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USA und Europa mit unterschiedlicher Haltung zu Oligopolen

Wettbewerb um den Wettbewerb

Ein Beispiel von einem monopolartig marktdominierenden Konzern in der USA: T-Mobile © Picture Alliance
Brüssel hat den Zusammenschluss von Siemens und Alstoms Eisenbahnsparte untersagt. Lautstark sind die Klagen in der Politik. Doch das (Negativ-)Beispiel USA zeigt, dass Brüssel richtig gehandelt hat. Die vermeintlichen US-Champions richten langfristig gesehen mehr Unheil als Nutzen für die US-Wirtschaft an.

Europa und die USA gehen (auch) in der Wettbewerbspolitik entgegensetzte Wege. Die USA akzeptieren ein wachsendes Maß an Konzentration in allen Sektoren der Wirtschaft. Europa nicht. Zwar hat die Politik in Frankreich und Deutschland die Entscheidung von Kommissarin Margarethe Vestager heftig kritisiert – man wünscht sich europäische Champions. Doch die EU-Kommission setzt (noch) auf Wettbewerb durch Vielfalt – die Entscheidung, den Zusammenschluss von Alstom und Siemens zu unterbinden, ist dafür beispielhaft.

Weitgehend einhellig ist dagegen die Diskussion in der amerikanischen und deutschen Fach-Öffentlichkeit. Während die meisten Fachbeiträge in Deutschland Vestagers Entscheidung gutheißen, wird der rückläufige Wettbewerb durch monopol- und oligopolgleiche Business-Riesen wie Google, Facebook, Apple und Microsoft in den USA als ernstes Problem gesehen. Es ist die erklärte Strategie der Tech-Riesen, auf ihren Sektoren ein Monpol zu errichten und Monopolgewinne einzufahren.

US-Wettbewerbsbehörde mit Beißhemmungen

Die US-Wettbewerbsbehörde (Federal Trade Comission) verhält sich wie ein zahnloser Tiger. Rund 90% der angekündigten Zusammenschlüsse werden umgesetzt. Wenn nicht, dann gewöhnlich, weil sie von den Unternehmen abgesagt werden.
Die Konzentration in USA hat seit Mitte der 1980er enorm zugenommen. Die größten US-Firmen haben inzwischen einen weit größeren Marktanteil als noch in den 1990ern. Manche vergleichen die Lage mit der zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals beherrschten Magnaten wie J.P. Morgan, John Rockefeller und Andrew Carnegie mit ihren Trust-Konglomeraten die US-Wirtschaft.

Heute dominieren wieder wenige Konzerne wichtige Wirtschaftsbereiche:

  • Der Mobilfunkmarkt beherrschen nach der Übernahme von T-Mobile durch Sprint 3 Unternehmen.
  • Im Gesundheitswesen beherrschen HCA, CHS und Tenet den Markt.
  • Den US-Flugverkehr teilen United, Delta, American und Southwest unter sich auf.

Für die Verbraucher hat das Folgen. Studien kommen zu dem Schluss, dass US-Mobilfunkkunden jährlich 65 Mrd. Dollar weniger zahlen würden, wären die Wettbewerbsbedingungen so ausgestaltet wie in Deutschland oder Dänemark, der Heimat von Vestager. Das US-Gesundheitswesen ist als das teuerste der Welt bekannt – aber nicht als das beste.

Innovationskraft der US-Wirtschaft leidet

Die Konzentration hemmt die Innovationskraft der US-Wirtschaft. Die Zahlen sprechen für sich: 1979 waren zwischen 11% und 18% der Unternehmen in jeder Branche neu. 2014 waren es nur noch 4 bis 9%. Unternehmen, die 10 Jahre und jünger sind, beschäftigen heute einen deutlich geringeren Anteil der Erwerbsbevölkerung (19%) als noch vor einigen Jahrzehnten (33%). Vor allem scheint der rückläufige Wettbewerb zu langsamerem Produktivitäts- und Lohnwachstum zu führen. Das vermutet Brookings, ein Think-tank. Der Grund: Weniger Arbeiter wechseln von Unternehmen mit niedriger Produktivität zu Unternehmen mit hoher Produktivität. Schwinden die beruflichen Möglichkeiten, verringert das auch den äußerst wichtigen Talentpool, der für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes so wichtig ist.

Fazit:

Die Idee, „europäische Champions" zu schaffen, mag für die Politik verlockend sein. Und kurzfristig mögen die USA mit ihrer Laizzes-faire-Haltung zu Oligopolen erfolgreich erscheinen. Auf lange Sicht ist die Entscheidung für Wettbewerb die richtige. Brüssel hat gezeigt, wofür es gut sein kann.

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