Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1734
Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Bei E.ON stimmt die Richtung

Bei E.ON tragen Investoren aus Compliancesicht ein mittleres Risiko.
Das börsennotierte deutsche Versorgungsunternehmen E.ON quält seine Investoren mit Juristendeutsch und Denglisch. Ansonsten scheinen die Compliancemaßnahmen aber auf dem richtigen Wege – auch wenn Transparenz diesbezüglich bei E.ON noch nicht groß geschrieben wird.

2016 vollzog E.ON die Aufspaltung: Die Kohle- und Gaskraftwerke gingen an die ausgegliederte Uniper. Die kann sich künftig mit Kohleminen in Kolumbien, dem Russland-Geschäft und der Zerstörung von Lebensräumen rumschlagen. Den Atommüll lud man schon vorher beim Steuerzahler ab.

Bei E.ON bleiben die Netze und erneuerbare Energien – und die schöne neue Energiezukunft. Wäre das nicht eine günstige Gelegenheit für eine neue, bessere Risikowahrnehmung und Kommunikation? Was hat sich denn für das neu zugeschnittene Unternehmen verändert? Bei Offshorewind ist E.ON mittlerweile der zweitgrößte Betreiber der Welt. Verbesserungen darf es auch in der Kommunikation geben: Zu den „Luxemburg-Leaks" findet sich über die Suchmaschine bei E.ON nichts. Krass sind die Sprachwelten bei E.ON: im COC Juristendeutsch, auf der Homepage Marketingdenglish.

Verhaltenskodex

Ein „klassischer" legalistischer Verhaltenskodex der ersten Generation, der alle wesentlichen Standardthemen überdurchschnittlich gut ausführt. Leider fehlen Informationen auf der Homepage. Trotz der Kürze sind die meisten Vorgaben in der notwendigen Detailtiefe erläutert (z.B. der Begriff des „Amtsträgers", des „Vorteils", etc.). Unfassbar, dass die Sprache heute noch so juristisch und einschüchternd sein kann.

Die Aufforderung „jeder Mitarbeiter hat sich (...) eigenverantwortlich darüber zu informieren, welche Rechtsvorschriften für seine Tätigkeit zu beachten sind", geht weit über das Ziel hinaus, selbst wenn E.ON hierbei unterstützen will. Ästhetisch ist der Code eine durchnummerierte Bleiwüste in Gesetzesformat: keinerlei Bilder, keine Farben, keine grafischen Elemente, keine Auflockerung. 

Lieferantenkodex

E.ON hat einen überwiegend guten Lieferantenkodex. Mängel gibt es bei den Vorgaben zu Sublieferanten und der Darstellung von Überwachungsmaßnahmen. So behält sich E.ON zwar vor, den Lieferantenkodex mittels „Selbstauskunft, Auskunft durch Dritte, Vorlage von Zertifikaten sowie die Erlaubnis, die Einhaltung des Lieferantenkodex durch Audits vor Ort" zu überprüfen, es wird aber nicht deutlich, inwiefern der Konzern auch Gebrauch von diesen Maßnahmen macht. Ein Whistleblower-System für die Lieferkette ist nicht ersichtlich, ein System für Mitarbeiter scheint es aber zu geben. Lieferanten werden obligatorisch überprüft, die Auswahl der Geschäftspartner dokumentiert.

CMS Compliance-Management-System

Das CMS wurde 2016 nach dem internationalen Standard IDW PS 980 erfolgreich zertifiziert. Das bedeutet, „dass es geeignet ist, um Compliance-Risiken im Konzern zu vermeiden." Das ist eine Standardformulierung. Im Bereich der Whistleblower Hotline arbeitet E.ON mit einer externen Anwaltskanzlei zusammen. Das mag eine Hürde sein, aber unterstreicht auch, dass man die Anzeigen ernst nimmt. 2016 wurden 11.000 Mitarbeiter im Rahmen des „Pulse Checks" anonym zur Compliance-Kultur befragt. Etwa 75 Prozent der Mitarbeiter gaben dabei an, dass Fehlverhalten im Unternehmen offen angesprochen werden kann. 

Kommunikation 

Die Homepage ist consumerorientiert und nach der Energiewende ganz auf solar und alternative Energien gemünzt. Man tut so, als habe man die Energiewende erfunden, dabei tat E.ON alles, um sie zu verzögern und klagte sogar dagegen. Den Einstieg in das Geschäft mit erneuerbaren Energien hatte man lange verschlafen.

Radioaktive Abfälle und Kernenergie finden in der Berichterstattung kaum statt. Vergeblich sucht man nach Infos zum „Luxemburg-Leaks", der unschönen Steuervermeidung des Konzerns. Das Marketingdeutsch ist teilweise furchtbar. Beispiel: Mit dem „Predictive Maintenance Ansatz" will E.ON „einen maßgeblichen und revolutionären ‚Step Change' für das Asset Management vorantreiben." Was bitte?

Fazit: Sprachlich unsäglich, im Herzstück CMS recht gut. So kommt E.ON unter die besten Zehn im DAX in Sachen Compliancedarstellung. Dennoch: erhöhtes Investorenrisiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • So rechnet der Betrieb richtig

Wenn Urlaub zu Geld wird

Urlaub ist laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) zur Erholung da. Daher darf der Arbeitgeber dem Mitarbeiter diese Zeit eigentlich auch nicht in Geld umwandeln. Aber es gibt Ausnahmen: Wird das Arbeitsverhältnis beendet und es gibt noch ungenutzte Ansprüche, sind diese in Geld auszuzahlen. Nur: Wie berechnen sich die abgegoltenen Urlaubtage?
  • Fuchs plus
  • BMWi schüttet das Füllhorn aus

Neues Förderprogramm zur Digitalisierung

Ein neues Programm des BMWi fördert Digitalisierungsvorhaben. Die Palette reicht von Hardware, über Software bis hin zu Fortbildungen.
  • Im Fokus: Vegane Aktien

Alternative Ernährung bringt Gewinn

Immer mehr Menschen leben vegan. Copyright: Pexels
Vegane Lebensmittel erleben einen wahren Boom. Abgesehen von einigen Highflyern wie Beyond Meat profitieren aber noch einige mehr Unternehmen von dem Trend. Viele davon sind einer breiten Masse von Anlegern aber noch nicht bekannt. Wir bringen Licht ins Dunkel.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Die Beseitigungspflicht besteht auch bei typischem Nutzerverhalten

Dübellöcher beim Auszug gehen gar nicht

Sie sind klein, rund, häßlich und meist auch nicht selten – Dübellöcher. Wer Bilder, Lampen, Schränke und Regale befestigen will, der kommt um sie nicht herum. Die Frage ist nur, was mit ihnen geschieht, wenn ein Mietverhältnis endet. Muss der Mieter vor dem Auszug die Löcher in der Wand verschließen oder nicht?
  • Fuchs plus
  • Fahrstuhl zählt zum vertragsmäßigen Gebrauch einer Wohnung

Kaputter Aufzug begründet Mietminderung

Anstatt viele Stufen im Treppenhaus zu steigen, ist das Leben mit einem Lift viel angenehmer. Was früher Luxus war, ist inzwischen durch die Bauordnungen der Länder vorgeschrieben. In Berlin beispielsweise bei Neubauten mit mehr als Stockwerken. Ausgesprochen ärgerlich ist allerdings, wenn der Aufzug defekt ist und ausfällt. Welche Pflichten hat der Vermieter in diesem Fall?
  • Fuchs plus
  • Mit Vertical Sky können Bebauungslücken geschlossen werden

Das Windrad wird neu erfunden

Die neue Windturbine Vertical Sky von Agile Wind Power. Copyright: Agile Wind Power
Strom in Deutschland ist teuer. Immer mehr Unternehmen und Kommunen setzen daher auf Eigengewinnung. Das ist oft mit hohem Aufwand insbesondere wegen des Emissionsschutzrechtes und der Abstandsgebote verbunden. Ein Startup aus der Schweiz kann nun Abhilfe schaffen.
Zum Seitenanfang