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Wie transparent sind die Compliance-Maßnahmen?

HeidelbergCement wirkt in der Compliance verkalkt

HeidelbergCement hat in der Compliance noch längst nicht alle Zeichen der Zeit erkannt. Daher: Erhöhtes Investorenrisiko.
HeidelbergCement macht alles ein wenig, aber nichts so richtig richtig. So jedenfalls wirkt die Darstellung der Compliancemaßnahmen, wie die Öffentlichkeit sie wahrnehmen kann. Das kann den DAX-Konzern nicht zufriedenstellen.

Der Baustoffhersteller hat im letzten Jahr groß eingekauft: 3,7 Mrd. Euro kostete die Akquisition des italienischen Konkurrenten Italcementi. Italien und das Baugewerbe, dazu ein Sanierungsfall: die Compliance Abteilung dürfte viel zu tun haben. In den Codices schlägt sich das (noch) nicht nieder.

Vor allem der Verhaltenskodex lässt zu wünschen übrig, beim hier besonders wichtigen Lieferantenkodex sieht es etwas besser aus. Der Zementmarkt ist oligopolistisch geprägt, und unterliegt hohen regulatorischen Eingriffen, sowohl bei den Produktionsstätten als auch durch Emissionszertifikate. Wie politisch das Geschäft von HeidelbergCement ist, zeigt ein weiterer Zukauf in den USA, wo man die Mauer gegen Mexiko mitbauen will.

Angenehm fällt auf, dass der Konzern ausführliche Kennzahlen zur Verfügung stellt, wenn auch deren Reichweite nicht immer ersichtlich ist.

Verhaltenskodex

Kurz und insgesamt dürftig: Dennoch wiederholen sich einige Passagen wörtlich und die Mitarbeiter werden unermüdlich dazu aufgefordert, die Regelungen dem Geiste nach zu verinnerlichen. Entlarvend ist der Satz „Jeder Mitarbeiter ist dafür verantwortlich, sich über die maßgeblichen Gesetze und Vorschriften kundig zu machen, (...)."

Das stimmt vielleicht in der Theorie, ist aber vollkommen praxisfern und untauglich für eine effektive Compliance. Es ist vielmehr Aufgabe des Unternehmens, die Mitarbeiter entsprechend zu schulen. Kaum Ausführungen zur Implementierung, was möglicherweise unzureichenden Ressourcen geschuldet ist. 

Lieferantenkodex

Positiv sind die Bestimmtheit der Vorgaben und die klaren Konsequenzen bei Verstößen. Allerdings ist der Lieferantenkodex relativ knapp gehalten und hätte die einzelnen Bestimmungen mehr erklären müssen. Eine DIN A4 Seite und nur drei inhaltliche Überschriften (Arbeitsbedingungen/Arbeitnehmer; Umweltstandards sowie Unternehmensethik) sind zu wenig.

Hier hätte mehr differenziert werden müssen. Gerade wenn man sich die Aktivitäten des Konzerns etwa im Westjordanland oder in Indonesien vor Augen führt, wo es bei der Erschließung neuer Abbaugebiete zu Konflikten mit der lokalen Bevölkerung kam, dann hätte man schon ein umfangreicheres Dokument erwarten können. Zement ist ein stark lokales Geschäft. Ferner hat der Kodex kaum Informationen zu Überwachungsmaßnahmen. Das ist nicht ausreichend. Hier darf man mehr erwarten.

CMS Compliance-Management-System

Ein durchschnittliches Compliance Management System, das Struktur, Pflichten und Zuständigkeiten darstellt. Die Organisation ist dezentral gegliedert. Die Überwachung der konzernweiten Umsetzung des Compliance-Programms geschieht durch Regel- und Sonderprüfungen der internen Revision sowie durch spezielle halbjährliche Berichte des Director Group Compliance an den Vorstand und den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats.

Seit 2015 wird eine Risikoanalyse für den Bereich Korruption in allen Landesorganisationen durchgeführt. Der Risikobericht ist umfangreich und scheint ins CMS integriert. Der Fokus liegt auf Wettbewerbsrecht, auf Antikorruptionsregeln sowie auf dem Datenschutz. 

Kommunikation 

Es fehlt eine eigenständige Compliance Unterseite auf der Homepage. Die Kommunikation über bekannte Problem-
fälle ist dürftig. Zu Fragen wie der Unfallquote oder den Problemen in Indonesien kommt man mit der Suchfunktion nicht weiter. Dass man auf der Hauptversammlung Proteste zuließ, reicht noch nicht für eine proaktive Kommunikationspolitik.

Leider nimmt HeidelbergCement kaum Bezug auf das Thema der Endlichkeit seiner Rohstoffe, obwohl die Verfügbarkeit von für Beton verwertbarem Sand in verschiedenen Weltgegenden ein zunehmendes Problem darstellt. Wie bereitet man sich darauf vor?

Fazit: So sieht Durchschnitt aus. Leider liegt der bei CC, und so erzielt HeidelbergCement in Sachen sichtbarer Compliancekultur noch lange kein Investmentgrade.  

Hinweis: Die Untersuchung wurde im Juli 2017 abgeschlossen. Nachträglich veröffentlichte Dokumente wurden nicht systematisch begutachtet. Erläuterungen zur Risikokennzahl, zum Rating und zu den Auswertungskategorien finden Sie hier.

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