Informationen und qualifizierte Einschätzungen zu Chancen und Risiken
030-288 817-20
0,00 €
1751
Autounfall auf Arbeitsweg

Behandlungskosten sind Werbungskosten

Manchmal hat man kein Glück und dann kommt auch noch Pech hinzu. Auf dem Weg zur Arbeit hatte eine Frau einen schweren Unfall. Die Berufsgenossenschaft wollte nicht die gesamten Kosten für die plastische Chirurgie tragen. Nun ging es vor dem BFH darum, ob die Kosten wenigstens als Werbungskosten geltend gemacht werden können.

Von einem Arbeitnehmer nach einem Autounfall auf dem Weg zur Arbeit selbst getragene Behandlungs- und Operationskosten sind als Werbungskosten abziehbar. Und zwar zusätzlich zur Entfernungspauschale. Das hat der BFH entschieden.

Hintergrund: Die Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und Arbeit dürfen als Werbungskosten abgesetzt werden. Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer z.B. mit dem PKW zur Arbeit fährt, eine Entfernungspauschale von 0,30 € pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte absetzbar. Mit der Entfernungspauschale sind kraft Gesetzes generell sämtliche Aufwendungen, und damit auch außergewöhnliche Kosten abgegolten. Das gilt generell auch für Unfallkosten.

Selbst getragene Behandlungskosten sind etwas anderes

Vom Steuerzahler selbst getragene ärztliche Behandlungskosten aufgrund eines Autounfalls auf dem Weg zur Arbeit sind aber gesondert als Werbungskosten absetzbar. Sie sind nicht mit der Entfernungspauschale abgegolten. Grund: Die Entfernungspauschale erstreckt sich nur auf fahrzeug- und wegstreckenbezogene Aufwendungen. Aufwendungen im Zusammenhang mit der Beseitigung oder Linderung von Körperschäden, die durch einen Unfall auf einer beruflich veranlassten Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte eingetreten sind, werden von der Abgeltungswirkung der Entfernungspauschale nicht erfasst.

Eine Frau hatte auf ihrem Arbeitsweg einen Autounfall mit schweren Verletzungen an Gesicht und Nase. Sie machte anschließend von ihr selbst getragene Arztkosten in Höhe von 2.409 Euro für eine operative Nasen- und Ohrmuschelkorrektur geltend. Zur Wiederherstellung des zertrümmerten Gesichtsknochens und des Nasenbeins der Klägerin sei es notwendig gewesen, die konkreten ärztlichen Leistungen in Anspruch zu nehmen. Die Berufsgenossenschaft habe nicht alle Kosten übernommen. Dies liege allein daran, dass die streitigen Leistungen nicht zur sog. Grundversorgung zählten. Der BFH sprach ihr den Steuerabzug zu.

Fazit: Die Behandlung nach einem Autounfall auf dem Arbeitsweg genießt steuerrechtlich damit einen Sonderstatus.

Urteil: BFH, VI R 8/18

Meist gelesene Artikel
  • Fuchs plus
  • Brasiliens Märkte (wieder) unter Druck

Der schamlose Flirt mit dem Militärputsch

Bolsonaro: Der schamlose Flirt mit dem Militärputsch. Copyright: wikimedia
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro startete als Liebling der Finanzmärkte, ist dort aber längst zu einer persona non grata geworden. Die Ursachen liegen in seiner praktisch erfolglosen Politik, die kaum etwas von dem hält, was man sich von ihm versprach. Je stärker die Opposition gegen ihn wird, desto unverhüllter werden seine Drohungen mit einem Militärputsch.
  • Fuchs plus
  • BW-Bank, TOPS 2022, Beratungsgespräch und Vorauswahl

BW-Bank gibt passende Antworten auf viele Fragen

Wie schlägt sich die BW-Bank im Markttest TOPS 2022? Copyright: Verlag Fuchsbriefe
"Die Finanzwelt hat eine turbulente Zeit hinter sich – von den Kursschwankungen am Aktienmarkt im Frühjahr 2020 bis hin zum frischen Wind durch Digitalisierung und nachhaltige Geldanlagen. Wie geht es 2021 weiter?“ Diese Frage, die der Kunde auf der Website der BW-Bank liest, treibt ihn selbst um. Wie soll er sein Vermögen ohne Verluste durch weitere Turbulenzen bringen? Expertise für institutionelle Anleger hat die Bank als führender Stiftungsmanager. Doch hilft ihm das auch als Privatkunde?
  • Fuchs plus
  • Kompliziert: Wann Umsatzsteuer im Ausland?

B2C: Sehr niedriger Schwellenwert

B2C: Sehr niedriger Schwellenwert. Copyright: Pixabay
Die Komplexität der Umsatzsteuerabwicklung im Online-Handel ist nicht nur durch den neuen sehr niedrigen Lieferschwellenwert von 10.000 Euro gefährlich. Bei unabsichtlichen Fehlern, fehlendem Wissen oder Fahrlässigkeit drohen empfindliche Geldstrafen (Steuerhinterziehung) oder gar Haft.
Neueste Artikel
  • Fuchs plus
  • Partnerschaft mit Bosch bestätigt

Nikola Motors setzt Geschäftsplan sukzessive um

Nikola Motors setzt Geschäftsplan sukzessive um. Copyright: Nikola Motors
Bei Nikola Motors wird es gerade etwas ruhiger - und das ist gut so. Denn für das Unternehmen geht es darum, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren - und sich weniger mit dubiosen Vorwürfen von Short-Sellern zu beschäftigen. Und während es gute Meldungen zum Geschäftsverlauf gibt, erhöhen die "Shorties" ihre Positionen.
  • Fuchs plus
  • Bitcoins in der Exchange Traded Note (ETN)

Eine bloße Forderung muss kein Nachteil sein

Bitcoins in der Exchange Traded Note (ETN). Copyright: Pexels
Bitcoin gibt es nicht nur pur, sondern auch im Mantel. Der Mantel, das kann ein ETF sein oder eine ETN. Was ist aus Anlegersicht zu bevorzugen?
  • Fuchs plus
  • Bloom Energy

Im Fokus der Short-Seller

Die Aktie von Bloom steht weiterhin im Fokus von Investoren, die auf fallende Kurse spekulieren. Von der fundamentalen Entwicklung her können wir das nicht nachvollziehen. Daher haben wir die Aktie weiter auf der Kaufliste - mit der Chance auf einen heftigen Short squeeze.
Zum Seitenanfang