande hat 2021 die strukturellen Schwächen des chinesischen Immobiliensektors offengelegt. Seitdem ist es wieder etwas ruhiger um den Häusermarkt im Reich der Mitte geworden. Doch die neuen Verwerfungen kündigen sich bereits an.

Im chinesischen Immobiliensektor deuten sich neue "Beben" an. Besonders alarmierend sind die aktuellen Nachrichten von Country Garden Holdings. Das Unternehmen hat eine am Montag (07.08.) fällige Kuponzahlung nicht getätigt. Das weckt Erinnerungen an Evergrande, das 2021 in die Insolvenz rutschte und für heftige Marktverunsicherungen sorgte. Mit einem Jahresumsatz von 500 Mrd. HKD (58 Mrd. Euro) ist Country Garden etwas kleiner als Evergrande (vermutlich, es gibt Zweifel an den Geschäftsberichten von Evergrande), betreut aber vier Mal so viele Projekte. Ein Ausfall wäre damit eher schwerwiegender.

In Hongkong eröffnete die CK Asset Holding unterdessen den „Preiskrieg“. Das Unternehmen senkte die Preise um 16% gegenüber der Konkurrenz. CK gehört dem reichsten Mann Hongkongs Li Ka-shing (Vermögen 37,5 Mrd. US-Dollar). Damit verlangt CK nun den „realistischeren“ Marktpreis, kommentiert die Immobilienberatungsfirma JLL. Dies sei aber erst der „Anfang des Preiskampfes“, so die Erwartung.

An Baustellen kann nicht weitergearbeitet werden

In Shanghai wiederum drohen Hauskäufer, ihre Hypothekenraten nicht zu zahlen. Das verschärft die Liquiditätssituation im Immobiliensektor. Der Grund für die Zahlungsverweigerung ist, dass zahlreiche Bauprojekte derzeit nicht fertiggestellt werden. Denn die Unternehmen können den Bau momentan nicht finanzieren und pausieren darum die Baustellen. Solche Boykotte gab es schon vor einem Jahr. Damals weiteten sie sich rasch auf das ganze Land aus. 

Die angespannte Lage am chinesischen Häusermarkt zeigt sich auch an der Börse. Immobilien-Aktien wurden nach Bekanntgabe der jüngst schwachen Konjunkturdaten besonders abgestraft. So fielen im Wochenvergleich KE Holdings um 3,8%, Xinyuan Real Estate um 4,1% und Country Garden Holdings um 6,3%. Der Shanghai Composite Index fiel hingegen nur um 0,8%.

Peking wird sich Stabilität teuer erkaufen

Die Situation in China weckt Erinnerungen an das Platzen der US-Immobilienblase 2007/2008. Das Reich der Mitte wird damit aber anders umgehen als seinerzeit die USA. Denn für die chinesische Führung ist das Vertrauen der Bevölkerung ein wesentlicher Faktor ihres Macht-Erhalts. Peking pumpte darum über die Bankenaufsicht seit November 2022 bereits mehrere Billionen Yuan in den Immobiliensektor. Zudem können die Immobilienunternehmen fällige Kredite seit Juli um bis zu ein Jahr aufschieben.

Als Wachstumsmotor fällt der Immobiliensektor dennoch langfristig aus. Damit bliebe nur der Binnenmarkt als Konjunkturstabilisator. Hier wäre ein Hebel die Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit (20,4%). Dafür scheint Peking aber keine Strategie zu haben.

Fazit: Chinas Immobilienmarkt hat fundamentale Probleme. Diese verstärken die wirtschaftlichen Sorgen, die im Reich der Mitte schon seit geraumer Zeit wachsen. Nun ist das Land gerade auch noch in die Deflation gerutscht. Als Treiber der Weltwirtschaft scheidet China in den kommenden Monaten aus.
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