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Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

Bei E.ON stimmt die Richtung

Bei E.ON tragen Investoren aus Compliancesicht ein mittleres Risiko.
Das börsennotierte deutsche Versorgungsunternehmen E.ON quält seine Investoren mit Juristendeutsch und Denglisch. Ansonsten scheinen die Compliancemaßnahmen aber auf dem richtigen Wege – auch wenn Transparenz diesbezüglich bei E.ON noch nicht groß geschrieben wird.

2016 vollzog E.ON die Aufspaltung: Die Kohle- und Gaskraftwerke gingen an die ausgegliederte Uniper. Die kann sich künftig mit Kohleminen in Kolumbien, dem Russland-Geschäft und der Zerstörung von Lebensräumen rumschlagen. Den Atommüll lud man schon vorher beim Steuerzahler ab.

Bei E.ON bleiben die Netze und erneuerbare Energien – und die schöne neue Energiezukunft. Wäre das nicht eine günstige Gelegenheit für eine neue, bessere Risikowahrnehmung und Kommunikation? Was hat sich denn für das neu zugeschnittene Unternehmen verändert? Bei Offshorewind ist E.ON mittlerweile der zweitgrößte Betreiber der Welt. Verbesserungen darf es auch in der Kommunikation geben: Zu den „Luxemburg-Leaks" findet sich über die Suchmaschine bei E.ON nichts. Krass sind die Sprachwelten bei E.ON: im COC Juristendeutsch, auf der Homepage Marketingdenglish.

Verhaltenskodex

Ein „klassischer" legalistischer Verhaltenskodex der ersten Generation, der alle wesentlichen Standardthemen überdurchschnittlich gut ausführt. Leider fehlen Informationen auf der Homepage. Trotz der Kürze sind die meisten Vorgaben in der notwendigen Detailtiefe erläutert (z.B. der Begriff des „Amtsträgers", des „Vorteils", etc.). Unfassbar, dass die Sprache heute noch so juristisch und einschüchternd sein kann.

Die Aufforderung „jeder Mitarbeiter hat sich (...) eigenverantwortlich darüber zu informieren, welche Rechtsvorschriften für seine Tätigkeit zu beachten sind", geht weit über das Ziel hinaus, selbst wenn E.ON hierbei unterstützen will. Ästhetisch ist der Code eine durchnummerierte Bleiwüste in Gesetzesformat: keinerlei Bilder, keine Farben, keine grafischen Elemente, keine Auflockerung. 

Lieferantenkodex

E.ON hat einen überwiegend guten Lieferantenkodex. Mängel gibt es bei den Vorgaben zu Sublieferanten und der Darstellung von Überwachungsmaßnahmen. So behält sich E.ON zwar vor, den Lieferantenkodex mittels „Selbstauskunft, Auskunft durch Dritte, Vorlage von Zertifikaten sowie die Erlaubnis, die Einhaltung des Lieferantenkodex durch Audits vor Ort" zu überprüfen, es wird aber nicht deutlich, inwiefern der Konzern auch Gebrauch von diesen Maßnahmen macht. Ein Whistleblower-System für die Lieferkette ist nicht ersichtlich, ein System für Mitarbeiter scheint es aber zu geben. Lieferanten werden obligatorisch überprüft, die Auswahl der Geschäftspartner dokumentiert.

CMS Compliance-Management-System

Das CMS wurde 2016 nach dem internationalen Standard IDW PS 980 erfolgreich zertifiziert. Das bedeutet, „dass es geeignet ist, um Compliance-Risiken im Konzern zu vermeiden." Das ist eine Standardformulierung. Im Bereich der Whistleblower Hotline arbeitet E.ON mit einer externen Anwaltskanzlei zusammen. Das mag eine Hürde sein, aber unterstreicht auch, dass man die Anzeigen ernst nimmt. 2016 wurden 11.000 Mitarbeiter im Rahmen des „Pulse Checks" anonym zur Compliance-Kultur befragt. Etwa 75 Prozent der Mitarbeiter gaben dabei an, dass Fehlverhalten im Unternehmen offen angesprochen werden kann. 

Kommunikation 

Die Homepage ist consumerorientiert und nach der Energiewende ganz auf solar und alternative Energien gemünzt. Man tut so, als habe man die Energiewende erfunden, dabei tat E.ON alles, um sie zu verzögern und klagte sogar dagegen. Den Einstieg in das Geschäft mit erneuerbaren Energien hatte man lange verschlafen.

Radioaktive Abfälle und Kernenergie finden in der Berichterstattung kaum statt. Vergeblich sucht man nach Infos zum „Luxemburg-Leaks", der unschönen Steuervermeidung des Konzerns. Das Marketingdeutsch ist teilweise furchtbar. Beispiel: Mit dem „Predictive Maintenance Ansatz" will E.ON „einen maßgeblichen und revolutionären ‚Step Change' für das Asset Management vorantreiben." Was bitte?

Fazit: Sprachlich unsäglich, im Herzstück CMS recht gut. So kommt E.ON unter die besten Zehn im DAX in Sachen Compliancedarstellung. Dennoch: erhöhtes Investorenrisiko.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

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