Hier können Sie zwischen der Ansicht für Geschäftskunden und Privatkunden wechseln.
Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
Geschäftskunde
Privatkunde
0,00 €
1884
Visa-Einschränkungen ein Zeichen der Schwäche

Der Westen verliert seine Verlockungen

Die EU macht es Russen seit heute (12.9.) viel schwieriger, ein Visum zu bekommen. Beworben wird dieser Schritt als Zeichen der Stärke gegenüber Russland. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. FUCHSBRIEFE-Chefredakteur Stefan Ziermann sieht in der Abschottung eine Entzauberung des Westens.
Seit heute (12.09.) können Russen nur noch sehr schwer ein Visum für Europa bekommen. Der Aufwand und der Preis für die Beantragung eines Schengen-Visums steigen deutlich - ganz abgesehen von den kaum praktikablen Reisemöglichkeiten. Über die Regelung hinaus haben Estland, Lettland und Polen die Vergabe von Visa an Russen praktisch gestoppt. Die Slowakei und Tschechien prüfen diesen Schritt. Die CDU fordert ebenfalls ein Einreise-Verbot für Russen.

Der Westen meint, Russland damit unter Druck zu setzen - für mich sind die Visa-Einschränkungen die Entzauberung des Westens. In meinen Augen gibt die EU mit dieser Praxis eine ihrer wichtigsten Tugenden auf. Der diskriminierungsfreie Zugang zum alten Kontinent ist für ein Volk, das aus 144 Mio. Menschen besteht, die über elf Zeitzonen verteilt auf einer Fläche von 17 Mio. Quadratkilometern leben, nicht mehr problemlos gewährleistet.

Der Westen wuchert nicht mehr mit seinen Pfunden

Natürlich können Russen mit viel Aufwand noch nach Europa reisen. Aber der Westen wuchert nicht mehr mit seinen Pfunden, er lädt die Russen nicht mehr ein. So lange ich mich zurückerinnere, hat der Westen gerade mit seinen Verlockungen und Vorzügen geworben. Gutes Leben, starke Wirtschaften, Freiheit und Freizügigkeit (Reisen), Offenheit und Toleranz. Jetzt schottet er sich zunehmend ab, gerade möglichst gegen alle Russen.

Ganz besonders zugkräftig waren die westlichen Argumente beim Zusammenbruch der DDR. Kaum ein DDR-Bürger hat den freien Arbeitsmarkt der BRD gewählt. Niemand hat die teuren Mieten gewählt. Niemand wollte Wasser- und Abwassergebühren oder gar marktgängige Heizkosten in den Wohnungen zahlen. Was die Menschen gewählt haben, waren die harte D-Mark, Reisefreiheit, den BMW, die Aussicht auf ein schönes Eigenheim und andere Konsummöglichkeiten im Überfluss - nicht ahnend, dass sie sich diese lange Zeit gar nicht werden leisten können. Die Verlockung, die Perspektive war Ansporn und Hoffnung genug.

Ein Riegel vor der Freiheit

Es wäre darum gerade jetzt gut, möglichst vielen Russen die Einreise zu ermöglichen. Ja, sogar aktiv um sie zu werben. Jeder Russe, der hier im Westen ist und unser Leben kennenlernt, könnte ein Botschafter für unseren Lebensstil werden. Er könnte mit eigenen Augen sehen, welche Vorzüge Europa gegenüber dem Riesenreich im Osten bietet. Zumindest sind wir ja davon überzeugt, dass unser Leben deutliche Vorzüge hat.

Dass diese Argumente bisher auch noch oft überzeugt haben, zeigen die Zahlen der vielen Einwanderer, die aus Russland in den vergangenen Jahren nach Deutschland gekommen sind. Seit dem Kriegsbeginn ist die Zahl sogar um 77% gestiegen. Und jeder Russe, der hier ist, gibt sein Geld hier aus und nicht zwangsweise in Russland - oder künftig noch mehr in den vielen anderen Ländern der Welt, die sich eben nicht abschotten wie China, Dubai, die Türkei, Ägypten...

Für mich sind die Bestrebungen, es den Russen möglichst schwer zu machen, nach Europa zu kommen ein Zeichen der Schwäche. Der Westen wird Russland damit nicht in die Knie zwingen. Er zeigt vielmehr, dass er sich selbst im Gegensatz zu seinen politischen Botschaften nicht mehr für politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich überlegen hält. Ihr Stefan Ziermann
Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Brückeneinsturz von Baltimore

Hafen von Baltimore wieder geöffnet

Verschwommenes Bild vom Hafen in Baltimore und Bild von einem Sperrschild verlaufen ineinander © Adobe Firefly, KI-generiertes Bild
Der Hafen von Baltimore ist wieder rund um die Uhr geöffnet. Auch größere Schiffe können den wichtigen Umschlagplatz an der Ostküste der USA nun wieder anlaufen.
  • Fuchs plus
  • Stiftungsvermögen 2024: Credo Vermögensmanagement GmbH

CREDO baut Nähe zum Kunden auf

Thumb Stiftungsvermögen 2024, © Grafik Redaktion Fuchsbriefe mit Envato Elements
Eule, Segelboot, Keimling und Füllhalter – mit diesen Bildmotiven begrüßt CREDO auf der Website seine Gäste. Die Eule beobachtet genau, das Segelboot manövriert durch stürmische Zeiten, der Keimling steht für gesundes Wachstum und der Füllhalter soll Unabhängigkeit symbolisieren. Nicht schlecht gelöst. CREDO bedeutet laut Website „Ich glaube". Glauben und Vertrauen seien die wertvollsten Güter, der Ursprung des Unternehmens liege in kirchlichen Mandaten. Das passt perfekt zur Stiftung Fliege.
  • Einblick in den «Trusted Wealth Manager 2024»

Wie Oberbanscheidt & Cie. Transparenz und Kundenvertrauen in Vermögensverwaltung fördert

Grafik envato elements, Redaktion Fuchsbriefe
Die Oberbanscheidt & Cie. Vermögensverwaltungs GmbH mit Sitz in Kleve zeigt sich im neuesten «Trusted Wealth Manager» offen für Transparenz und Kundenkommunikation. Das Unternehmen bekräftigte seine Bereitschaft, Teile des Selbstauskunftsfragebogens zu beantworten, als Ergänzung zum laufenden Monitoring der FUCHS | RICHTER Prüfinstanz, was die Grundlage für eine vertrauensvolle Beziehung zu seinen Kunden bildet.
Neueste Artikel
  • Editorial

Trauer um Sven Jösting

FUCHSBRIEFE trauern um Sven Jösting. Unser Wasserstoff-Experte und Aktien-Analyst ist unerwartet verstorben.
  • Fuchs plus
  • PPAs boomen

Vervierfachung der Strom-Direktabnahmeverträge

Urban Area © urbans78 / stock.adobe.com
Die Zahl der Strom-Direktabnahmeverträge (PPA) von Betreibern von Wind- und Solarparks hat sich im vorigen Jahr vervierfacht. Der Markt, der lange bei Werten um 1 GW im Jahr dümpelte, kommt damit in Schwung. Für Großunternehmen wird es in wenigen Jahren wohl zum Standard bei der Energiebeschaffung gehören, KMU werden folgen.
  • Fuchs plus
  • Anlagechancen im Inselreich Philippinen

Zinssenkungen werden Peso-Turbo

Hafen von Manila © Joseph Oropel / stock.adobe.com
Die Philippinen sind ein riesiger Markt, in Depots deutsche Anleger aber kaum vertreten. Dabei bieten eine gute Peso-Perspektive und attraktiv bewertete Unternehmen Anleger einige Chancen.
Zum Seitenanfang